Sie mögen es tierisch warm

Taubenschwänzchen, Nosferatu-Spinne & Co. fühlen sich hier aufgrund des Klimawandels zunehmend wohl

Der Klimawandel verändert die Lebensbedingungen für die Tierwelt in der Region: Heiße und trockene Sommer machen beispielsweise heimischen Amphibien zu schaffen. Dagegen fühlen sich Einwanderer wie Tigermücke, Nosferatu-Spinne oder Taubenschwänzchen hier zunehmend wohl. Aber auch seltene Vögel wie Bienenfresser oder Zaunammer breiten sich aus. Der „diesjährige Sommer ist ein klassisches Beispiel dafür, was uns in Zukunft öfter erwarten wird. Dazu kommen Extremwetterlagen und dauerhaft wärmere Winter. In der Rheinebene sind diese bereits extrem mild geworden. Gerade bei Insekten und Spinnen werden sich hier noch weitere Arten ausbreiten, das wird uns vor neue Herausforderungen stellen“, erklärt Biologe Tobias Kock vom Referat Naturschutz und Landschaftspflege des Regierungspräsidiums Freiburg.
Prominentes Beispiel für tierische Einwanderer ist neben der Tigermücke die Nosferatu-Spinne – auf der Meldeplattform „Naturgucker“ des NABU Baden-Württemberg häufen sich die Sichtungen der mit ausgestreckten Beinen etwa fünf Zentimeter großen Spinne in der Region. „Es scheint momentan viele dieser Spinnen zu geben, wir beobachten, dass sich solche wärmeliebenden Arten zunehmend ausbreiten, das betrifft beispielsweise auch den Spinnenläufer und die Gottesanbeterin“, so Christine Hercher vom NABU Bezirksverband Südbaden.
Auch andere Arten fühlen sich dank des wärmeren Klimas in der Region wohl und breiten sich laut Tobias Kock weiter aus: beispielsweise Vogelarten wie der farbenfrohe Bienenfresser, der Blauracke oder die Zaunammer. Auch das Taubenschwänzchen fühlt sich heimisch: Immer mehr der aus dem Mittelmeerraum stammenden Schmetterlinge, die einem Kolibri ähneln, überwintern laut NABU klimabedingt hier. Der Klimawandel hat aber auch andere Auswirkungen auf die Vogelwelt. „Zugvögel haben ein großes Problem, wenn es bei uns so warm ist, denn dann verschiebt sich die Vegetationsperiode nach vorne und damit auch die Aktivitätszeit der Insekten. Die Vögel kommen an, brüten und dann ist keine Nahrung da. Das hat in Holland zu einem 90-prozentigen Einbruch der Population des Trauerschnäppers geführt, es ist die Frage, wie sich das bei uns entwickelt“, so Tobias Kock. Dagegen blieben Vogelarten, die nur kurze Strecken in Richtung Süden zurücklegen, immer öfter einfach hier, so wie Stare.
Verlierer des Klimawandels sind dagegen heimische Amphibien wie die Gelbbauchunke, der Dohlenkrebs oder die Flussmuschel – denn die Gewässer, in denen sie leben, heizen sich auf oder trocknen gar aus. Wie sich die Veränderungen in der Tierwelt auf das Ökosystem auswirken, ist für den Experten schwer einzuschätzen. Zum Problem werden könnte beispielsweise die eingeschleppte sogenannte „vernachlässigte Ameise“,„sie schwächt Pflanzen durch Blattlauspflege, reduziert Insekten und bildet Super-Kolonien“. Aber auch ausgesetzte Haustiere wie die kalifornische Kettennatter – zwei Exemplare der Schlange wurden jüngst in der Ortenau und im Glottertal gefunden – „könnten sich bei uns etablieren“, so Tobias Kock.

Saskia Schuh
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Sie werden immer öfter gesichtet: der Schmetterling Taubenschwänzchen – der gerne mit einem Kolibri verwechselt wird – und der Bienenfresser breiten sich in der Region klimabedingt weiter aus. FOTOS: ADOBE STOCK