„Es war ein Thriller“

Auf dem Weg nach Jamaika: Matern von Marschall (CDU) – Gewinner des Freiburger Direktmandats – im Interview

Nach einem echten Wahlkrimi holte sich  Matern von Marschall (CDU) mit 2,3 Prozent Vorsprung vor Rivalin Kerstin Andreae (Grüne) das Direktmandat im Wahlkreis Freiburg. Claudia Kleinhans hat mit ihm über die AfD, Jamaika und das Ende der großen Koalitition gesprochen.

Herr von Marschall, für Sie, Ihr Team und natürlich auch Ihre Partei war die  Bundestagswahl eine echte Zitterpartie. Nur ganz knapp haben Sie Ihre stärkste Kontrahentin Kerstin Andreae auf der Zielgeraden schlagen können. Wie haben Sie den Wahl-Sonntag erlebt?
von Marschall: Ich habe etwas Vergleichbares noch nie erlebt. Die emotionale Anspannung war sehr groß, das hat man auch an dem Jubel bemerkt, der jedes Mal ertönte, wenn wir auch nur einen Zehntel-Prozentpunkt in der Wählergunst stiegen. Das war wirklich ein Thriller.
Auf bundespolitischer Ebene gab es einige Überraschungen. Zum einen  das gute Abschneiden der AfD …
von Marschall: Die AfD hat noch mehr Zustimmung gefunden als wir es befürchtet hatten, wobei ich durchaus mit elf Prozent im Vorfeld gerechnet hatte. In Sachsen konnte sie ja sogar drei Direktmandate holen: man denke an die  Sächsische Schweiz, Görlitz und Bautzen. Mit knapp acht Prozent liegen wir in  Baden-Württemberg noch im überschaubaren Rahmen. Ich befürchte, dass sich mit dem Einzug der AfD ins Parlament die dortige Tonlage wesentlich verschärfen
wird. Ich hoffe, dass Wolfgang Schäuble, der vielleicht zukünftige Parlamentspräsident, hier durch seine erfahrene Art einen Riegel vorschieben kann.
Andrea Nahles’ „In die Fresse“-Aussage erweckt den Eindruck, dass manche aus den etablierten Parteien sich schon haben anstecken lassen …
von Marschall: Das ist genau der Punkt. Denn die Sprache macht es letztlich aus. Die AfD will angeblich die „Political Correctness“ abschütteln – das ist aber für viele dann nur der Vorwand, um sich unangemessen zu äußern. Auf dieses Niveau sollten wir alle uns nicht herablassen.
 Die zweite große Überraschung war die schnelle und geschlossene Koalitionsabsage der SPD.von Marschall: Sofort die Tür zuzuschlagen, kaum dass die Wahllokale ihre Türen geschlossen hatten, damit macht es sich die SPD vielleicht ein bisschen zu einfach. Ich glaube auch nicht, dass es das war, was die Menschen erwartet haben.
Die kommenden vier Jahre im Bundestag werden nicht nur durch die AfD geprägt sein, sondern auch durch die immer wahrscheinlicher werdende Jamaika-Koalition,bei der die Interessen von insgesamt vier Parteien unter einen Hut gebracht werden müssen.
von Marschall: Vier Parteien, drei Fraktionen, das haben wir so noch nie gehabt. Das wird sehr schwierig, schließlich ist es ja mit zwei Koalitionspartnern schon nicht einfach. Aber diese Koalition kann auch Chancen bieten, zum Beispiel wenn sich die Parteien auf ihre Kernkompetenzen besinnen. So könnte die FDP in Richtung Finanzen gehen und bei den  Grünen würde sich das Umweltressort anbieten. In der Innen-, Sicherheits- und Außenpolitik kann es natürlich auch schwierig werden, aber hier heißt es dann für alle: Kompromisse schließen.
 Sie haben sich in den vergangenen vier Jahren bereits für einige Freiburger Themen eingesetzt, wie den Stadttunnel beispielsweise. Wie geht es für Sie in den kommenden vier Jahren weiter?
von Marschall: Natürlich wird mich der Stadttunnel auch weiterhin begleiten, aber auch baupolitische Themen werden in Zukunft im Vordergrund stehen. Das hat gerade für Freiburg eine enorme Bedeutung. Es gibt auf jeden Fall viel zu tun und ich freue mich auf meine Aufgabe.

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