„Die Clubszene stärken“

Was macht die neue Nachtkulturbeauftragte? Interview mit Kristina Mühlbach

Seit zwei Wochen ist die neue städtische Nachtkulturbeauftragte Kristina Mühlbach im Amt. In Freiburg studierte sie Literatur- und Musikwissenschaft, arbeitete in der Kulturarbeit am Theater und war an der Musikhochschule Dozentin für Songwriting. Was nun ihre Aufgaben sind und wofür sich die 39-Jährige einsetzen will, erklärt sie im Gespräch mit Saskia Schuh.

Frau Mühlbach, was genau sind Ihre Aufgaben als Nachtkulturbeauftragte fürFreiburg?

Kristina Mühlbach: Durch die Ansiedlung am Kulturamt bin ich vor allem die Brücke in die Verwaltung für VeranstalterInnen, ClubbesitzerInnen, Kultureinrichtungen oder Leuten, die Freiflächen für legale Raves nutzen wollen. Ich bin deren Ansprechpartnerin, um für konkrete Konflikte Lösungen zu finden oder auch um die Organisation und Koordination zu erleichtern, etwa wenn man Freiflächen nutzen will. Es geht auch darum, dass Nachtkulturorte an denen es Kleinkunst oder Livemusik gibt, keine Vergnügungs- sondern Kulturstätten sind. Da gelten dann ganz andere Regeln. Das wäre zum Beispiel beim Ruefetto der Fall. Ich werde im stetigen Austausch mit den Orten der Nachtkultur sein, um deren Perspektiven, Bedarf und Probleme kennenzulernen.

Mit welchen Konflikten in punkto Nachtleben werden Sie zu tun haben?

Mühlbach: Konkret gibt es momentan noch keine, aber zum Sommer hin wird sich das aber vermutlich ändern. Da werde ich auch mit Lärmkonflikten an öffentlichen Plätzen wie im Seepark, Eschholzpark oder auf dem Platz der Alten Synagoge beschäftigt sein. Vor allem in Zusammenarbeit mit dem Amt für öffentliche Ordnung und deren NachtmediatorInnen, die es ab Januar gibt. Die Mediatoren sind im Gegensatz zu mir eher mobile Streetworker, die nachts vor Ort Konflikte lösen. Ich mache auch mal Clubbesuche, aber eher um mir die Probleme und Lösungen vor Ort anzusehen. Im Erdgeschoss des Wentzingerhauses sind der Popbeauftragte Tilo Buchholz und ich eine Anlaufstelle für die Szene, um diese in der Organisation zu unterstützen.

Sie sind seit zwei Wochen im Amt, an welchen Projekten arbeiten Sie bereits?

Mühlbach: Da gibt es aktuell schon ein paar, da geht es beispielsweise um das Thema Freiflächen im neuen Stadtteil Dietenbach. Ansonsten treffe ich viele Leute – von der IG Subkultur bis hin zu Clubbesitzern – um zu sehen, wo noch Probleme brennen oder was sich die Szene wünscht. Beispielsweise will ja die Initiative 277, dass das Crash nach Auslaufen des Pachtvertrags erhalten bleibt. Da wollen wir gerne helfen, auch wenn unser Spielraum nicht so groß ist. Mein Ziel ist es, dass die für Freiburgs Nachtleben wichtigen Orte erhalten und gestärkt werden. Das White Rabbit hat für viele eine große Lücke hinterlassen und ist zum Symbol für das Clubsterben in der Stadt geworden. Da würde ich gerne helfen, Ersatz zu schaffen, um die Clublandschaft wieder diverser zu machen. Mit einem Bündel an langfristigen Maßnahmen soll die Clubszene gestärkt werden.

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