Zeitenwende für den Mittelstand

Handel steckt trotz Aufholprozess in der Dauerkrise – Hoffnung liegt unter anderem auf Weihnachtsgeschäft

Nicht unterkriegen lassen: Der Handel in Südbaden ächzt unter hohen Kosten und wenigerKunden. Dennoch bleibt manpositiv – und fordert die Politik zum schnellen Handeln auf.„Wir sind noch nicht im finsteren Tal“, beruhigt Saturn-Chef Henner Wieschmann, „aber das Eis wird dünner.“ Der Handel entkommt dem Krisenmodus momentan nicht, das wird auf der Pressekonferenz des Handelsverbands Südbaden Ende vergangener Woche deutlich. Zwar seien die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr leicht (+3 Prozent) gestiegen, preisbereinigt liege man allerdings 3,5 Prozent im Minus, berichtet Präsident Roland Fitterer.
Die Gründe: die angespannte Lage bei den Lieferketten, die steigende Inflation und die Unsicherheiten durch die weltpolitische Lage. Vor allem aber die Energiepreise machen den Unternehmen zu schaffen. So seien die Energiekosten im Handel seit Jahresbeginn um 138 Prozent gestiegen. Hier müsse die Politik dringend tätig werden, fordert deshalb nicht nur Martin Lauby, Geschäftsführer des Einkaufszentrums Schwarzwaldcity. „Wir brauchen dringend einen Preisdeckel, was die Strom- und Gaskosten angeht.“ Allein die Gasumlage koste das Haus rund 100.000 Euro, „das ist kaum noch zu stemmen.“ Hinzu kämen deutlich geringere Besucher-Frequenzen: Hätten 2015 noch rund 400.000 Fahrzeuge in der Tiefgarage des Einkaufszentrums geparkt, sei man im vergangenen Jahr bei nur 200.000 gelegen. Auch Wieschmann meldet weniger Zulauf. Noch vor zehn Jahren seien an einem Vorweihnachtstag 14.000 Menschen durch den Saturn geströmt, „heute freuen wir uns, wenn es noch 4.000 sind.“
Neben den genannten Problemen ist es auch der Online-Handel, der den stationären Anbietern zu schaffen macht, denn der sei weiterhin auf einem starken Wachstumspfad. Zwar sei der Zuwachs von plus 23 Prozent (2019 auf 2020) auf 12,4 Prozent (Prognose 2022) gesunken, dennoch steige der Anteil kontinuierlich. Umso wichtiger sei es, dass die Stadt nun dem Besucherschwund entgegenarbeite konstatiert der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Peter Spindler.
Die aktuell getroffenen Maßnahmen zur Aufwertung der Innenstadt seien „großartig“, unterstreicht er. Dennoch bleibe das Thema Erreichbarkeit virulent. Park&Ride müsse deutlich ausgebaut werden, vor allem im Osten der Stadt sei das Angebot nicht zufriedenstellend. Dennoch will man positiv bleiben: „Der Handel hat auch während der Corona-Krise eine hohe Resilienz bewiesen“, so Fitterer. In Bezug auf das Weihnachtsgeschäft hoffen die Unternehmer auf positive Stimmung: „Dazu gehört aber auch der Weihnachtsmarkt und eine beleuchtete Innenstadt“, findet er. Auch Henner Wieschmann glaubt, Einschränkungen wie niedrigere Temperaturen im Verkaufsraum oder eine Maskenpflicht, seien „eingeübt.“ Dennoch bräuchte man Entlastung: „Ich wünsche mir hier eine Zeitenwende in der Politik, den Mittelstand betreffend.“

Claudia Kleinhans

„Allein die Gasumlage kostet uns rund 100.000 Euro.“
Martin Lauby, Geschäftsführer Einkaufszentrum Schwarzwaldcity

Zurück
Trotz Krisen hofft der Handel auf ein gutes Weihnachtsgeschäft – mit entsprechender Beleuchtung. FOTO: FWTM / SPIEGELHALTER