„Kleine Freude im Kriegsalltag“

Weihnachtspäckchen und Hilfsgüter für die Ukraine: Aktion des S’Einlädele läuft bis 16. Dezember – Interview

Den Menschen in der Ukraine ein wenig Wärme, Freude und Hoffnung während des Kriegs schenken: das ist das Ziel der Weihnachtspäckchenaktion des S’Einlädele und der Evangelischen Stadtmission. Bis zum 16. Dezember können Geschenke für bedürftige Kinder, Familien und Senioren abgegeben werden. Wie die Aktion abläuft und was besonders benötigt wird, erklärt Volker Höhlein, Geschäftsführer von S’Einlädele, der die Ukraine-Hilfe koordiniert, im Gespräch mit Saskia Schuh.

Herr Höhlein, die Weihnachtspäckchenaktion gibt es schon seit vielen Jahren, warum ist es gerade jetzt so wichtig, mitzumachen?

Volker Höhlein: Durch den Krieg ist die Situation in der Ukraine natürlich noch prekärer als in den vergangenen Jahren. Nie war die Aktion dringender als jetzt. Wir wollen nicht nur die Not mit Hilfsgütern lindern, sondern mit den Weihnachtspäckchen auch etwas fürs Herz schicken – eine kleine Freude und einen Hoffnungsschimmer im grauen Kriegsalltag. Der Inhalt hilft den bedürftigen Kindern, Senioren oder Familien nicht nur ein paar Tage über die Runden, sondern es sind wahrscheinlich die einzigen Weihnachtsgeschenke, die die Menschen bekommen.

Wie läuft die Aktion ab?

Höhlein: Mit den nächsten LKWs nehmen wir die Weihnachtspakete mit und bringen diese in vier Destinationen, vor allem in der Ostukraine. Bis zum 16. Dezember können die Päckchen abgegeben werden, beim S’Einlädele (Guntramstraße 58), den Oltmanns in der Evangelischen Stadtmission (Oltmannsstraße 30) oder in der eingerichteten Sammelstelle in Merzhausen (Zum Engelberg 4a). Wer kein Paket packen will, kann das bei uns ’bestellen’, wir packen es dann mit Schulklassen.

Wie soll so ein Päckchen aussehen?

Höhlein: Man kann vier verschiedene Kartons packen. Für Kinder je einen Schuhkarton für Mädchen oder Jungen, beispielsweise mit warmer Kleidung, etwas zum Basteln und Süßigkeiten. Oder einen Schuhkarton für Senioren mit Konserven und Handschuhen oder Schal. Möglich ist ebenfalls ein Lebensmittelpaket für eine Familie, das sollte maximal die Größe eines Bananenkartons haben. Auf unserer Homepage findet man eine Packliste, was dort rein soll. Ein Teil der Pakete soll auch an geflohene Kinder aus der Ukraine, die in Freiburg leben, gehen.

Was wird vor allem benötigt?

Höhlein: Auf unserem Online-Blog haben wir eine aktuelle Liste, mit dem, was aktuell am dringendsten gebraucht wird. Wir sammeln ja nicht nur Weihnachtspakete, sondern auch Sachspenden für den Winter. Im Moment nehmen wir gerne alles, das wärmt und Licht spendet wie Kerzen, Taschenlampen – auch gerne handbetrieben mit Kurbel – aber auch Powerbanks, mit denen die Leute ihre Handys aufladen können, wenn Strom da ist. Campingkocher, Hygieneartikel, Decken, Bettwäsche, Matratzen, warme Socken und Unterwäsche, wasserdichte Schuhe oder ähnliches werden ebenfalls benötigt.

Wie wird den Menschen in der Ukraine über die Aktion hinaus geholfen?

Höhlein: Seit Kriegsbeginn fährt ein 40-Tonner von uns pro Woche in die Ukraine. Insgesamt haben wir bisher bereits knapp 50 LKWs mit 800 bis 1.000 Tonnen Hilfsgütern geschickt. Mitarbeiter von uns sind oder waren vor Ort, beispielsweise in Cherson, kaufen dort Lebensmittel und verteilen sie. Wir haben 50 mobile Öfen schweißen lassen, damit die Menschen heizen und kochen können und schicken Generatoren. Gerade in der Ostukraine ist die Lage aktuell schlimm, durch die Angriffe auf die Energieversorgung gibt keinen Strom mehr. Große Hoffnungslosigkeit herrscht vor allem bei Familien mit kleinen Kindern, viele kämpfen damit zu bleiben oder zu gehen. In Freiburg kommen auch nach wie vor viele Geflüchtete an, für diese suchen wir auch weiterhin Wohnraum zum anmieten.

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