So schmeckt die Berliner Luft

Chantal Kopf (Grüne) und Claudia Raffelhüschen (FDP) sitzen seit September für Freiburg im Bundestag – die Parlamentsneulinge berichten

Rund zwei Monate ist es nun her, dass Chantal Kopf und Claudia Raffelhüschen in den Deutschen Bundestag gewählt wurden. Neue Herausforderungen, viel Arbeit und Organisation haben die beiden Frauen in Berlin erwartet. Ein kurzer Plausch mit dem jeweiligen Spitzenpersonal in den Parteien war aber auch schon drin.Für Claudia Raffelhüschen kam der Aufbruch in die Hauptstadt überraschend und in der Nacht. „Um 4 Uhr nachts bekam ich den Anruf, dass ich als Nachrücker ins Parlament einziehen werde“, berichtet sie, „ich habe mich dann mit dem ersten Zug auf den Weg nach Berlin gemacht, denn ich hatte gleich am Montagnachmittag die erste Sitzung.“
Chantal Kopf gewann das Direktmandat im Wahlkreis Freiburg und konnte am Montag nach der Wahl etwas entspannter in ihr neues Leben als Parlamentarierin starten. Dennoch: Auch auf sie wartete jede Menge Arbeit. Vor allem Organisatorisches gilt es für die Neulinge zu Beginn zu klären. „Wie führe ich ein Büro, wie rekrutiere ich geeignete Mitarbeiter – das war zu Beginn alles recht überwältigend“, so Raffelhüschen. „Es gab viele verschiedene Einführungsveranstaltungen, auch zum Aufbau der Fraktion oder der Frage wie man sich nun krankenversichert“, ergänzt Kopf. Klar ist, die Tage sind lang in Berlin: Von der ersten Sitzung am frühen Morgen bis hin zu Veranstaltungen am Abend, die Tage sind vollgepackt, Freizeit bleibt da kaum. „Mein Tag dauert momentan meistens von 7.30 Uhr bis 22 Uhr. Eigentlich wollte ich auch mal etwas von Berlin erkunden, dazu kam ich bis jetzt allerdings nicht.“ Auch Raffelhüschen zeigt sich beeindruckt von dem Pensum, aber auch von der Verantwortung: „Natürlich gibt es auch einen gewissen Druck, den man nun spürt, gerade in den aktuell so schwierigen Zeiten.“
Momentan wohnen beide noch in Hotels, „ich werde mir aber auf Dauer eine Wohnung in Berlin suchen, ich bin einfach kein Hotelmensch“, gibt Raffelhüschen zu. Auch Kopf sieht sich aktuell nach einer Bleibe in der Hauptstadt um, „doch aktuell finde ich es auch gut, dass ich kurze Wege in den Bundestag habe.“ Klar ist für beide Frauen, dass der Lebensmittelpunkt weiter in Freiburg bleiben wird: „Freiburg ist meine Heimat, ich bin in der Region auch privat fest verwurzelt“, so Kopf. Claudia Raffelhüschen will ebenfalls so viel Zeit wie möglich in Freiburg bleiben, „auch wenn meine Kinder sich natürlich schon darauf freuen mich in Berlin zu besuchen“, sagt die Mutter dreier erwachsener Kinder. Während der Sitzungswochen, meist zwei pro Monat, herrscht aber teilweise Anwesenheitspflicht für die Abgeordneten, beispielsweise bei den sogenannten Plenarsitzungen, die man aus dem Fernsehen kennt. „Wer da nicht kommt, der wird finanziell abgestraft“, erklärt Raffelhüschen, „aber dafür wurden wir ja auch gewählt, hier dabei zu sein und sich einzubringen.“
Einen festen Platz im Parlament hat man übrigens nicht. Natürlich steht fest wo die Fraktionen an sich sitzen, „aber wer zuerst kommt, sucht aus“, weiß Raffelhüschen. Nur wer eine Rede hält, soll meist weiter nach vorne. „Falls man nach der Rede noch Fragen beantworten muss“, erklärt Raffelhüschen. Im Bundestag eine Rede halten darf übrigens nicht jeder. „Meist äußern sich diejenigen, die in den entsprechenden Ausschüssen sitzen und inhaltlich mit dem Thema verbunden sind“, so Kopf. Wer genau, das bestimme die Fraktion.


Bitte nicht abheben: Beide wollen bleiben wie sie sind
Dem Spitzenpersonal ihrer jeweiligen Partei sind Kopf und Raffelhüschen auch schon begegnet: „Ich wurde wirklich freundlich begrüßt, auch von Christian Lindner. Wir hatten uns ja erst kurz zuvor bei der Wahlkampfveranstaltung in Freiburg getroffen“, verrät Raffelhüschen.
Vorurteile aufgrund ihres Alters erlebt die 26-Jährige Kopf keine und viele ihrer Kolleginnen und Kollegen kennt sie bereits gut aus ihrer Parteilaufbahn. Auch das Spitzenpersonal sei immer ansprechbar, „Annalena Baerbock ist sehr bodenständig“, sagt die Jungparlamentarierin. So will sie es selbst auch weiter handhaben: „Viele meiner Freunde und Bekannten sind überrascht, dass ich mir auch jetzt noch am Wochenende Zeit für sie nehme und dass ich der gleiche Mensch geblieben bin. Ich hoffe, das hält sich auch weiter. Außerdem bekomme ich oft Fotos geschickt, wenn Leute mich im Parlament im Fernsehen gesehen haben.“
Sobald die Regierung gebildet ist, kann auch die Arbeit in den Ausschüssen starten. Chantal Kopf zieht es zur EU-Politik, Claudia Raffelhüschen sieht sich unter anderem in der Sozialpolitik, „beispielsweise Pflege war ja immer ein Thema von mir.“

Claudia Kleinhans

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