Comeback der Touristen

2022 kamen wieder mehr Hotelgäste in die Stadt – doch in den Randzeiten ist noch Luft nach oben

Freiburg steht wohl vor einem Rekord bei Übernachtungen in Hotels. Das wurde beim Neujahrsempfang des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) bekannt. Doch trotz des Aufschwungs nach den schwachen Coronajahren ist in Freiburg ein harter Preiskampf entbrannt. Vor allem aus einer Weltregion blieben Gäste aus.Zwar werden die endgültigen Übernachtungszahlen für 2022 erst Ende Februar vorliegen. Oberbürgermeister Martin Horn ließ aber beim Neujahrsempfang des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) bereits durchblicken, wohin die Reise geht: „Wir gehen von einem neuen Übernachtungsrekord aus, was sehr erfreulich ist“, zitiert ihn die BZ. Demnach seien von Januar bis Oktober schon 1,74 Millionen Hotelgäste gezählt worden. 2019, im Jahr vor der Pandemie, lag die Gesamtzahl bei 1,82 Millionen Übernachtungen. Zum Vergleich: Im Pandemiejahr 2021 waren es nur 1,27 Millionen Übernachtungen.


Positivtrend mit Tücken
Auch Franziska Pankow, Cheftouristikerin bei der Freiburger Messe- und Tourismusgesellschaft FWTM bestätigt dem Wochenbericht den Positivtrend: „Wir erwarten aller Voraussicht nach einen Tourismusrekord für die Übernachtungszahlen in 2022. Die Auslastung der Hotellerie befindet sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch unter dem Vorkrisenniveau.“ Dass das so ist, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass die Zahl der Betten in den letzten Jahren massiv ausgebaut worden ist. Laut Alexander Hangleiter, Dehoga-Geschäftsführer in Freiburg, gab es 2022 in Freiburg 7.834 Hotelbetten mit einer Auslastung von 51,1 Prozent. 2019 waren es dagegen noch 6.383 Betten, die zu 57,7 Prozent ausgelastet waren. „Deshalb haben die positiven Übernachtungszahlen leider auch ihre Schattenseiten“, sagt Christoph Glück, Inhaber der Traditions-Gasthäuser „Roter Bären“ und „Schiff“, sowie Dehoga-Kreisvorsitzender für Freiburg-Stadt. So habe Freiburg eine der geringsten Zimmer-Raten überhaupt in Baden-Württemberg. Der durchschnittliche Netto-Zimmerpreis in Freiburg lag laut der Branchenzeitung AHGZ in Freiburg bei 88,20 Euro. Auch die Verweildauer der Gäste sei „bescheiden“, so Glück. Um die Gäste zurück nach Freiburg zu locken, sei 2022 zwar viel getan worden, sagt er und hebt lobend die Restart-Kampagne der FWTM hervor, mit der die Stadt das dritte Jahr in Folge Werbung für das Reiseziel Freiburg machte. „Aber die Frage lautet, durch was oder wie bekommen wir auch in den schlechten Monaten Gäste?“, sagt Glück und nennt beispielhaft den aktuellen Januar mit schwachen Gästezahlen. Schmerzhaft sei außerdem das Aus für die publikumsträchtige Branchenmesse Interbrush, die Fachleute aus aller Welt nach Freiburg lockte. „Der Messestandort Freiburg füllt keine Betten mehr“, so Glück. Und aufgrund der Reisebeschränkungen in China seien gerade 2022 wenige Asiaten, „die sonst fast schon zum Stadtbild gehören“, nach Freiburg gekommen. Optimistisch sei er dennoch, sagt Glück: „Ich habe die Hoffnung, dass der internationale Reisemarkt 2023 wieder in Schwung kommt.“

Matthias Joers

Zurück