Echte Gefühlsexplosion

Freiburgs Nico Schlotterbeck erlebte gegen Wolfsburg ein Wechselbad der Gefühle

Nationalspieler Nico Schlotterbeck hat dem SC Freiburg mit seinem 3:2-Siegtreffer gegen den VfL Wolfsburg einen weiteren Erfolg beschert. Bevor der Innenverteidiger in der 87. Minute den Hammer auspackte, hatte der Sportclub erst geglänzt und dann den Sieg beinahe verschenkt. Eine derart auffällige Frisur hätte es eigentlich gar nicht gebraucht, denn auch ohne seine platinblonden Haare, die Nico Schlottereck meist zur Seite gekämmt trägt, ist der 22-Jährige seit Monaten einer der auffälligsten Freiburger. Der 191 Zentimeter große Innenverteidiger steht auf den Einkaufszetteln vieler internationaler Spitzenclubs. Auch die nationale Elite aus Dortmund und München hätte den Nationalspieler kommende Saison allzu gerne in ihren Reihen. Am Samstag schnürte Nico Schlotterbeck zum bereits 24. Mal in dieser Bundesligasaison seine Kickschuhe für den Sportclub und erlebte beim 3:2-Heimerfolg gegen den VfL Wolfsburg ein echtes Wechselbad der Emotionen.
Zunächst hätte sich der jüngere der beiden Schlotterbeck-Brüder im SC-Trikot gemeinsam mit seinen Defensivkollegen in den ersten 45 Minuten bei bestem Fußballwetter auch im Freiburger Mundenhof zwischen Ziegen und Schafen im Streichelzoo vergnügen können – sein Eingreifen war gegen harmlose Wölfe aus der Autostadt Wolfsburg nur selten von Nöten. Dann, als die Gäste besser ins Spiel kamen, hatte der ansonsten in dieser Saison nahezu fehlerfreie Blondschopf bei den Gegentoren unglücklich mitgewirkt, ehe ihm in Minute 87 der Ball vor den Schlappen fiel und der Shootingstar der Breisgauer das Spielgerät per Dropkick in die Tormaschen jagte. „So eine Gefühlsexplosion am Schluss hatte ich noch nie“, sagte Schlotterbeck. Es war bereits sein vierter Treffer in dieser Saison, der das Freiburger Punktekonto auf stolze 44 Zähler anwachsen ließ. „Der Sieg war wichtig, wir sind wieder dran an den Champions-League-Plätzen“, sagte Nico Schlotterbeck.
Das Zutrauen in die eigene Stärke ist nicht nur bei Schlotterbeck gewachsen. Der Auftritt gegen den VFL Wolfsburg offenbarte sehenswerte spielerische Momente gepaart mit individueller Klasse, wie die vom italienischen Nationalspieler Vincenco Grifo, der vor der Pause zwei tolle Treffer erzielte. Ebenso wurde aber auch deutlich, dass der Sportclub verwundbar ist und das ganz hohe Level nicht über die volle Spieldauer gehen kann. Doch die Streich-Elf konnte sich verdientermaßen wie schon beim späten Treffer im Pokal in Bochum (2:1 nach Verlängerung) auch gegen Wolfsburg auf das auch hart erarbeitete Momentum verlassen. Gelingt es diesen Mix auch am Samstag in Fürth (15.30 live auf Sky) abzurufen, sollten die nächsten drei Punkte im Rennen um die Plätze, die kommende Saison eine Reise durch Europa garantieren, mehr als möglich sein. Welche Farben Nico Schlotterbeck bei seiner Tour durch Europa kommende Spielzeit trägt ist weiter offen – vielleicht, das wünscht sich nahezu jeder Anhänger des Sportclubs, sind es ein Jahr mehr die Farben rot und weiß.

Lukas Karrer


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