Angespannte Lage bei der Tafel

Der Bedarf ist riesig, die Lager leer: Aktuell muss die Freiburger Tafel Lebensmittel rationieren

Die Freiburger Tafel stößt derzeit an ihre Grenzen. Allein aufgrund des Kriegs in der Ukraine muss die Anlaufstelle für Bedürftige auf einmal deutlich mehr Menschen versorgen. Gleichzeitig gibt es weniger Waren und auch die Covid-Pandemie erschwert die Abläufe. Der tägliche Andrang vor dem Freiburger Tafelladen in der Knopfhaussiedlung ist immens. Morgens reicht die Schlange regelmäßig bis zum benachbarten ZO-Einkaufszentrum. Die Menschen warten darauf, Nummern zugeteilt zu bekommen. Wegen Corona können aktuell nur sechs bis acht Kunden gleichzeitig in den Tafelladen, was bedeutet, dass maximal 180 Einkaufsnummern pro Tag vergeben werden können. „Häufig ergibt sich dadurch die Situation, dass unsere Nummern nicht für alle an dem Tag ausreichen“, erklärt die Tafel-Vorsitzende Annette Theobald. Da der Impfstatus der Kunden teilweise unklar ist, werden die Restriktionen sehr ernst genommen, um Mitarbeiter zu schützen und eine coronabedingte Schließung der Tafel zu verhindern.
Die galoppierende Inflation, insbesondere die steigenden Lebensmittelpreise, sind ein Grund dafür, dass die Zahl der Stammnutzer wächst. Zusätzlich unter Druck gerät die Freiburger Tafel, wie auch alle anderen Tafelläden in ganz Deutschland dadurch, dass auf einmal deutlich mehr Menschen auf sie angewiesen sind: „Seit Kriegsbeginn haben wir zirka 380 neue Kundenkarten für Zufluchtssuchende aus der Ukraine ausgestellt, was bedeutet, dass über 800 Menschen zusätzlich über die Tafel versorgt werden“, erläutert Annette Theobald im Gespräch mit dem Freiburger Wochenbericht.
Die Folgen der vertrackten Gemengelage sind für die Tafel erheblich: So genannte Trockenware wie Kaffee, Zucker, Mehl und Konserven etc. sind derzeit Mangelware. Auch bei anderen Lebensmitteln gibt es Lieferengpässe, die die Tafel spürt. De facto lebt der Tafelladen derzeit von der Hand in den Mund. Eine Konsequenz: Statt dreimal können die Tafelladen-Kunden nur noch zweimal in der Woche einkaufen.
„Unser Lager ist leer. Ich denke, solange der Krieg weitergeht, wird sich an dieser Situation nichts ändern. Ich rechne auch damit, dass noch weitere Flüchtlinge kommen werden“, erklärt Theobald. Eigentlich ist es die Philosophie, nichts dazu zu kaufen. Die momentane Situation zwingt die Freiburger Tafel jedoch zur vorübergehenden Aufhebung dieser Maxime. Zweckgebundene Spenden ermöglichen vorübergehend den Zukauf von Grundnahrungsmitteln.


Überwältigende Solidarität
Dass die Tafel trotz der angespannten Lage dennoch weiter funktioniere, liegt an dem großen Engagement vieler Freiburger. Bis auf zehn Festangestellte, setzt sich der Rest der rund 200 Mitarbeiter aus Ehrenamtlichen zusammen. Ein großes Anliegen ist es Annette Theobald, stellvertretend danke zu sagen, „an die vielen Menschen, die uns so tatkräftig unterstützen“. Wie sie berichtet, kämen im Laufe des Tages Menschen vorbei, die lang haltbare Lebensmittel in Tüten vorbeibrächten und manchmal auch Geld spenden würden. „Die Solidarität ist überwältigend“, so die Tafel-Vorsitzende. Wer selbst akiv werden möchte: Lebensmittelspenden können spontan vorbeigebracht werden. Größere Spenden, etwa von Landwirten, werden auch von Tafel-Mitarbeitern mit dem Transporter abgeholt.

Sven Meyer

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