Comeback für Fessenheim?

Neue Atom-Debatte im Elsass wirft Schatten aufs nachbarschaftliche Verhältnis

Frankreich plant die große Renaissance der Atomenergie – und der Bürgermeister von Fessenheim fordert prompt ein neues AKW für seine Gemeinde. Auf der deutschen Rheinseite sorgt das für gehörige Missstimmung.Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron setzt im aktuellen Wahlkampf auf eine Renaissance der Atomkraft: Er will die CO2-Bilanz seines Landes verbessern, in dem er auf den Bau von sogenannten „Mini-Atomkraftwerken“ setzt. Diese „Small Modular Reactors“ (SMR) sollen sicherer und kostengünstiger als Atomanlagen bisheriger Bauart sein. Experten bezweifeln das und fürchten unter anderem, dass durch solche Anlagen leichter als bisher atomwaffenfähiges Material in die falschen Hände geraten könnte.
Nichtsdestotrotz gibt es Applaus für Macrons Idee. So hat Claude Brender, der Bürgermeister von Fessenheim, bereits lautstark den Bau von gleich zwei SMR-Versuchsreaktoren in seinem Dorf eingefordert. Und auch der elsässische Regionalpräsident Frédéric Bierry hat Fessenheim für die SMR-Pläne ins Spiel gebracht: Er wolle mit der Region und mit Paris Gespräche über das Thema aufnehmen, so Bierry in der vergangenen Woche. Er wünsche sich, dass schnell gemeinsam geprüft werde, ob Fessenheim nicht wieder ein AKW bekommen könne, so Bierry. Er sei „offen für alle Gespräche“.


Frankreich plant Mini-AKWs
Groß ist die Missstimmung nun auf der deutschen Rheinseite: Bierrys Idee habe sie „sehr irritiert“, so Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer (parteilos): „Der Neubau eines Kernkraftwerks in der Grenzregion wäre eine schwere Belastung für die deutsch-französischen Beziehungen“. Der Vorstoß stehe im klaren Widerspruch zur deutsch-französischen Absichtserklärung von Volgelsheim. „Auf deren Verbindlichkeit vertrauen wir“, so Schäfer. Die Erklärung von 2019 verfolgt das Ziel, am alten AKW-Standort eine Modellregion für die Energiewende zu etablieren. „Genau in diesem Zusammenhang entwickeln deutsche und französische Unis aktuell konkrete Projekte für eine ’Innovationsregion Fessenheim’. Ein neues Kernkraftwerk würde diese Anstrengungen konterkarieren“, so Schäfer.
Vor dem Hintergrund der laufenden Rückbauarbeiten in Fessenheim solle man sich darauf konzentrieren, möglichst schnell zukunftsfähige neue Jobs in die Region zu holen. Dazu gehöre aber ganz gewiss nicht die Atomindustrie: „Vor diesem Hintergrund werden wir uns in den grenzüberschreitenden Gremien mit aller Kraft dafür einsetzen, dass der Vorstoß von Herrn Bierry nicht weiterverfolgt wird“, so Schäfer.
Nach der AKW-Stilllegung im vergangenen Jahr laufen die Rückbauarbeiten in Fessenheim plangemäß, die letzten Brennstäbe sind bereits abtransportiert. Die große Frage bleibt, wie es mit dem Standort weitergehen soll: Während man auf französischer Seite an der Idee des AKW-Betreibers EdF festhält, dort eine Wiederaufbereitungsanlage für schwach radioaktiven Müll zu bauen, wird gleichzeitig die Idee eines grenzüberschreitenden Gewerbe- und Industrieparks für erneuerbare Energien vorangetrieben. Dafür wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Wissenschaftler, unter anderem vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg, prüfen nun, ob und wie Fessenheim ein Standort für „Grünen Wasserstoff“, nachhaltige Batterieentwicklung und Batterie-Recycling werden kann.

Bernd Peters

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