Aus Zuversicht wird Sorge

Handel und Gastronomie im Sog der explodierenden Corona-Fallzahlen – Land beschließt 2G-Regel

Angesichts der dramatischen Entwicklung bei den Corona-Infektionen verschärft das Land die Maßnahmen. Wer beispielsweise auf dem Freiburger Weihnachtsmarkt einen Glühwein trinken möchte, musseinen tagesaktuellen negativen Test vorweisen. Handel und Gastronomie stehen derweil mächtig unter Druck.Im Einzelhandel und auf Märkten gilt wegen der stark steigenden Corona-Zahlen in Baden-Württemberg ab diesem Mittwoch voraussichtlich die 2G-Regel – ausgenommen ist die Grundversorgung, also beispielsweise Supermärkte (Anm. d. Red.: die endgültige Corona-Verordnung lag bei Andruck noch nicht vor). Gleichzeitig soll die 2G-plus-Regelung ausgeweitet werden. Sie betrifft geimpfte und genesene Menschen, die etwa Weihnachtsmärkte, Veranstaltungen oder Konzerte besuchen wollen. Das gilt selbstverständlich auch für den Freiburger Weihnachtsmarkt (mehr dazu auf Seite 3). Für Friseurdienstleistungen gilt eine 3G-Pflicht mit PCR-Tests.Außerdem gelten zusätzlich in Stadt- und Landkreisen mit einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 500 Ausgangsbeschränkungen für Nichtgeimpfte und Nichtgenesene von 21 bis 5 Uhr.
Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie fühlen sich derweil wie im falschen Film. Das, was – nachdem jedem Bundesbürger ein Impfangebot gemacht worden ist – nie wieder hätte eintreten sollen, ist Realität: ein erneuter Corona-Winter mit strikten Kontaktbeschränkungen, reihenweise Veranstaltungs-Absagen und sogar einer erneuten Lockdown-Diskussion, die im Hintergrund schwelt. Seit rund zehn Tagen nehmen Stornierungen in der Gastronomie rapide zu. Wo man gerade hinhört, kippt die Stimmung. Aus Zuversicht wird Sorge – auch vor einem Lockdown.


Eine klare Forderung
In Teilbereichen des Handels beziffert sich der Umsatzverlust bereits jetzt auf 30 Prozent. Roland Fitterer, der neue Präsident des Handelsverbands Südbaden, hat dazu eine klare Meinung: „Ein erneuter Lockdown muss von der Politik kategorisch ausgeschlossen werden, da das zumindest für alle Geimpften nicht mehr tragbar wäre. Abgesehen davon, dass der Einzelhandel nachweislich nicht Treiber der Infektion ist, haben wir genug Regelungen und Vorkehrungen. Ein Lockdown wäre nicht zu rechtfertigen und der Einzelhandel würde ihn auch nicht überleben.“
Vorerst soll im Handel – mit Ausnahme der Grundversorgung – 2G gelten. Doch auch hier könnte bei weiter ungebremstem Infektionsgeschehen die noch strengere 2G-plus-Regelung folgen, bei der nur noch Personen, die zusätzlich einen negativen tagesaktuellen Corona-Test vorweisen können, in die Läden dürften. Tragisch: Die Lager sind voll. Denn die Hoffnung auf ein gutes Geschäft war groß. Auf dieser Ware drohen nun viele Händler sitzen zu bleiben. „Ohne schnelle staatliche Hilfe wird es eine Insolvenzwelle geben“, warnt der Handelsverbands-Präsident. Dass die Impfzentren voreilig geschlossen wurden und nun zusammengeschrumpft wieder öffnen, bezeichnet Fitterer als eklatanten Fehler der Politik.
Alexander Hangleiter, Geschäftsführer der Dehoga Freiburg, berichtet, die Lage entwickele sich dramatisch. Viele Gastronomen stünden mittags in leeren Gasträumen. Aus Verunsicherung blieben auch viele vollständig Geimpfte fern. Eine 2G-plus-Regelung für die Gastronomie lehnt Hangleiter ab: „Viel zu umständlich. Das wäre ein Lockdown durch die Hintertür“, sagt er. Dass Impfungen der einzige Weg zu mehr Normalität seien, stehe außer Frage – doch hier habe der Staat versagt. „Viele Menschen im Studentenalter sind offenbar nicht geimpft. Warum hier nicht Impfanreize durch Prämien geschaffen wurden, bleibt mir ein Rätsel.“

Sven Meyer

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