Grundwasserpegel im roten Bereich

Die Grundwassersituation in Südbaden ist weiterhin kritisch – daran ändern wohl auch die angekündigten Niederschläge nichts

Michel Wingering ist in Sorge. Der Wasserexperte von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) registriert seit Monaten historisch niedrige Grundwasserspiegel in Südbaden sowie im Rest des Bundeslandes. „Außergewöhnlich und kritisch“ sei die Grundwassersituation seit Jahresbeginn 2017, sagt Wingering. Und der Experte, der auch an einer Messstelle in Freiburg-Ebnet regelmäßig die Lage überprüft, kann keine Entwarnung geben.

Keine Trendumkehr in Sicht„Eine eindeutige Tendenzumkehr zeichnet sich bis zum Ende März 2017 nicht ab“, erklärt Wingering gegenüber dem Wochenbericht. Daran werde auch das  für die nächsten Tage angekündigte Regenwetter wohl nichts mehr ändern. „Grundwasser hat ein langes Gedächtnis. Ausgeprägte Niedrigwasserperioden hinterlassen Spuren“, sagt Wingering – und zwar für viele Monate „bis hin zu einigen Jahren“. Vegetation, Bäche und Flüsse und vielleicht auch der Bodenwasserspeicher werden von den Regenfällen zwar profitieren: „Das Grundwasser wird hingegen vermutlich leer ausgehen“, so der LUBW-Vertreter.

In der Vergangenheit hat es solche Rekordtiefststände bereits gegeben – allerdings nur im Sommer, nicht aber so früh im Jahr: „Zum Jahreswechsel wurde bis dato keine vergleichbare landesweit ausgeprägte Niedrigwassersituation für das Grundwasser aufgezeichnet“, sagt Wingering. Laut dem  Zweckverband Landeswasserversorgung (LW) sei die Trinkwasserversorgung jedoch nicht gefährdet. Problematisch könnte es dagegen für Landwirte werden, die auf Quellwasser angewiesen sind. Im Hitzesommer 2003 hatte das schon einmal zu Ernteausfällen geführt.

Und für Freiburg besteht wieder eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Flussbett der Dreisam im Sommer austrocknet – zumindest wenn die Regenfälle ausbleiben. „Das Trockenfallen der Dreisam hängt mehr denn je vom Niederschlagsgeschehen in den Sommermonaten ab“, sagt Wingering. Wird der Sommer heiß und trocken, können die Grundwasserreserven das Niedrigwasser jedoch nicht ausgleichen.  Landwirte und Dreisambadende sollten daher auf den großen Regen hoffen. Matthias Eise

Zurück