„Vor Ort wird Sinnvolles bewirkt“

Freiburger Delegation reiste in die USA und nach Peru – Oberbürgermeister Martin Horn schildert seine Eindrücke

Oberbürgermeister Martin Horn besuchte mit einer Delegation die Freiburger Partnerstadt Madison im US-Bundesstaat Wisconsin und reiste danach weiter zu einem Klimaprojekt nach Peru. Im Gespräch mit Redaktionsleiter Sven Meyer schildert er seineEindrücke und reagiert auf Kritik an der Reise.

Herr Horn, welche Erkenntnisse nehmen Sie von Ihrer Auslandsreise auf zwei Kontinenten mit?

Martin Horn: Wir waren vier Tage in den USA und vier Tage in Peru – zwei ganz unterschiedliche Länder. Beide Ziele waren sehr eindrücklich und haben sich aus Freiburger Sicht gelohnt. In Madison, Wisconsin, handelte es sich um meinen Antrittsbesuch in unserer amerikanischen Partnerstadt. Die dortige Bürgermeisterkollegin Satya Rhodes-Conway kannte ich zuvor nur von Videokonferenzen. Es war ausgesprochen herzlich und von großem gegenseitigem Interesse geprägt. Die Partnerschaft zwischen Freiburg und Madison, das ebenfalls Universitätsstadt ist und in den USA als Vorreiter für nachhaltige Stadtpolitik gilt, basiert auf einem sehr festen Fundament. Das geht sogar soweit, dass die dortige Madison-Freiburg-Society jeden Samstag mit einem Infostand auf dem Wochenmarkt Werbung für Freiburg macht. In Peru hingegen gibt es mit der Region Cusco seit 2019 eine Klimapartnerschaft, um ein ausgetrocknetes Feuchtgebiet zu retten. Auch das waren sehr intensive Eindrücke.

Was hat Sie besonders in Madison beeindruckt?

MH: Der ambitionierte Standard in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz. So bekamen wir das erste Elektro-Feuerwehrfahrzeug von ganz Nordamerika gezeigt, das in Madison im Einsatz ist. In Sachen Elektromobilität ist Madison ein Vorreiter. Darüber hinaus verfügt die Stadt über eine ebenfalls sehr lebendige Startup-Szene. Die Gespräche mit Akteurinnen und Akteuren dort waren sehr fruchtbar und werden definitiv bald fortgesetzt. Besonders spannend fand ich das Gespräch mit einer Frauengründerinnen-Agentur, die bereits mit über 2.000 Gründerinnen zusammengearbeitet hat. Ein großer Gewinn war übrigens, dass die politische Delegation von Mitgliedern der Freiburg-Madison-Gesellschaft begleitet wurde, die sich seit 1989 als treibende Kraft dieser engen Städtefreundschaft erweist.

Welche Themen standen bei den Gesprächen zwischen Ihnen und der Bürgermeisterin von Madison im Mittelpunkt?

MH: Wir haben uns über Konzepte kommunaler Umweltpolitik ausgetauscht, wie auch über die Verknüpfung beider Universitäten und akademische Fördermöglichkeiten. Es ging aber auch um den Ukrainekrieg und die Rolle von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern. Insgesamt gab es von der Seite Madisons ein ebenso großes Interesse an Freiburg und Deutschland wie umgekehrt, was sich auch an konkreten Fragen über unser Schulwesen etc. manifestierte. Die Region ist sehr von deutschen Einwanderern geprägt und das zeigt sich an sehr vielen Stellen.

Wie sieht die Zusammenarbeit konkret aus?

MH: Wir erwarten in naher Zukunft einen Gegenbesuch. Vielleicht wird es den sogar noch vor den amerikanischen Midterm-Wahlen im November geben. Ganz konkret haben wir mit einem Start-Up gesprochen, dessen Gründer deutsche Wurzeln hat und sehr Freiburg-affin ist. Wir konnten gute Kontakte knüpfen und ich bin optimistisch, dass sie Freiburg für ihre Dependance wählen würden, wenn sie nach Deutschland expandieren. Der Gegenbesuch steht noch in diesem Monat an.

Warum war es unbedingt notwendig, wegen der Klimapatenschaft ins Andenhochland nach Peru zu reisen?

MH: Dieses Projekt fing 2019 an, als die ganze Welt geschockt auf die riesigen Waldbrände im Amazonas-Regenwald geblickt hat. Freiburg hat sich damals für ein Klimapatenprojekt entschieden. Das Projekt wird vom Bund mit 250.000 Euro gefördert und von Fachleuten aus beiden Ländern umgesetzt. Auch der Nationale Rat der Inkas unterstützt unser Projekt. Konkret geht es um die Wiederherstellung eines ökologisch wertvollen Gebiets und die Bindung von CO2. Es ist ein kleines Projekt, das aber vor Ort etwas Sinnvolles und Nachhaltiges bewirkt. Außerdem gibt es noch eine zweite Kooperation.

Die da wäre?

MH: Mit der Provinz La Convención, die größtenteils im Regenwald liegt. Im Rahmen von Corona-Unterstützungsprojekten konnten wir Fördergelder, einen Krankenwagen und verschiedene Corona-Hilfen organisieren. Als wir vor Ort in der Coronapraxis waren hat die leitende Gesundheitskoordinatorin vor Dankbarkeit geweint. Diese Region war besonders hart betroffen, mit vielen Toten. Die Menschen dort tragen heute noch überall Maske, selbst an der frischen Luft, weil fast alle Familien jemanden verloren haben. In La Convenciòn prüfen wir ein Trinkwasserprojekt.

In den Sozialen Netzwerken, unter Kommentatoren im BZ-Forum und auch im Gemeinderat gab es durchaus auch scharfe Kritik an der Reise. Ein Argument: Solch eine Unternehmung wirke in einer Zeit, in der Kommunen und auch alle Bürger sparen müssen, unpassend. Können Sie die Kritik nachvollziehen?

MH: Reisen von politischen Vertretern werden immer kritisch gesehen. Dabei geht es doch um ein klares Bekenntnis zur Völkerverständigung und internationalen Kooperation. Heute ist das nicht weniger aktuell als es zu der Zeit von Rolf Böhme war, der als Oberbürgermeister die Partnerschaft mit Madison und Lemberg offiziell begründet hat. Seine Idee war – eine Stadt aus den USA und eine Stadt aus der damaligen Sowjetunion als Zeichen der Verständigung auf lokaler Ebene zu verbinden. Und bei der Klimapatenschaft geht es um eine der großen Fragen unserer Zeit. Es war der erste Besuch seit diese Klimapatenschaft im Jahr 2019 geschlossen wurde. Wir bewegen dort vor Ort mit Fördergeldern ziemlich viel und haben uns ein Bild davon gemacht. Alle Flüge der gesamten Delegation wurden – wie bei allen städtischen Reisen – in Bezug auf CO2 kompensiert. Und wir haben den Zeitpunkt der Reise ganz bewusst in die Ferien gelegt. Ich finde man muss sich entscheiden, ob man internationale Freundschaften und Projekte pflegen will oder nicht. Vieles ist digital möglich, aber ganz ohne persönliche Kontakte funktioniert das nicht.

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Martin Horn mit seiner Amtskollegin Satya Rhodes-Conway in Madison (oben) und gemeinsam mit Umweltbürgermeisterin Christine Buchhheit (kl. Foto Mitte) in Peru. FOTOS: STADT FREIBURG