Busunternehmen droht Kollaps

Die Energiekrise durch den Ukrainekrieg bedroht nun auch Teile des Öffentlichen Nahverkehrs

Die Busbranche wird von der Energiekrise besonders hart getroffen. „Im Herbst wird es ernst, wenn die Politik keine Lösung findet, müssen wir Leistungen einstellen“, droht der Verbandschef der Omnibusunternehmen. Werden bald auch in Südbaden keine Schüler mehr abgeholt und fallen ganze Linien flach?Was vielen Menschen nicht bekannt ist: Über die Hälfte der Verkehrsangebote im Öffentlichen Nahverkehr wird in Baden-Württemberg von privaten Betrieben abgedeckt. Der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) warnt im Rahmen einer Pressekonferenz am Dienstag in Freiburg nun in deutlichen Worten vor dem Kollaps der Branche und fordert die Politik zum raschen Handeln auf.


Die gesamte Branche befände sich seit rund drei Jahren im Krisenmodus. Zum einen seien die alten Fahrgastzahlen, die es vor Corona gab, noch längst nicht wieder erreicht, zum anderen sehen sich die familiengeführten Unternehmen mit einer Kostenexplosion konfrontiert, die sie schlichtweg nicht mehr alleine bewältigen können, erklärt Verbandssprecher Witgar Weber.
Der aus dem Schwarzwald stammende Busunternehmer Mathias Merz verdeutlicht die Dimensionen der Kostensteigerung an seinem Betrieb mit 20 Bussen. Im Vergleich zum Vorjahr fielen 160.000 Euro zusätzlich an Dieselkosten an. „Die Preisexplosion mit über 60 Cent mehr pro Liter hat uns kalt erwischt. Das hatte kein Unternehmen im Wirtschaftsplan“, so Merz. Hinzu komme noch eine Verfünffachung des Preises für Adblue, ohne das keine modernen Diesel fahren können. Der Hintergrund: Für die Herstellung des Abgasreinigers wird viel Gas benötigt.
Ferenc Balint, Geschäftsführer der Freiburger Reisedienst GmbH, der unter anderem als Subunternehmer seit 33 Jahren für die SBG Südbadenbus GmbH mit Linienbussen im ÖPNV fährt, fordert die Politik auf, nicht länger zu reden, sondern zu handeln. Die Vergütung, die sein Unternehmen von der SBG bekomme, würde die höheren Treibstoffkosten schlichtweg nicht berücksichtigen. „Wenn nichts passiert, werden einige im Herbst den Betrieb einstellen müssen. Dabei geht es alleine bei uns um 40 Busfahrer. Die Zeit rennt uns davon“, so der Unternehmer. Und weiter: „Wenn wir die ganze Zeit weiter drauflegen, aber vielleicht erst im März oder April Hilfen bekommen, nützt es uns nichts mehr. Bis dahin sind wir insolvent.“


„Private Busunternehmen sind die Gelackmeierten“
Auch Klaus Sedelmeier, Geschäftsführer von Rast Reisen aus Hartheim, ist mit seinem Unternehmen seit Jahren im Linienverkehr unterwegs. Er verwies aber auch auf die Situation im Reiseverkehr. Zwar habe das Geschäft wieder etwas Fahrt aufgenommen, sei aber von der Kontinuität der Vor-Corona-Zeit weit entfernt. Und niemand wisse, ob es nicht doch noch mal einen Rückschlag gebe. Ein weiteres Problem sei der eklatante Fachkräftemangel. Busfahrer fehlten überall. Zudem koste ein Busführerschein aufgrund der deutschen Bürokratie rund 12.000 Euro, während in Österreich gerade einmal 3.500 Euro anfielen. Sein Unternehmen wolle eigentlich im Jahr 2028 den 100. Geburtstag feiern, doch im Moment wisse er nicht, ob das zu schaffen sei. Schließlich kämen zur Energiepreis-explosion auch laufende Kosten. So müssten etwa Busse abbezahlt werden. „In der jetzigen Lage sind die privaten Busunternehmen die Gelackmeierten“, sagt er.
Verbandsboss Weber betont: „Bevor wir in Deutschland über die Verkehrswende mit einem stärkeren ÖPNV sprechen, müssen wir über den status quo sprechen. Wenn es all diese Unternehmen nicht mehr gibt, wird es auch keine Verkehrswende geben können.“ Er hofft, dass die Politik die Lage erkennt und schnell mit einer großen Lösung kommt. „Vielleicht erhört man uns, wenn wir einfach nicht mehr fahren!“

Sven Meyer

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Die Energiekrise trifft auch die Busbranche hart. Wenn die Politik nicht hilft, müssten Leistungen eingestellt werden, betont der Verband. FOTO: HUBERT GEMMERT