Auf der Spur der Steine

Neues Buch zeichnet nach, wo die Steine des Freiburger Münsters herkommen

Mehr als 300 Jahre haben die Freiburger am Wahrzeichen ihrer Stadt, dem Münster, gebaut. Den Steinen, aus denen das Gotteshaus errichtet worden ist, widmet sich nun das rund 250 Seiten starke Buch „Die Steine für den Münsterbau“. Entstanden ist es unter der Federführung des Freiburger Geologen Wolfgang Werner und der Münsterbaumeisterin Anne-Christine Brehm.Im Kern dreht sich das Buch um die Frage, wo die Steine herkamen, wie sie nach Freiburg kamen und warum der Sandstein, der im Mittelalter verbaut wurde, in der Regel viel haltbarer ist als alles, was in den vergangenen 200 Jahren bei Reparaturen am Münster eingesetzt wurde. Dazu müsse man wissen, dass der Buntsandstein, der am Münster verbaut wurde, vor rund 250 Millionen Jahren entstanden ist, erklärt Wolfgang Werner. Der heutige Schwarzwald sei damals eine riesige Wüstenlandschaft gewesen. „Man kann das durchaus mit der Landschaft vergleichen, die man heute in der Sahara vorfindet“, so der Wissenschaftler. „Allerdings haben Starkregenereignisse von enormen Ausmaßen immer wieder dazu geführt, dass Sedimente aus dem heutigen französischen Zentralmassiv hierher gespült wurden und sich dann absetzten.“


Sieben Meter breite Wege
Der Sand von damals ist der Stein von heute. „Für die Haltbarkeit ist wichtig, wie die genauen Verhältnisse waren an der Stelle, an der die Steine für den Münsterbau abgebaut wurden“, so Werner. Der Sandstein aus dem Tennenbacher Tal bei Emmendingen erwies sich hier als ideal: ein sehr fester Stein, der für seine große Haltbarkeit bei den Baumeistern des Mittelalters bekannt war, da er bereits im 12. Jahrhundert für den Bau des Zisterzienserklosters Tennenbach genutzt wurde.
Der Münsterbau sei damals ein enormer Wirtschaftsfaktor für die Region gewesen, berichtet Anne-Christine Brehm: Um die Steine nach Freiburg zu bringen, entstanden bis zu sieben Meter breite Wege, die heute größtenteils verschwunden sind. „Da war richtig viel Verkehr unterwegs für den Münsterbau.“
Doch irgendwann in den vergangenen zwei Jahrhunderten wurde die Notwendigkeit immer drängender, verwitterte Steine auszutauschen. Was die Steinmetze im 19. und 20. Jahrhundert zunächst nicht wussten: Der Sandstein, der aus 26 unterschiedlichen Steinbrüchen nach Freiburg gekarrt wurde, war oftmals nicht sehr haltbar. „Das war kein Versäumnis der Baumeister, es hat sich einfach rückblickend so gezeigt“, berichtet Brehm. Es sei daher gut, dass nun wieder Steine aus dem Tennenbacher Tal geholt werden können, um den Erhalt der Kathedrale zu sichern.

B. Peters

INFO: Schriftenreihe Münsterbauverein, Band 10: Die Steine für den Münsterbau, erschienen bei Rombach, 248 Seiten, 24,90 Euro. Am 30. April eröffnet das Museum der Freiburger Münsterbauhüte in der Schoferstraße 4 in Freiburg zudem eine Ausstellung über den Münsterbau. Der Eintritt ist frei, das Museum ist jeden Donnerstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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