Mit gemischten Gefühlen

Freiburger Staatsanwalt geht zurück nach Kiew – Interview

Klaus Hoffmann aus Freiburg hat die Koffer für eine Reise ins Ungewisse gepackt. Der Oberstaatsanwalt unterstützt die multinationale Ermittlergruppe „Atrocity Crimes Advisory Group“. Sie soll die ukrainische Justiz bei der Verfolgung möglicher russischer Kriegsverbrechen unterstützen.

Herr Hoffmann, Sie haben ja bereits in Kiew gearbeitet, doch derzeit hat sich die Lage dort durch die russischen Bombardements weiter zugespitzt. Mit welchen Gefühlen fahren Sie nun erneut in die Ukraine?

Klaus Hoffmann: Dieses Mal reise ich mit durchaus gemischten Gefühlen. Die Lage hat sich seit den massiven Angriffen seit Mitte Oktober deutlich verändert. Zum einen besteht eine erhöhte Gefahr auch für Angriffe auf Kiew selbst, zum anderen sind die Zerstörungen der zivilen Infrastruktur deutlich zu spüren. Das Arbeiten in der Ukraine wird damit in jeder Hinsicht schwieriger.

Wie gut kann man in Kiew derzeit überhaupt noch arbeiten angesichts der zuletzt verschärften Sicherheitslage? Was genau ist nun dieAufgabe Ihres erneuten Besuchs?

Hoffmann: Blackouts und teilweise der Abbruch der Wasserversorgung sowie der zeitweise Zusammenbruch der Mobilfunknetze erschweren die Arbeit. Andererseits kann man in dieser Lage tatsächlich besser vor Ort in persönlichen Besprechungen arbeiten als online. Im Fokus des nunmehr vierten Besuchs in der Ukraine steht die Beratung der ukrainischen Kollegen im Hinblick auf eine umfassende Strategie, wie die Masse der Kriegsverbrechen effizient und gezielt im ganzen Land bearbeitet und zugleich Verfahren gegen die russische Führungsriege aufgebaut werden können. Daneben geht es auch um die Zusammenarbeit der Staatsanwaltschaften mit Nichtregierungsorganisationen, die ja vielfach auch eigene Ermittlungen vornehmen.

Zuletzt haben uns auch Meldungen über angebliche Kriegsverbrechen vonseiten der Ukraine an russischen Soldaten erreicht. Was ist ansolchen Berichten dran?Untersuchen Sie diese auch?

Hoffmann: Eine eigene Einschätzung der Berichte kann ich bislang nicht vornehmen. Klar ist aber von internationaler Seite, dass sowohl national wie international unabhängig von der Staatsangehörigkeit etwaiger Tatverdächtiger ermittelt wird. Das Interview führte Bernd Peters

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