Befreit aus der Ergebniskrise

Zweiter Sieg in Folge: Unter ihrem neuen Coach Gray Levy fahren die Sacristans nach einer Durststrecke endlich Erfolge ein

Vor ihrem letzten Heimspiel in der Dritten Liga am kommenden Samstag gegen Weinheim (15.30 Uhr / FT-Sportpark) geht es bei den Sacristans bergauf: Nach fünf Niederlagen in Folge konnten die FT-Footballer nun gleich zwei Siege landen. Unter dem neuen Chefcoach Gray Levy hofft der Verein, dass sich diese Entwicklung fortsetzt.Man konnte Gray Levy zuletzt schon bemitleiden, wie er Woche für Woche im vereinseigenen Videointerview eine Niederlage nach der nächsten erklären musste. Noch härter mussten sich seine Analysen aber für die Spieler der Sacristans anfühlen: Der 53-jährige US-Amerikaner, der die FT-Fooballer seit dieser Saison als Headcoach betreut, legt in seinen Spielrückblicken den Finger in die Wunde und spricht Defizite an. Auch die mangelnde Trainingsbeteiligung kommt dann deutlich zur Sprache. „Frustrierend“ sei das, sagt Levy im Gespräch mit dem Wochenbericht.


„Eine große Erleichterung“
Doch seinen Optimismus für die verbleibenden Spiele in der Regionalliga Südwest hat er nie verloren. Vor der Partie am vergangenen Samstag gegen die Holzgerlingen Twisters sagte er, er sei „vorsichtig optimistisch“, was die restlichen Partien angehe. Er sollte Recht behalten. Ihr Heimspiel gegen Holzgerlingen gewann die FT klar mit 24:16. Es war der zweite Sieg in Folge nach dem 21:20-Sieg gegen Albershausen in der Vorwoche, der der Fünf-Spiele-Niederlage-Serie ein Ende gesetzt hatte. „Das war eine große Erleichterung für uns. Wir haben das wirklich gebraucht“, sagt Levy.
Gerade die Sprachbarriere habe es ihm nicht immer leicht gemacht, sich während der Niederlagenserie zu einhundert Prozent in die Gefühlslage seiner Spieler hineinzuversetzen: „Aber ich weiß, sie waren enttäuscht. Ich war es auch.“ Ein weiterer Punkt: Die regelmäßige Teamsitzung am Montag findet per Zoom-Meeting statt. Anders würde es in einem Drittliga-Team aus knapp 30 Spielern, die auch ein Leben außerhalb des Footballs haben, wohl nicht gehen. „Aber ich bin kein Freund davon“, sagt Levy. Aufgrund dieser Schwierigkeiten konnte er sich nicht sicher sein, ob seine Arbeit mit dem Team, das ganz ohne Importspieler und überwiegend aus Eigengewächsen besteht, am Ende doch Früchte tragen würde. „Ich musste ein bisschen antizipieren, wie die Spieler mit dieser schwierigen Phase umgehen“, sagt Levy.
Der 53-Jährige ist Football-Trainer durch und durch. „Was ich am Football so mag ist, dass man sich den Erfolg verdienen muss. Ein großartiger Sportler allein wird das Endergebnis nie beeinflussen. Es ist der ultimative Mannschaftssport. Man braucht elf Spieler, die zusammen arbeiten. Und das geht nur, indem man Dinge trainiert – immer und immer wieder“, sagt er. Seine Liebe zum Football ist so groß, dass er zwei Bücher darüber geschrieben hat, von denen eines schon veröffentlicht wurde.
Doch es geht auch mal ohne Football. Wenn Gray Levy im Winter in seine Heimatstadt Reno im US-Bundesstaat Nevada zu seiner Frau und den sechs Haustieren zurückkehrt, wird er wieder als Skilehrer arbeiten. Ob er seine Arbeit bei der FT fortsetzen wird, entscheidet sich nach der Saison. „Ich muss mit meiner Frau darüber sprechen“, sagt Levy. Der Verein sendet jedenfalls positive Signale und kann sich eine Fortsetzung der Arbeit gut vorstellen. Die Stadt und die Region hat der Amerikaner jedenfalls ins Herz geschlossen. Nur eines würde er sich wünschen: „Dass American Football in Freiburg etwas präsenter wäre“, sagt er.

Matthias Joers

Zurück