Die verborgene Spur

Cold Cases: Wie die Polizei Freiburg an der Aufklärung lange zurückliegender Mordfälle arbeitet

Tagtäglich beschäftigt sich die Polizei Freiburg mit Autounfällen, Diebstählen, Überfällen, aber auch Aufsehen erregenden Fällen wie aktuell die Suche nach der Vermissten aus Gottenheim (mehr dazu auf Seite 5). Neben dem „Tagesgeschäft“ muss sich die Polizei aber auch noch um unaufgeklärte Altfälle kümmern, sogenannte „Cold Cases“. So gehen die Ermittler dabei vor.In Baden-Württemberg gibt es zurzeit etwa 450 unaufgeklärte Kapitalverbrechen. Für die Ermittler gestaltet sich die Arbeit an diesen „Cold Cases“ schwierig, gerade wenn diese lange zurückliegen. „Die Kolleginnen und Kollegen müssen sich zum Teil Jahrzehnte zurück in die Tatzeit hineinversetzen“, sagt Kriminaldirektor Volker Zaiß, der die Cold-Case-Abteilung im Landeskriminalamt Baden-Württemberg leitet (LKA). Seit dem 1. Juni 2021 gibt es im LKA eine eigene Einheit für diese Altfälle. Das LKA unterstützt dabei die Polizeipräsidien, die die eigentlichen Ermittlungen führen.


Virtuelle Tatortbegehung
In Freiburg gibt es keine eigene Cold-Case-Einheit. Kapitaldelikte werden von den zuständigen Dezernaten der Kripo bearbeitet. „Einige einzelne Beamte kümmern sich dabei auch um sogenannte Cold Cases, die schon länger zurückliegen“, sagt Polizeisprecher Stefan Kraus.
Die alten Ermittlungsakten sind mittlerweile alle digitalisiert und recherchierbar. „Vorgeschrieben ist, dass alle Cold Cases im Rhythmus von fünf Jahren auf neue Ansätze geprüft werden“, sagt Kraus. Hinweisen in alten (und neuen) Fällen gehe die Polizei nach. „Das Hinweisaufkommen ist mit fortschreitender Zeit eher spärlich. Das soll aber nicht heißen, dass gar keine Hinweise mehr ankommen“, sagt Kraus. So komme es vor, dass auch nach Jahren Zeugen, Personen aus dem Täterumfeld oder die Täter selbst sich melden, sagt Kraus – das passiere „aus den unterschiedlichsten Gründen“. Der professionelle Anspruch, dass die Ermittlungsstellen die Wahrheit herausfinden wollen, sei „bei alten wie bei aktuellen Fällen gleich hoch“, sagt Kraus.
Während die Zeit gegen die Polizei spielt, erweist sich die fortschreitende technische Entwicklung als ein Vorteil. „Gerade in nicht geklärten Fällen vorhandene Spurenträger und Asservate werden immer wieder erneut ’in die Hand genommen’ und auf Auswertemöglichkeiten überprüft“, sagt LKA-Ermittler Zaiß. So können heute nicht nur Spuren zugeordnet werden, die mit bloßem Auge gar nicht erkennbar sind. Auch bei digitalen Spuren entwickeln sich die Auswertemöglichkeiten ständig fort. So lassen sich Tatorte virtuell nachstellen, was den Ermittlern die Reise in die Vergangenheit erleichtert.

Matthias Joers

Zurück