Hitze und Trockenheit werden zunehmen

Waldbrände im Schwarzwald, ausgetrocknete Flüsse und Parkanlagen ohne einen einzigen grünen Grashalm: Ist das noch normal?

 Auch diese Woche werden wieder Temperaturen jenseits der 35-Grad-Marke erwartet. Einher mit der Hitze geht extreme Trockenheit. Laut dem Meteorologen Andreas Matzarakis muss sich die Region langfristig auf solche Ereignisse einstellen.Die Hitze in Deutschland und Europa liegt deutlich über dem langjährigen Mittel: Nach einem – laut dem Wetterportal Meteored – rund drei Grad zu warmen Juni, folgte nun ein 2,2 Grad zu warmer Juli und auch der August startet mit Hitze durch: Für Donnerstag und Freitag sind Temperaturen von über 35 Grad Celsius angesagt.
Viel dramatischer ist allerdings die große Trockenheit. Wälder, Felder, Parks und Gärten sind knochentrocken, sofern keine künstliche Bewässerung stattfindet. Und Teile der Dreisam sind komplett ausgetrocknet. Dass sich zudem der Waldbrand auf dem Kandel Mitte Juli nicht großflächig ausbreitete, lag einzig am sehr schnellen und robusten Eingreifen der örtlichen Feuerwehr. „Die Bodenvegetation und die Streuauflage sind pulvertrocken. Der kleinste Funken reicht derzeit aus, um große Waldbrände entstehen zu lassen“, erklärte Martin Schreiner, Forst-Dezernent am Landratsamt Emmendingen. Laut Feuerwehr herrsche derzeit höchste Waldbrandgefahr. Auch auf dem Schauinsland brannte es bereits.
Der kurze Gewitterschauer am Montagabend ist für die Vegetation nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Was wir jetzt bräuchten, wäre tagelanger Landregen, damit die Feuchtigkeit tief in die Böden eindringen kann. Aber eine solche Wetterfront ist weit und breit nicht in Sicht. Die Trockenheit ist derzeit ziemlich brenzlig“, sagt der Freiburger Biometeorologe Andreas Matzarakis, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologie des Deutschen Wetterdienstes. Laut Matzarakis sei die Kombination aus Trockenheit und Hitze problematisch, aber im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit kein ungewöhnlicher Ausbrecher. „Die bisherigen Hitzewellen waren nicht völlig außergewöhnlich und zeitlich waren sie auch nicht außergewöhnlich lang. Rekordwerte wurden auch nicht geknackt“, so der Experte. Dennoch hätten sich Extremereignisse über die Jahrzehnte verändert. Dazu zählen auch Stürme und Hochwasser. „Gewisse Parameter sprechen dafür, dass der Klimawandel längst da ist, auch wenn er nicht der alleinige Faktor bei Extremereignissen ist“, so Matzarakis.
Was den Sommer angeht: Tendenziell würden Hitzewellen und Trockenzeiten länger und intensiver auftreten. Gleichzeitig gebe es einen Gewöhnungseffekt: Der Mensch passe sich in seinem Verhalten an die neuen Gegebenheiten an. Die Natur kann dies nur bedingt. Bestimmte Vegetationsformen der Region wird es in Zukunft wohl weniger oder gar nicht mehr geben. So haben etwa Tanne, Buche und Fichte besonders mit dem Klimawandel zu kämpfen.
Fakt ist: Gerade der Südwesten entwickelt sich zu einem deutschen Hitze-Hotspot, vor allem im Oberrheingraben. Seinen Ruf als Rentner-Paradies aufgrund des milderen Klimas verliert Südbaden gerade: Da Hitze zu einer großen Belastung für das Herz-Kreislauf-System führt. Insbesondere wenn sie, typisch für die Region, schwül ausfällt. „Thermophysiologisch kann sich der Mensch kaum anpassen, also werden vorbeugende Maßnahmen wichtiger, etwa durch Maßnahmen am Gebäude oder dass man an bestimmten Tagen als älterer Mensch möglichst nicht das Haus verlässt“, so Andreas Matzarakis. Zu den weiteren Aussichten möchte der Meteorologe nicht zu weit in die Zukunft blicken: „Die kommenden Tage werden nochmal heiß. Was dann folgt, ist noch normal.“

Sven Meyer




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