Sorgen wegen Energiekrise nehmen zu

Die Kostenexplosion macht sich in allen Bereichen bemerkbar – besonders ernst ist die Lage beim Bäckerhandwerk

Nach den Belastungen der Corona-Krise geraten einige Wirtschafts-Bereiche durch Inflation und Energiekrise unter Druck. Der Freiburger Wochenbericht hat sich umgehört, wie einzelne Branchen die Lage einschätzen.

Bäckereien
Ganz besonders schlägt die Energiekrise bei Bäckereien durch. Das Beheizen der Öfen, die Beschaffung von Rohstoffen, das Kühlen von Lebensmitteln ist enorm kostenintensiv. Inbesondere die gestiegenen Gas- und Strompreise werden zunehmend zur Bedrohung. Auf Anfrage erklärt der Bäckerinnungsverband Südwest, die Gaspreise würden im Vergleich zum Vorjahr je nach Vertrag das Drei- bis Zehnfache ausmachen, während sich die Stromkosten etwa verdreifachen würden. „Die Bäckereien sind bei der Herstellung ihrer Waren total abhängig von Strom, Gas und Heizöl“, sagt Anja Schneider von der Bäckerinnung Freiburg. Da gleichzeitig auch die Erhöhung des Mindestlohns, die gestiegenen Rohstoffkosten für Grundzutaten und höhere Verpackungskosten durchschlagen, bangen vor allem kleinere Betriebe um ihre Existenz.
„Bei der Weitergabe der Preise an die Kunden agieren die Bäckereibetriebe sehr zögerlich, da man Angst hat, Kunden an die Discounter zu verlieren“, erklärt Anja Schneider. Die Forderung der Verbände ist klar: staatliche Soforthilfe auch für die kleinen Betriebe, wenn diesen Winter massenweise Insolvenzen verhindert werden sollen. „Es geht wirklich darum, dass das Bäckerhandwerk erhalten bleibt“, so Schneider.


Brauereien
„Wie die gesamte Brauindustrie treffen uns die steigenden Energiekosten enorm. Insbesondere müssen wir mit hohen, teilweise monatlichen Preissteigerungen der Lieferanten umgehen, die deren Energiekosten auf uns umlegen und dadurch auch kein Verhandlungsspielraum mehr gegeben wird. Es bleibt uns im Moment auch nur die Möglichkeit, weitere Energiesparpotenziale intern ausfindig zu machen und den Einsatz der Rohstoffe weiterhin so vorausschauend wie möglich einzuplanen“, erklärt Verena Wunderle von der Brauerei Ganter. Ein weiteres Problem ist, dass mit Kohlensäure derzeit ein wichtiger Stoff, ohne den länger haltbares Bier gar nicht möglich ist, rar ist. Grund ist die energieintensive Herstellung des Grundprodukts Kohlenstoffdioxid, die derzeit stark beschränkt ist. Davon ist auch Ganter betroffen. Derzeit werde alles geprüft, wie diese Mangellage behoben werden könne. „Es handelt sich bei allen Themen um große Herausforderungen in der gesamten Branche, die sich vermutlich auch auf den Bierpreis für den Konsumenten bemerkbar machen werden“, so Wunderle.


Sportvereine
Die Energiepreis-Explosion macht auch vor Sportvereinen und Fitnessstudios nicht halt. „Natürlich spüren wir speziell die gestiegenen Energiekosten, und zwar massiv. Um ein Beispiel zu geben: Ende August lagen wir bei den Stromkosten bereits 20 Prozent über den Kosten von 2019. Und die stromintensiven Monate kommen erst noch. Am Ende des Tages werden wir laut unseren Prognosen für den Strom im nächsten Jahr eine Kostensteigerung von 125 Prozent haben. Das macht einen sechsstelligen Betrag aus – nur für den Strom“, erklärt Peter Gerspach, Geschäftsführer der Freiburger Turnerschaft von 1844. Die Gaspreise hauen erst recht rein, doch hier hat die FT noch das Glück, einen langfristigen Vertrag zu haben. Die Mitgliedsbeiträge müssen dennoch erhöht werden. Doch das reicht nicht: „Für uns ist es besonders wichtig, dass die Politik die Sportvereine nicht vergisst, insbesondere nicht die Sportvereine, die ihre Sportanlagen selbst betreiben und die damit eine öffentliche Aufgabe erfüllen“, so Gerspach.


Gastronomie
Die Energiepreise machen natürlich auch vor Hotellerie und Gastronomie nicht halt. „Gastgewerbe braucht sehr viel Energie: Das geht bei der Beleuchtung und Belüftung los, geht über die Küche und endet bei Hotels bei Pools und Saunen“, erklärt Alexander Hangleiter, Geschäftsführer der Dehoga in Freiburg. Hinzu kommen stark steigende Beschaffungskosten für Waren und Ausstattung bei gleichzeitig steigenden Personalkosten. Nun bestehe die Befürchtung, dass die Menschen bei Restaurantbesuchen und am Urlaub sparen werden. Auch bei Weihnachtsfeiern, die in der Gastronomie ausgerichtet werden, befürchtet die Branche Einbrüche. „Natürlich werden die Kosten an die Gäste weitergeben. Aber das Problem ist ja, dass alle Menschen betroffen sind. Dementsprechend begrenzt sind die Spielräume, sonst geht der Schuss nach hinten los“, so Hangleiter, der bei den Energiekosten auf staatliche Hilfe hofft.

Sven Meyer


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Ohne Strom und Gas geht bei Bäckereien gar nichts. FOTO: STOCK.ADOBE