Für Flick sind sie nur Backups

Die Freiburger im deutschen Team sind noch ohne WM-Minuten – und müssen wohl weiter warten

Wooyeong Jeong, Ritsu Doan und Daniel-Kofi Kyereh vom SC Freiburg haben ihren Teamkollegen Matthias Ginter und Christian Günter eines voraus: nämlich Einsatzminuten bei der Fußball-WM in Katar. Ginter und Günter dagegen blieben bislang im DFB-Team nur die Zuschauerrolle. Wenig deutet darauf hin, dass sich das gegen Costa Rica am Donnerstag (20 Uhr/ARD) ändern könnte.Mit der Deutschland-Brille auf der Nase fühlt sich die WM seit dem 1:1 gegen Spanien gleich ganz anders an – dem Frust-Ergebnis gegen Japan (1:2) ließ die deutsche Elf ein Lust-auf-mehr-Spiel gegen die Iberer (1:1) folgen. Mit der Freiburg-Brille wiederum musste man bislang auf Japan, Südkorea oder Ghana schauen, wollte man sich ein paar heimatliche Glücksgefühle holen. Fans von Christian Günter und Matthias Ginter dagegen schauen bislang in die Röhre.


David Raum angeschlagen
Weder gegen Japan noch gegen Spanien kamen Innenverteidiger Ginter und der Linksverteidiger Günter zum Einsatz. Nicht mal zu einem Mini-Einsatz reichte es. Ritsu Doan mit Japan, Wooyeong Jeong mit Südkorea und Daniel-Kofi Kyereh (Ghana) sammelten indes schon WM-Minuten.
In der Innenverteidigung entschied sich Bundestrainer Hansi Flick zuletzt für das Duo aus Antonio Rüdiger (Real Madrid) und dem Dortmunder Niklas Süle, die gegen Spanien miteinander harmonierten. Zwar kam Süle beim spanischen Führungstor einen Schritt zu spät und leistete sich damit wie schon gegen Japan einen Schnitzer. Trotzdem scheint Flick seine Wunsch-Kombination gefunden haben, so dass Ginter auf dieser Position das Nachsehen hat. Auch auf der rechten Außenbahn in der Viererabwehrkette dürfte der vielseitig einsetzbare Ginter allenfalls dritte Wahl sein – gegen Spanien stand Thilo Kehrer in der Startelf und wurde dann vom Leipziger Lukas Klostermann abgelöst.
Verschlechtert hat sich auch die Ausgangslage von Christian Günter. Noch vor der WM bestand die leise Hoffnung, dass der SC-Kapitän (7 Länderspiele) aufgrund seiner konstant guten Leistungen in der Liga und der Europa League dem zuletzt formschwachen Leipziger David Raum (14 Länderspiele) Konkurrenz machen könnte. Nicht wenige Medien von Kicker bis SZ sahen Günter als Startelfkandidaten. Flick dagegen vertraute auf Raum, der dieses Vertrauen trotz einiger Defensivwackler gegen Japan und Spanien zurückzahlte. Und: Günter könnte in der Hierarchie mit dem Spanien-Spiel überraschend sogar noch eine Position nach hinten gerückt sein. Bei David Raums Auswechslung in der 87. Minute wechselte Flick nicht etwa positionsgetreu und brachte Günter, sondern statt dessen den gelernten Innenverteidiger und Ex-Freiburger Nico Schlotterbeck. Eine winzige Restchance auf einen Günter-Einsatz gegen Costa Rica gibt es aber noch: „David Raum hat eine Rippenprellung“, berichtet Hansi Flicks Co-Trainer Danny Röhl, der jedoch hinzufügt: „Das sollten wir bis Donnerstag hinbekommen.“
Günter fiel gegen Spanien dafür in ganz anderer Rolle auf. Beim Torjubel zu Niklas Füllkrugs Ausgleichstor stürmte er vom Seitenaus als Erster aufs Feld und feierte den Bremer Torschützen. Die Bedeutung einer solchen Aktion wiederum kennt er aus Freiburg: Wichtig in einer Mannschaft sind alle Spieler. Auch dann, wenn sie nicht spielen.

Matthias Joers

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