Erfahrung trifft Hunger

Der SC geht mit einem spannenden Kadermix in die Saison

Der Vorjahressechste will es wieder wissen: Wie weit tragen die Beine den SC Freiburg durch Pokal, Bundesliga und Europa League? Los geht es am Samstag mit dem Auswärtsspiel in Augsburg (15.30 Uhr/Sky). Die Mischung des Kaders wirkt vielversprechend. Schon früh in der Sommerpause hat der SC Freiburg seine Hausaufgaben auf dem Transfermarkt gemacht. Als Ex-Bayern-Stürmer Robert Lewandowski noch an der Säbener Straße und nicht in Barcelona trainierte, hatte der Sport-Club zu diesem Zeitpunkt mit Michael Gregoritsch bereits seine fünfte (und bis dato letzte) Sommer-Neuverpflichtung in trockenen Tüchern.


„Eine komplexe Aufgabe“
Einmal mehr, so scheint es, gehen die Freiburger gut und seriös vorbereitet in die neue Saison. Bei der Planung des Kaders, der breit aufgestellt ist, aber viel Entwicklungspotenzial bietet, sind die SC-Macher ihrer Linie wieder einmal treu geblieben. Die Grundstruktur der Mannschaft bleibt dieselbe, ergänzt um Kräfte von außen, die sofort eine Hilfe sein können. Und im Hintergrund hoffen hungrige Nachwuchskräfte auf ihre Einsatzchance. Das dürfte in einem Fußballjahr, in dem der SC die Dreifachbelastung aus Pokal, Liga und Europa League bewältigen möchte, von besonderer Bedeutung sein. „Die Mannschaft wirkt stabil, wir haben Spieler mit Reife wie Christian Günter und Chicco Höfler. Da ist Erfahrung da. Dann haben wir noch junge hungrige Spieler. Von daher bin ich sehr zufrieden mit der Mannschaft“, sagt SC-Trainer Christian Streich über sein Personal. Neuzugang David-Kofi Kyereh lobt Streich zum Beispiel als „einen guten Fußballer, der gut in Bewegung ist und der die Mitspieler mitnimmt.“ Nur im Stabilitätsbereich müsse Kyereh noch „ganz viel arbeiten“. Mannschaftstaktisch arbeitet das Trainerteam zuletzt viel mit Einzelvideos, um gerade die Neuzugänge in das SC-System einzuarbeiten.
Doch das Grundgerüst steht. Nach dem wichtigen Pokalsieg in Kaiserslautern (mehr auf Seite 14) sagte Sport-Vorstand Jochen Saier in einem TV-Interview: „Die Kaderstruktur ist gut, finde ich.“ Aber, so der 44-Jährige: „Wir wissen, dass dieses Jahr eine große Herausforderung wird mit vielen, vielen englischen Wochen.“ Schon zwischen dem fünften und sechsten Bundesligaspieltag startet die Gruppenphase der Europa League mit dem Auftaktspiel am Donnerstag, 8. September. Zwischen dem Auswärtsspiel in Leverkusen und dem Heimspiel in Mönchengladbach reist der SC dann mal eben quer durch Europa. „Das ist ein Stück Neuland für uns. Das muss man alle drei Tage auf den Platz bringen“, sagt Saier. Ausgelost wird die Gruppenphase der Europa League am 2. August im Uefa-Hauptquartier in Nyon in der Schweiz.
„Wie gehen die Spieler damit um, wenn sie mal drei, vier Spiele nicht spielen? Das wird eine komplexe Aufgabe“, sagt Christian Streich und stellt damit eine der entscheidenden Fragen in dieser Saison. Wie stabil das Binnenklima der Freiburger ist, wird sich vor allem dann zeigen, wenn es mal nicht so läuft, wie gewünscht. Auf der anderen Seite zeigt gerade die letzte Saison mit dem Erreichen des DFB-Pokal-Finales, welche Dynamik Erfolgserlebnisse in einer Mannschaft entfachen können.
Christian Streich ist dann auch nicht allzu skeptisch, was die neue Saison angeht: „Ich bin nicht unzufrieden, aber auch nicht wahnsinnig zufrieden. So normal wie immer bei mir“, sagt er. „Natürlich: Bremen kommt hoch, Schalke kommt hoch. Es werden wieder wahnsinnig viele, enge Spiele kommen. Wenn wir diese Spiele verlieren sollten, hat man schnell Probleme“, so der 57-Jährige, „Aber ich gehe nicht davon aus, dass wir Probleme kriegen müssen. Ich bin zufrieden mit den Jungs. Sie haben letztes Jahr nochmal Erfahrungen sammeln können, mit dem Pokalendspiel und dem Halbfinale. Da haben wir auch Stabilität gezeigt.“
Die Integration der Neuen ging Freiburg-typisch problemlos über die Bühne. „Da wird sich gegenseitig geholfen, zum Beispiel bei der Wohnungssuche. Das ist toll. Da müssen wir Trainer eigentlich nichts machen“, sagt Streich. Ärgerlich sind vor allem die Langzeitausfälle von Lucas Höler (OP nach Mittelfußbruch) und Kevin Schade (Bauchmuskelverletzung). Aber es geht bergauf: „Bei Luci sieht es gut aus und Kevin Schade macht auch Fortschritte“, sagt Streich.
Und so steht der SC vor einer attraktiven Saison mit einem spannenden Kader. Christian Streich sagt: „Wir haben sehr gute Persönlichkeiten. Ich hoffe sehr, dass sie die Balance hinbekommen zwischen totalem Ehrgeiz für sich und Vernunft im Denken für die Mannschaft.“


Matthias Joers
„Ich bin nicht unzufrieden, aber auch nicht wahnsinnig zufrieden. So normal halt wie immer bei mir.“
Christian Streich, SC-Trainer, und sein Gefühl vor der Saison

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