Testzentren am Limit

Wer sich in Freiburg auf Corona testen lassen will, muss zurzeit einen sehr langen Atem haben

3G am Arbeitsplatz und in den öffentlichen Verkehrsmitteln, 2G-plus bei Kultur-, Freizeit- und Sportveranstaltungen – die neue Corona-Verordnung hat die Nachfrage nach Schnelltests in kürzester Zeit explodieren lassen. Auch in Freiburg werden die Schlangen immer länger und die Tests zunehmend knapp.Houda Radi betreibt gemeinsam mit ihrem Mann Ahmad seit Juli das Corona-Schnelltest-Zentrum an der Aeskulap Apotheke im Stühlinger. Anfangs nur als Service für die Apotheken-Kunden gedacht, werden die Radis inzwischen von Testwilligen quasi überrannt. „Die Leute stehen schon Schlange bevor wir überhaupt öffnen“, so die Pharmazeutisch-Technische Assistentin, die eigentlich in der benachbarten Apotheke arbeitet, „es ist eine Katastrophe.“ Das Online-Portal zur Terminbuchung sei vollkommen überlastet, Radi musste ihre Telefonnummer von der Website nehmen: „Das Telefon klingelte ununterbrochen.“ Am vergangenen Dienstag, einen Tag vor Inkrafttreten der neuen Corona-Verordnung, kamen laut Radi fünfmal mehr Menschen zum Testzentrum als sonst: „Abends war ich noch unterwegs um neue Tests für den folgenden Tag zu besorgen, alles war weg“, berichtet sie, „die Menschen stehen stundenlang in der Kälte an, das tut mir so leid.“ Auch deshalb arbeiten sie und ihr Mann beinahe täglich über die Öffnungszeiten hinaus. „Wir schließen um halb acht, meist bin ich aber bis 21 Uhr im Zelt“, so Radi. Nachschub an Tests zu besorgen falle zunehmend schwerer, teilweise helfen sich die Testzentren gegenseitig aus.
Lange Schlangen vor den Testzentren? „Ja, es ist tatsächlich ein erhöhter Bedarf festzustellen“, bestätigt Martina Schickle, Pressesprecherin der Stadt Freiburg, „durch die neuen Landesverordnungen arbeiten wir mit Hochdruck an dem Thema.“ Nachdem die Kapazitäten während der letzten Monate massiv nach unten gefahren wurden, hat sich die Lage nun umgekehrt. Überall sprießen die Zelte der Testzentren nun wieder aus dem Boden. „In Freiburg gibt es aktuell (Stand Donnerstag) 81 Testzentren, davon 45 bei Ärzten oder Apotheken“, berichtet Matthias Fetterer, Pressereferent des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald, in welchem das zuständige Gesundheitsamt angesiedelt ist. „Dazu sind über 30 Anträge in der engeren Prüfung (etwa 4/5 in der Stadt Freiburg und der Rest im Landkreis) und über 50 Anträge im Eingang“, ergänzt er. Und mit der zunehmenden Nachfrage steigt auch der logistische Aufwand für die zuständige Behörde: „Problematisch sind nach wie vor die oft unvollständigen Angaben oder auch mehrere Anträge für ein und denselben Standort. Das erfordert zusätzlichen Aufwand bei den Rücksprachen. Erfreulicherweise melden sich aber auch wieder vermehrt Ärzte, Apotheken oder Hilfsorganisationen, die Bürgertestungen anbieten möchten. Auch diese Einrichtungen müssen erfasst werden“, so Fetterer.
Auch wenn der Bedarf hoch ist, für ein zentrales, kommunales Testzentrum, wie es zuletzt noch an der Messe stationiert war, sieht man im Rathaus keine Notwendigkeit: „Wir als Stadt arbeiten eng mit dem Gesundheitsamt zusammen und haben bei den Anfragen zu weiteren Teststellen auch unser Amt für öffentliche Ordnung mit involviert, um möglichst schnell geeignete Flächen im Stadtgebiet zu finden. Durch die vielen externen Anträge sehen wir aber derzeit keinen Bedarf, kommunale Teststellen bereitzustellen“, erklärt Schickle.
Radi, die gerade ein zweites Testzentrum auf die Beine stellen will, sieht allerdings dringenden Handlungsbedarf: „Der Winter hat ja gerade erst angefangen und durch 2G-plus werden die Anfragen nicht weniger werden“, befürchtet sie.


Claudia Kleinhans


Info: Unter 07 61/2 01 23 45 können in den verschiedenen Freiburger Testzentren von Montag bis Freitag, 8 bis 18 Uhr Uhr Termine vereinbart werden. Weitere Infos gibt es bei der Stadt Freiburg www.freiburg.de/coronavirus.

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