Hase, halt die Ohren steif

Aufgrund von einseitiger Landwirtschaft gibt es immer weniger Feldhasen in Baden-Württemberg

Der Feldhase gilt als gefährdet – auch im Südwesten. Die Zahl der Tiere nimmt seit Jahren kontinuierlich ab. Der Naturschutzbund NABU warnt deshalb davor, noch tiefer in den Lebensraum von Meister Lampe einzugreifen. In Freiburg könnte sich die Situation durch den neuen Stadtteil Dietenbach sogar noch zuspitzen.

Ostern steht vor der Tür und allerorten begegnen dem Stadtbummler bunte Eier und vor allem Hasen in Hülle und Fülle. Gilt der putzige Springinsfeld gemeinhin als Symbol für Fruchtbarkeit, geht es tatsächlich seit Jahren bergab mit dessen Bestandszahlen. „Der Hase gilt bundesweit als gefährdet“, warnt Johannes Enssle, Landesvorsitzender des NABU Baden-Württemberg. „Zwar schwankt die Population von Jahr zu Jahr. Insgesamt ist jedoch ein langsamer aber steter Rückgang festzustellen.“ Inzwischen stehe der Feldhase auf der Vorwarnstufe für die Rote Liste. Dies gelte für Arten, bei denen ein Populationsrückggang bis hin zur Gefährdung zu befürchten sei. Das bestätigt auch Enssles Freiburger Kollege Dirk Niethammer, Vorsitzender beim NABU-Bezirksverband Südbaden. „Durch Monokulturen und den Einsatz von Herbiziden in der Landwirtschaft gibt es immer weniger Bereiche mit der berühmten Hasenapotheke – also Mischwiesen mit vielen verschiedenen Kräutern“, so der Forst- und Umweltwissenschaftler. Sein Stuttgarter Kollege bezeichnet den idealen Lebensraum für Meister Lampe als abwechslungsreiches Mosaik aus Wiesen, Hecken und Feldern. „Eine strukturreiche Landwirtschaft wäre für die Tiere gesünder. Durch Herbizide werden jedoch die Kräuterpflanzen immer weiter dezimiert“, so Enssle. „Rückzugsräume und Verstecke werden durch Monokulturen vernichtet. Sogar nach der Ernte bleiben oft nicht einmal Stoppelfelder.“

Korridore für Wildtiere schaffen und erhalten
Anders als ihre kleineren Verwandten, die Wildkaninchen, graben Hasen keinen Bau sondern leben rein oberirdisch. Wenn Wiesen und Felder immerzu heruntergestutzt werden oder es viel regnet, degenerieren oder erkranken die Tiere. Auch machten es die immer spärlicher werdenden Versteckmöglichkeiten Fressfeinden wie Fuchs oder Marder leicht, die Hasen aufzuspüren. „Deshalb müssen Wildtierkorridore erhalten bleiben oder geschaffen werden, um den Tieren Rückzugsräume zu bieten“, appelliert der hiesige NABU-Chef.

In Freiburg herrsche um das Rieselfeld herum die größte Dichte an Hasen, aber auch im Dietenbach sei die Population verhältnismäßig groß. „Diese wird wohl auch stark schrumpfen, wenn das Gebiet bebaut wird“, fürchtet Niethammer. Einen Mittelweg zwischen der Schaffung neuen Wohnraumes und Naturschutz zu finden sei schwierig. In der Vergangenheit sei dem Problem jedoch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet worden.

Gerade auf politischer Ebene gebe es viel zu tun, wolle man dem Schwund der pelzigen Nager Einhalt gebieten, erläutert Enssle. „Um das Problem bei der Wurzel packen, muss man einen Blick auf die EU-Agrarförderung werfen.“ 40 Prozent der Mittel, rund 60 Milliarden Euro pro Jahr, fließen in die Landwirtschaft, „mit dem Ziel, möglichst viele billige Nahrungsmittel auf den Markt zu schmeißen. Wir setzen uns dafür ein, dieses Konzept umzumodeln.“ Gelder sollten für nachhaltiges Landwirtschaften verteilt werden. Die Großindustrie sei darauf ohnehin nicht angewiesen. Die Bauern selbst  seien offen für Vorschläge. Ändern müsse sich dennoch einiges. „Geht es so weiter, dann ist der Feldhase  bald vom Aussterben bedroht.“ Benjamin Rese

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