Das Freiburger Jobwunder

Viele gut bezahlte Arbeitsplätze und Wachstumsdynamik – vor allem dank einer Branche

In einer Zeit vieler schlechter Nachrichten gibt es auch gute: Freiburg erlebt ein Jobwunder. Trotz Pandemie strotzt die wirtschaftliche Entwicklung in der Stadt nur so vor Kraft. Und die Zukunftsaussichten bleiben rosig. Die Dynamik bei Jobs und Wirtschaftswachstum ist in Freiburg beachtlich: Bei der Wirtschaftsleistung war Freiburg zuletzt mit einem Plus von 6,6 Prozent Wachstumsspitzenreiter in Baden-Württemberg. Dabei gab es Zeiten, da galt Freiburg als Stadt, in der man zwar gut leben und studieren konnte, sich aber leider kaum Perspektiven auf eine attraktive Arbeitsstelle boten. Diese Zeiten sind vorbei. Freiburg hat einen wahren Jobboom erlebt. Die Arbeitslosenquote in der Stadt beträgt derzeit 4,8 Prozent. Noch Mitte der 90er-Jahre lag die städtische Arbeitslosenquote bei über zehn Prozent. Hochqualifizierte, gut bezahlte Arbeitsplätze waren damals äußerst rar gesät, heute werden in diesem Segment in Freiburg stetig neue Stellen geschaffen. Zugute kommt der Stadt dabei, dass sie im Bundesvergleich eine sehr junge, dynamische und gut ausgebildete Bevölkerung hat. Firmen, die sich hier ansiedeln, wissen dies zu schätzen.


Großer Wandel vollzogen
„Der Wachstumstreiber Nummer eins ist die Gesundheitswirtschaft“, betont Hanna Böhme, Geschäftsführerin der FWTM und Freiburgs oberste Wirtschaftsförderin. Fakt ist: Ein Viertel der Erwerbstätigen – rund 34.500 Menschen (Stand 2019) – sind in diesem Segment, inklusive Gesundheitswesen beschäftigt. Im vergangenen Jahr wurden rund 28,5 Prozent der Gewerbesteuer in diesem Bereich erwirtschaftet.
Der Trend geht in Freiburg hin zu höherwertigen Arbeitsplätzen in Zukunftsbranchen. Nach Angaben der Arbeitsagentur sind rund 85 Prozent der Stellenangebote heute auf Fachkräfte und Spezialisten ausgerichtet. Vor 30 Jahren richteten sich über 50 Prozent noch an Hilfsarbeiter und Jobsuchende mit mittleren Qualifizierungen. „Der heute so robuste Arbeitsmarkt basiert auf der starken Gesundheitsbranche, die von konjunkturellen Krisen unabhängig ist. In schwierigen Zeiten kommt Freiburg zudem zugute, dass wir nur relativ wenig produzierendes Gewerbe haben“, erklärt Hans-peter Fakler, der Sprecher der Freiburger Arbeitsagentur. Zudem seien viele gut bezahlte Arbeitsplätze im universitären Umfeld, zum Teil durch Startups, die kräftig gewachsen sind, entstanden.
Im medizintechnischen, pharmazeutischen und biotechnologischen Bereich haben Unternehmen zuletzt kräftig investiert – wovon auch die Allgemeinheit profitiert. Gewerbesteuereinnahmen kommen nicht zuletzt dem Gemeinwesen zugute. Allen voran steht der Weltkonzern Pfizer, der in den vergangenen zehn Jahren 500 Millionen Dollar am Standort Freiburg investiert hat. Bemerkenswert: Das Coronamedikament Paxlovid wurde in Freiburg mitentwickelt und wird auch hier produziert. Aber auch Unternehmen wie Dr. Falk Pharma, Stryker, Ormed, Black Forest Medical Group, KLS Martin, Sartorius, die den Freiburger Reagenzienhersteller CellGenix für 100 Millionen Euro gekauft haben und das US-Medizintechnikunternehmen Intuitive Surgical, das seine Europa-Zentrale in Freiburg für rund 60 Millionen errichten wird, investieren langfristig in den Standort. Die Zukunftsaussichten gestalten sich somit rosig. Dennoch gibt es eine dunkle Wolke: Aufgrund des demografischen Faktors dürfte sich der Fachkräftemangel selbst im boomdenden Freiburg verschärfen. Das wird für Unternehmen eine große Herausforderung. Künftige Arbeitnehmer werden indes nicht nur von attraktiven Gehältern, sondern auch von Zusatzleistungen profitieren.

Sven Meyer

Zurück