Fake-News für Freiburg auf Telegram

In der Telegram-Gruppe „FreiSeinFreiburg“ vernetzt sich die regionale Querdenker-Szene mit ihren Sympathisanten

Verschwörungsmythen, Fake-News, Widerstandsfantasien – in der Telegram-Gruppe „FreiSeinFreiburg“ sammelt sich der harte Kern der Gegner der Corona-Maßnahmen. Zudem nutzt man den Messengerdienst, um zu regelmäßigen Demos und den sogenannten Spaziergängen aufzurufen. Rund 1.200 Mitglieder hat die Gruppe aktuell auf Telegram, regelmäßig kommen neue hinzu. Vor allem nach den großen Samstagsdemos, auf denen offenbar in großem Umfang neue Mitglieder rekrutiert werden. Dann steigt die Mitgliederanzahl sprunghaft, teilweise treten bis zu 100 Leute im Anschluss an die Veranstaltung bei.
Einer der Verwalter der Gruppe ist Malte Wendt, der häufig auch die Demos anmeldet. Der unscheinbar wirkende Wendt hatte im Sommer bereits in einer Pro7-Doku über Querdenker einen Auftritt, kandidierte bei der Bundestagswahl im September für die Corona-kritische Klein-Partei „Die Basis“. Er und seine Mitstreiter posten in „FreiSeinFreiburg“ krude Verschwörungsmythen: beispielsweise über Booster-Impfungen, die angeblich Kinder töten. Polizei, die die „Spaziergänger“, wie sie sich nennen, per Google überwacht („Lasst euer Handy zuhause“). Der Tenor: Wacht auf, ihr werdet belogen, solidarisiert euch. „Wir stehen jetzt am Scheideweg wo diese Tyrannei entweder beendet wird, oder wo sich diese Tyrannei verfestigt und wir alle ein Leben in Sklaverei führen werden in einer Welt in der die Möglichkeiten zur Gegenwehr ein- für alle mal beseitigt sein werden“, heißt es in einer geteilten Nachricht.
Bundesweite Fake-News aus der Querdenker und Reichsbürgerszene mischen sich hier mit Entrüstung über regionale Impfaktionen und Corona-Maßnahmen. Zuletzt beispielsweise über die an Weihnachten von Sebastian Müller mitorganisierte Kinder-Impfaktion. Müller steht schon länger im Fokus der Freiburger Maßnahmengegner, auch in „FreiSeinFreiburg“ wird oft über ihn diskutiert.
Diese einzelne Gruppe stehe „für eine Vielzahl an ähnlichen Gruppen, die man so gar nicht alle überblicken kann“, weiß Müller. „Zentrales Element der Vernetzung“ sei der Messenger-Dienst Telegram für die Szene, glaubt Müller. Das wird auch offensichtlich, wenn Aufrufe zu Demos, Spaziergängen oder Autokorsos in Freiburg und der Region, bis nach Lörrach, Müllheim oder Emmendingen veröffentlicht werden. Man kennt sich in der Szene, auch über die Stadtgrenzen hinaus.
Bundesweit ist der zunehmende Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen ein Thema in der öffentlichen Diskussion. Auch in Freiburg protestierten Mitte Dezember so viele wie noch nie. „Die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen entwickelten sich in Freiburg und Umgebung in Wellenbewegungen, die mit den Einschränkungen des öffentlichen Lebens korrelierten“, erklärt die Pressesprecherin der Polizei, Laura Riske. „Während zu Beginn des Jahres regelmäßig Versammlungen mit mehreren hundert Teilnehmern zu verzeichnen waren, ebbten die Zahlen im Sommer deutlich ab. Erst mit dem Beginn der öffentlichen Diskussion um die Impfpflicht wuchsen die Teilnehmerzahlen der Versammlungen an den Samstagen auf zunächst mehrere hundert bis zu einem Höchststand Mitte Dezember von 3.500“, so Riske weiter.
Immerhin: Eine zunehmende Radikalisierung kann Riske, zumindest für Freiburg, nicht feststellen: „Bei den Versammlungen in und um Freiburg konnten bislang keine gewalttätigen Bestrebungen festgestellt werden. Bilder wie sie zuletzt aus anderen Landesteilen beziehungsweise anderen Bundesländern zu sehen waren, gab es beim Freiburger Versammlungsgeschehen bislang nicht“.
Ob man die Telegram-Gruppe seitens der Polizei im Blick habe, wollte Riske nicht bestätigen: „Das bezieht sich auf eine einsatztaktische Maßnahme und kann von uns nicht beantwortet werden.“ Die nächste Demo der Maßnahmengegner ist für den kommenden Samstag geplant, erneut wird in den Sozialen Netzwerken zur Teilnahme aufgerufen. Wie viele es an diesem Wochenende sein werden, sei schlecht prognostizierbar, so Polizeisprecherin Laura Riske, „wir gehen aber davon aus, dass es in nächster Zeit nicht weniger werden.“

Claudia Kleinhans

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