Das letzte Auffangnetz

Unter dem Namen Oase wurde im Jahr 2012 eine Fachstelle für wohnungslose Menschen in der Haslacher Straße gegründet

Die Notunterkunft „Oase“ im Freiburger Stadtteil Haslach bietet vielfältige Hilfe für wohnungslose Menschen. Vor allem bekommen sie hier ein Dach über den Kopf und ein Bett. Nun feiert die Einrichtung zehnjähriges Bestehen.Am Montag gab es zum 10-jährigen Bestehen der Institution einen kleinen Festakt in Anwesenheit von Oberbürgermeister Martin Horn und dem Ersten Bürgermeister Ulrich von Kirchbach. Letzterer wies in seiner Ansprache darauf hin, dass mit der Eröffnung der „Oase“ vor zehn Jahren ein Paradigmen-Wechsel stattgefunden habe. „Die Stadt stand davor am Pranger – und das zurecht.“ Die Kritik richtete sich damals gegen die schlimmen Verhältnisse im Obdachlosenheim in der Klarastraße. Ein ehemaliger Bewohner beschrieb diese als „so dreckig, dass kein Wohnungsloser da freiwillig rein wollte“.
Die heutige Oase ist für alle Beteiligten nach wie vor ein hartes Pflaster, wie aus den Schilderungen von Mitarbeitern hervorging. Dadurch, dass viele Bewohner psychische und suchtbedingte Probleme haben, gäbe es täglich „Grenzfälle“. Doch im Rahmen des Möglichen diene die Oase als Anlaufstelle, Schutzraum und Ort, an dem man Hilfe bekommt. Neben 47 Schlafplätzen gibt es Sozialarbeiter und Büros vom Jobcenter in der „Oase“, die Abkürzung steht für „Obdach, Anlaufstelle, Soziale Dienste und Erstversorgung“. Die Kernaufgabe stellt die Hilfestellung bei Notlagen, die in vielfältiger Form mit dem Hauptproblem Wohnungslosigkeit zusammenhängen, dar. Mehr als ein Drittel der Wohnungslosen sind Frauen.
Simon Ücker, der Leiter der Oase, berichtete: „Wir sind oft das letzte Auffangnetz für Menschen, die keinerlei sozialen Anker mehr haben.“ In einem Gedicht im Rahmen der Veranstaltung titulierte ein Mitarbeiter die Oase als „Endstation der Vergessenen“. Von diesem Personenkreis gibt es offenbar derzeit viele Menschen in Freiburg: Aktuell sei die „Oase“ mit 50 Personen überbelegt. Damit befände sich die Einrichtung am absoluten Limit. „Wünschenswert wären mehr bedarfsgerechte Unterkünfte auf dem Freiburger Wohnungsmarkt, wo es einen eklatanten Mangel an bezahlbaren Kleinstwohnungen gibt“, so Ücker. Vor allem suchtkranke und pflegebedürftige Menschen ohne Wohnung hätten aktuell praktisch keine Chance, irgendwo unterzukommen. Wer ohne Wohnung lebe, altere deutlich schneller und gesundheitliche Probleme seien ausgeprägter. Die eigentliche Idee der Oase sei es jedoch, ein Übergangshaus zu sein. Und tatsächlich gebe es sogar einige Bewohner, die auf dem Arbeitsmarkt fündig geworden sind und wieder in Lohn und Brot stünden, jedoch weiterhin darauf angewiesen seien, in der „Oase“ zu leben. Ücker nannte die Lage auf dem Wohnungsmarkt für seine Klientel „maximal frustrierend“.


Horn kündigt Besserung an
OB Martin Horn gestand ein, dass die Lage auf dem Wohnungsmarkt „nach wie vor katastrophal“ sei, um just eine spektakuläre Ankündigung zu machen: In Zukunft sollen zehn Prozent der bei der Freiburger Stadtbau freiwerdenden Wohnungen pro Jahr über ein Belegungsrecht an bis dato wohnungslose Personen und Familien vermietet werden.

Sven Meyer


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