Stresstest für das System Bahn

9-Euro-Ticket: Im Raum Freiburg gab es einen großen Andrang auf die Züge am ersten Feiertags-Wochenende

Volle Bahnsteige, volle Züge: Das 9-Euro-Ticket hat im Raum Freiburg mit dem Pfingstwochenende den ersten Härtetest hinter sich. Viele Reisende nutzten das Angebot. Größere Probleme gab es laut Angaben der Verkehrsbetriebe und der Bundespolizei aber nicht.Während es aus anderen Teilen der Bundesrepublik Berichte über Polizeieinsätze und sogar Zugräumungen gegeben hat, verlief das Auftaktwochenende für das 9-Euro-Ticket im Raum Freiburg weitgehend reibungslos. Die Züge und Bahnsteige waren zwar voll und vor allem in den touristischen Gegenden des Schwarzwalds, wie zum Beispiel Richtung Titisee, erhielten viele Fahrgäste in den Zügen nur noch Stehplätze.


Großer Andrang, kein Chaos
Doch das ganz große Chaos blieb über Pfingsten aus, sagt zum Beispiel Katharina Keßler von der Bundespolizeiinspektion Weil am Rhein. Deren Zuständigkeitsbereich erstreckt sich über die Landkreise Waldshut, Lörrach, Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen, den Schwarzwald-Baar-Kreis und den Stadtkreis Freiburg: „Dort kam zu keinem Einsatz der Bundespolizei aufgrund von überfüllten Zügen oder im direkten Zusammenhang mit dem 9-Euro-Ticket“, sagt die Polizeisprecherin.
Auch die Freiburger Verkehrs AG (VAG) zieht ein überwiegend positives Fazit nach dem langen Pfingstwochenende. Es sei „zu keinerlei Engpässen oder Auffälligkeiten gekommen, die auf das 9-Euro-Ticket zurückzuführen gewesen wären. In der Regel hat man in allen unseren Bussen und Straßenbahnen immer gut Platz gefunden“, berichtet VAG-Sprecher Andreas Hildebrandt. Die VAG registriert seit dem Start des Angebots eine große Nachfrage nach dem vergünstigten Nahverkehrsticket. Bislang habe allein die VAG 88.500 Tickets verkauft, so Hildebrandt. Die Zahl der bislang verkauften Fahrscheine bei der Deutschen Bahn (DB) beläuft sich auf über 6,5 Millionen 9-Euro-Tickets. Verkauft werden sie jeweils für Juni, Juli und August, gültig sind sie bundesweit im Nahverkehr. Jörg Sandvoß, Vorstandsvorsitzender der DB Regio, bezeichnet das 9-Euro-Ticket als „einmaliges Experiment“. Er sagt nach dem Pfingstwochenende: „Natürlich ist es wie erwartet vor allem auf den touristischen Hauptrouten punktuell zu Belastungsspitzen gekommen.“
Joachim Barth, der baden-württembergische Landesvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn bestätigt gegenüber dem Wochenbericht, dass das Angebot bei den Kunden beliebt ist. „Das 9-Euro-Ticket wird sehr gut angenommen“, sagt Barth. Das Ticket zeige aber auch die Grenzen „des derzeitigen Zustands“ der Deutschen Bahn auf, so der Fahrgastvertreter. Investitionen in die Infrastruktur und ins Bahnpersonal seien dringend notwendig, so Barth. Schon ohne 9-Euro-Ticket seien viele Strecke überlastet.
Und der nächste Stresstest für Bahn und Fahrgäste stehe bereits in einer Woche an. „Ich denke, dass die Züge am langen Wochenende vor Fronleichnam sicherlich wieder sehr voll sein werden“, prophezeit Joachim Barth.

Matthias Joers


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