Probleme im Quartier Unterlinden

Häufiger Mieterwechsel und zu wenige Passanten: das mit großen Hoffnungen gestartete Areal kriselt

Das Quartier Unterlinden führt trotz ansprechender Architektur und eigenem Parkhaus weiterhin ein Schattendasein in der Innenstadt. Selbst der Handelsriese Rewe hat den Standort aufgegeben. Für neuen Schwung soll nun ein Exot sorgen.Als das Quartier Unterlinden im April 2011 offiziell eröffnet wurde, waren die Erwartungen hoch. Das neue Geschäfts- und Einkaufszentrum samt Tiefgarage am nordwestlichsten Punkt der Altstadt sollte neue Akzente setzen und für die gesamte Innenstadt zusätzliche Belebung bringen. Allein der Rewe-Markt im ersten Untergeschoss sollte bis zu 6.000 Kunden täglich anziehen, hieß es damals bei der Eröffnung. „Ein echter Frequenzbringer“, erklärte der damalige Oberbürgermeister Dieter Salomon euphorisch.
Knapp elf Jahre später ist Ernüchterung eingekehrt. Bis auf den Alnatura Bio-Lebensmittelmarkt ist das Quartier von hoher Fluktuation und vorübergehendem Leerstand gekennzeichnet. So wurde die Depot-Filiale dauerhaft geschlossen. Auch der Rewe-Markt hat inzwischen aufgegeben. „Der Markt ließ sich leider nicht wirtschaftlich betreiben“, erklärt Pressesprecherin Sabine Stachorski gegenüber dem Wochenbericht. Immerhin: Alle Mitarbeiter wurden von den umliegenden Märkten übernommen.
Doch, warum wird das Quartier nicht so angenommen, wie einst erwartet? „Letzlich ist das Areal wohl doch etwas zu weit weg vom eigentlichen Zentrum, so dass es schlichtweg von vielen Innenstadt-Besuchern ausgespart wird“, glaubt Lena Sutter-Kiefer, Vorsitzende der Händlergemeinschaft „z'Friburg in der Stadt“. Dazu kämen häufige Mieterwechsel und das Fehlen eines echten Kunden-Magneten, für den die Besucher bereit sind, die Extrameile zu gehen. „Aber für ein echtes Zugpferd sind die Ladenflächen wohl zu klein“, so Lena Sutter-Kiefer.


Schwierige Marktlage
Doch es gibt auch andere Erklärungen: Der damals federführende Projektentwickler Peter Unmüßig spricht von einer „kritischen Gesamtmarktlage“. Der Einzelhandel stehe unter Druck wie nie. Er verspricht jedoch, dass das Quartier bald wieder komplett mit guten Mietern gefüllt sein werde. „Es gibt keinerlei Grund zu Alarmismus“, so Unmüßig. Und es gebe auch Erfolgsgeschichten wie den Mieter Vapiano. „Das Quartier ist nach allen gängigen Parametern attraktiv. Wir erleben aber gerade einen grundsätzlichen Wandel, der durch die Pandemie verstärkt wurde: Die Innenstädte verzeichnen sinkende Besucherfrequenz und gleichzeitig nimmt der temporäre Leerstand zu“, erklärt auch Franziska Pankow von der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH. Mit Blick auf die gesamte Innenstadt sieht Pankow zudem einen direkten Zusammenhang zwischen Leerstand und Mietpreisen. Der Hintergrund: Der Wert einer Gewerbe-Immobilie richtet sich nach den zu erwartenden Einnahmen. Viele Vermieter lassen daher die Ladenfläche erstmal leerstehen – in der Hoffnung, dass sich doch noch ein zahlungskräftiger Mieter findet.
Immerhin gibt es einen Lichtblick. Ein Nachmieter für den geschlossenen Rewe wurde mit Zutun von der Firma Unmüssig schnell gefunden: Bereits diesen Donnerstag eröffnet die stark expandierende, aus Berlin stammende Kult-Supermarkt-Kette „go asia“, die 8.000 Artikel aus Fernost im Angebot hat – von allen nur erdenklichen Sorten Mochi-Eis über exotische Knabbereien bis hin zu frischem Gemüse und den obligatorischen Winkekatzen. Geschäftsführer Jiandong Yang gibt sich optimistisch: „Der Standort ist für uns attraktiv, da wir etwas bieten, was es so in Freiburg noch nicht gibt.“
Abzuwarten bleibt, was aus der Nachbarschaft im etwas verloren wirkenden ersten Untergeschoss wird. Das Konzept einer fensterlosen Tanzlounge, die – wenn überhaupt – erst nachts öffnet, scheint nicht zum übrigen Mix zu passen. Möglicherweise aber bringt der Asia-Supermarkt hier neue Dynamik ins Quartier.

Sven Meyer

Zurück