Gesucht: Neue Ideen für die Innenstadt

Belebung statt Verödung: Wie andere Städte die Aufgabe angehen – ein Blick über den Tellerrand

Die Innenstädte sind im Wandel, der durch wachsenden Online-Handel, hohe Mieten und die Folgen der Pandemie forciert wird.In Freiburg haben Stadt und Handel die Lage erkannt und lancierenerste Maßnahmen (dazu Seite 8). Doch wie gehen andere Städte das Problem an? Der Wochenbericht hat sich erkundigt und skizziert, welche Maßnahmen von anderen Kommunen ergriffen werden.

 

Hamburg setzt auf Flanieren ohne Autos: Seit Oktober 2020 sind in der Elbmetropole private Pkws am weltberühmten Jungfernstieg untersagt. Erlaubt sind nur noch Busse, Taxis, Liefer- und Entsorgungsverkehr. Ziel ist es, die Innenstadt als Ort zum Entspannen zu etablieren. Sitzgelegenheiten und Bepflanzung statt Autolärm und Abgasen. In Hamburg ist man überzeugt, dass Atmosphäre, eine hohe Verweilqualität und gute Gastronomie die Gebote der Stunde sind, wenn man mehr Besucher locken möchte. Die Stadt Köln bastelt derweil an der fahrradgerechten Stadt. Auch hier werden Autos tendenziell zurückgedrängt und dafür kräftig in Radinfrastruktur investiert. Von der Neuverteilung der Flächen profitieren auch Fußgänger. Vor allem aber soll es den Einwohnern ermöglicht werden, komfortabel, zügig und dazu noch umweltgerecht in und durch die Innenstadt zu kommen, ohne mit dem Autoverkehr konkurrieren zu müssen. Blumenkästen und Bänke wurden in den ehemaligen Parkbuchten aufgestellt.Originelles Sand-EventDie 245.900-Einwohner-Stadt Aachen schüttet indes seit 2016 jedes Jahr zur warmen Jahreszeit eine gigantische Sandfläche auf dem Domplatz auf. Auf diesem sogenannten „Archimedischen Sandkasten“ konstruieren Kinder und Jugendliche über Wochen eine monumentale Installation. Das dient einerseits als Ferienprogramm sowie als Werbung für Aachen als Wissenschaftsstandort und lockt auf der anderen Seite Familien mit Kindern in die Innenstadt. Die Stadt Wiesbaden (278.300 Einwohner) hat sich für einen täglich geöffneten „Sommermarkt“ entschieden, der bis Ende August von Schaustellern an zentraler Stelle betrieben wird. Verbunden mit einem abwechslungsreichen Kulturprogramm soll der Markt einen Beitrag zur Revitalisierung der Innenstadt leisten. Urbane DachoaseWelches Potenzial in zentral gelegenen Gebäuden steckt, die unter alter Funktion nicht länger gebraucht werden, zeigt Bochum (364.600 Einw.): Unter dem Projektnamen „Haus des Wissens“ entsteht im lange Jahre verwaisten alten Postgebäude in der Innenstadt, ein besonders spannendes Projekt. Neben Gastro-Angeboten sollen die Volkshochschule, die Stadtbibliothek, Angebote des Zusammenschlusses der Bochumer Hochschulen und eine Markthalle ihren Platz finden. Der besondere Clou: Auf der riesigen Dachfläche entstehen urbane Gärten, wo später einmal Gartenlogen als Ruhe- und Erholungsorte inmitten der Innenstadt Besucher einladen sollen. Das Ganze soll auch ein Ort für Kunst und Feste werden. In Freiburg böte sich für ein solches Leuchtturmprojekt die ehemalige Karlskaserne am Siegesdenkmal an.Ähnlich wie Freiburg steckt Bremen noch mitten im Denkprozess seines Aktionsprogramms Innenstadt 2030+. Die grob abgesteckte Richtung: weg von der Konzentration auf den Einzelhandel, stattdessen mehr Wohnen, Kultur, öffentliche Nutzung. Leerstehende Ladenflächen werden zudem unbürokratisch zu Popup-Stores. Einen anderen Ansatz verfolgt indes Braunschweig (248.300 Einwohner): Die niedersächsische Großstadt setzt in der Innenstadt unter anderem auf großzügige Mietzuschüsse bei der Eröffnung inhabergeführter Einzelhandelsgeschäfte – mit Erfolg. In Freiburgs Nachbarschaft jenseits des Rheins werden ebenfalls Vitalisierungs-Maßnahmen ergriffen: Mit einer ganzseitigen Anzeige in der BZ machte jüngst die Stadt Mulhouse auf ihr Sommerprogramm aufmerksam, das unter dem Motto „Mein Sommer in Mulhouse“ steht und bis zum 31. August läuft: Dort findet etwa am kommenden Wochenende das „Jaim-Festival“ statt, außerdem ein Straßenkunstfestival vom 14. bis 17. Juli und den ganzen Sommer über diverse Kinovorführungen, eine Ton- und Lichtshow sowie weitere Ausstellungen und Veranstaltungen. (mey/majo)

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