Hier schlägt das Herz von Haslach

Der Hirschen in der Carl-Kistner-Straße war über drei Jahrzehnte Mittelpunkt im Stadtteil – nun sagt das Pächterehepaar Adieu

Am 30. Oktober endet eine Ära in Freiburg-Haslach. Der Hirschen in der Carl-Kistner-Straße verliert seine langjährigen Pächter: Paquale DiRienzo und seine Frau Ursula machen sich auf in den wohlverdienten Ruhestand. 33 Jahre waren sie mit Herzblut und jeder Menge Leidenschaft das Wohnzimmer der Haslacher.
Der Weg dorthin war, vor allem zu Beginn, kein leichter. „Als ich hier neu nach Haslach kam, hieß es, ah, da kommt der Italiener“, erinnert sich Pasquale DiRienzo mit einem Schmunzeln. Das damals noch von mehrheitlich deutschen Arbeitern bewohnte Stadtviertel hat sich erst in den vergangenen Jahrzehnten zum heutigen Multi-Kulti-Zentrum entwickelt. DiRienzo beißt sich durch, gewöhnt sich an Stammtische und deutsche Küche – und das mit Erfolg. Denn der Hirschen ist als einziges von ehemals fünf Restaurants im Umfeld noch übrig geblieben.
DiRienzo kam mit acht Jahren als Gastarbeiterkind nach Deutschland, die Eltern hatten eigentlich vor, eine Weile zu arbeiten und dann wieder zurück nach Italien zu gehen. Doch sie sind geblieben – und auch für Pasquale DiRienzo ist Freiburg inzwischen zu seiner Heimat geworden. Zurück nach Italien will er auch jetzt als Rentner nicht mehr. „Meine Familie und meine Freunde sind alle hier“, unterstreicht er.
Viel habe sich in der Zeit verändert, die er sein gemütliches Eckrestaurant führte, erzählt er. Immer weniger Menschen nähmen sich die Zeit für ein ausgiebiges Essen, „alles muss schnell gehen oder to go sein“, bedauert DiRienzo. Auch er kann sich diesem Trend nicht verschließen, bietet einen günstigen Mittagstisch an. Seine Pasta und Pizza erlangt weit über die Grenzen von Haslach hinaus Bekanntheit.Das To-Go-Angebot rettet das Ehepaar sogar durch die Corona-Pandemie. „Wir sind unseren Stammgästen dafür sehr dankbar, das Essen zum Abholen wurde wirklich gut angenommen“, unterstreicht Ursula DiRienzo. So konnten sie auch ihre Mitarbeiter halten und zur Öffnung nach dem Lockdown direkt wieder durchstarten. „Viele meiner Gastro-Kollegen haben ihre Mitarbeiter leider verloren, suchen jetzt händeringend nach Ersatz“, ergänzt Pasquale.
Wie viel der Hirschen den beiden Gastronomen bedeutet wird schnell deutlich: „Wir haben hier immer alles gegeben, standen selbst von morgens bis Abends im Restaurant“, erzählt Ursula DiRienzo, die neben ihrer Arbeit im Restaurant noch zwei Kinder großzog. Wie sie das geschafft hat? „Man hat es einfach gemacht. Ich habe gerne gearbeitet und mich hier immer wohl gefühlt. Und das Lächeln unserer Gäste war die größte Belohnung“, erklärt sie. Unterstützt wurden die beiden von Beginn an von Koch Francesco „Ciccio“ Cioffi und seiner Frau Cosima genannt „Mina“. „Und wenn die beiden im Sommer im Urlaub waren, standen wir auch noch gemeinsam in der Küche und haben sie vertreten“, so Ursula DiRienzo.
Auf seinen Abschied nach drei Jahrzehnten blickt das Ehepaar mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück: „Natürlich werden wir unsere Stammgäste und unsere Arbeit hier vermissen“, so DiRienzos Frau Ursula, „aber wir freuen uns auch darauf, weniger zu tun zu haben.“ Ein zweiter Enkel sei unterwegs, „uns wird sicher trotzdem nicht langweilig.“
Die gute Nachricht: DiRienzo hat einen Nachfolger gefunden, der Hirschen als Gaststätte wird den Haslachern also erhalten bleiben. Denn die haben das Eckrestaurant mit dem günstigen und guten Angebot an Pizza und Paste gerne besucht. „Wir haben viele Vereine, die regelmäßig bei uns zu Gast sind“, unterstreicht DiRienzo. Hochzeiten, Taufen, Geburtstage werden im Hirschen gefeiert. Die klassischen Stammtische dagegen hätten sich über die Jahre aufgelöst: „Die Älteren gehen nach und nach von uns, Nachwuchs rückt hier leider kaum nach“, so DiRienzo. Dennoch, für die Stammgäste soll sich auch nach dem Ausscheiden des umtriebigen Ehepaars wenig verändern. Zwei Monate wird umgebaut, dann soll der Hirschen wieder eröffnen – und DiRienzo wird auch noch als Ansprechpartner für den neuen Pächter zur Verfügung stehen.


Claudia Kleinhans



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