So funktioniert die Zukunft

Künstliche Intelligenz und natürliche Sprachverarbeitung: Wie ChatGPT unsere Kommunikation revolutioniert

„ChatGPT“ programmiert, formuliert Texte, Artikel oder wissenschaftliche Arbeiten – und das auf den ersten Blick fast so gut wie ein Mensch. Revolutioniert der Chatbot unser textbasiertes Arbeiten? Der Chaos Computer Club Freiburg (CCCFr) sieht Chancen und Risiken in der Zukunftstechnologie. Wir haben uns inzwischen an viele technische Neuerungen gewöhnt und möchten sie nicht missen: Smartphones, Sprachassistenten, und natürlich auch die sogenannten Chatbots, die automatisch Antworten für standardisierte Fragen liefern – zum Beispiel im Kundensupport. Mit der neuen Künstlichen Intelligenz „ChatGPT“ (Generative Pre-trained Transformer) gibt es jetzt ein Programm, das unser Leben ähnlich revolutionieren könnte, wie damals die Erfindung des Handys. Denn der Bot mit dem nüchternen Namen kann auf Kommando ziemlich viel. Er schreibt Artikel, löst mathematische Aufgaben, spricht verschiedene Sprachen, verfasst Lyrik oder programmiert sogar kleinere Anwendungen oder Apps. Sogar unterhalten kann man sich prinzipiell mit ihm.
Von einer „echten“ KI will man im CCCFr dennoch nur ungern sprechen: „ChatGPT kann überhaupt nicht inhaltlich bewerten, ob irgendwas gut, böse, richtig, schlecht, wichtig oder unwichtig ist“, erklärt Jens Rieger. Der Bot berechne vereinfacht gesagt nur die Wahrscheinlichkeiten dafür, was vermutlich das nächste Wort sein wird oder was in den Satz am sinnvollsten hinein passt. Dafür schöpft er momentan aus einem Reservoir von rund 500 Milliarden Texten. Tagesaktuelle Schriften kann er allerdings – noch – nicht produzieren, seine Infos reichen höchstens bis ins Jahr 2021. Die Wortneuschöpfung „Klimakleber“ aus dem vergangenen Jahr sagt dem digitalen Superhirn der US-Firma OpenAI also nichts. Die Chat-Revolution macht man beim CCCFr vor allem in dem semantischen Feinschliff der Antworten aus, dennoch sieht CCCFr-Mitglied Herbert Ackermann auch Probleme: „Auf den ersten Blick scheinen die generierten Texte beeindruckend gut zu sein, treffend formuliert und sogar in verschiedenen Schreibstilen wie Prosa, Lyrik oder Rap geschrieben. Wenn man jedoch genauer hinschaut, fallen einem viele subtile Fehler auf.“ Sollte der Chatbot in seiner jetzigen Form genutzt und die Ergebnisse nicht korrekt gegengecheckt werden, sei die Gefahr groß, dass sich die Fehler durch Veröffentlichungen auf Plattformen wie beispielsweise Wikipedia massiv weiterverbreiten.
Während aufwändige Arbeiten, wie Reportagen oder wissenschaftliche Hausarbeiten, noch nichts für den Chatbot sind, könnten langweilige Fleißaufgaben dagegen bald der menschlichen Vergangenheit angehören: Standardtexte, Zusammenfassungen und ähnliches wird der Bot nach Vermutung der Computerexperten vom CCCFr bald zufriedenstellend lösen können. Wichtig sei es aber, diese Vorgänge entsprechend transparent zu machen: „Für den Nutzer sollte ersichtlich sein, wie und von wem ein bestimmter Text erstellt wurde“, so Rieger. Dennoch stelle das Chatprogramm die Gesellschaft als Ganzes auch vor große Probleme: „Sprachmodelle wie ChatGPT können hilfreich sein, wecken aber auch ethische Bedenken, da sie beispielsweise oft Vorurteile reproduzieren, die in den Basistexten vorhanden sind, unter anderem Sexismus, patriarchale Strukturen, Unterdrückung oder Kolonialismus.“

Claudia Kleinhans

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