„Gefahr für Leib und Leben“

Brandschutzmaßnahme: Wenn Stau droht, werden die B31-Tunnel stadteinwärts künftig gesperrt

Die häufigen Staus auf der B31 haben Folgen für die Verkehrssicherheit im Schützenallee- und im Kappler Tunnel: Seit Montag schaltet die Ampel vor der Tunneleinfahrt im Osten auf Rot, wenn stadteinwärts Stau im Tunnel droht. Es bestand „sofortiger Handlungsbedarf“, sagt die Stadt. Über die Ursachen für die Staus gehen die Meinungen jedoch auseinander.Die Generalprobe am Montag- und Dienstagmorgen verlief unspektakulär. „Ich verstehe es auch nicht“, sagt Frank Uekermann auf die Frage, wieso der im Berufsverkehr zu erwartende Stau auf der B31 ausgeblieben ist. Aber schon ab Mittwoch könne sich das ändern: „Dann wird das Wetter schlechter“, sagt der Leiter des Garten- und Tiefbauamts, der für den Verkehr zuständig ist.


B31 eine „sensible Straße“
Bei der jährlichen Sicherheitsüberprüfung der Freiburger Tunnelanlagen fiel einem externen Gutachter auf, dass die Brandlüftung nur für flüssigen oder stockenden Verkehr konzipiert ist. Nicht aber für Stau. Als der Tunnel vor zwei Jahrzehnten genehmigt worden war, waren Staus auf der B31 noch eine Seltenheit. „Heute haben wir vormittags etwa fünf Mal die Woche Stau“, sagt Uekermann. „Wenn aber der Verkehr bei einem Brand im Tunnel nicht abfließen kann, besteht Gefahr für Leib und Leben“, sagt der GuT-Leiter. Die Stadt steht in der Haftung und war zum Handeln gezwungen. Das neue Konzept sieht vor, dass bei Staugefahr das Tempo in den Tunneln zunächst gedrosselt wird. Für die im zweiten Schritt mögliche Tunnelsperrung schaltet die Ampel auf Rot und die Schranke vor dem Kappler Tunnel wird geschlossen. Die Rotphase soll 90 Sekunden dauern, „nur im worst case bis zu drei Minuten“, sagt Uekermann. Für längere Wartezeiten hätten Verkehrsteilnehmer keine Akzeptanz. Denn es sei schon vorgekommen, dass Autofahrer vor der geschlossenen Schranke auf der B31 gewendet hätten, um zur Anschlussstelle Littenweiler zurück zu fahren. Auch Beschimpfungen seiner Mitarbeiter seien keine Seltenheit. „Verkehr ist ein hochemotionales Thema“, so der GuT-Chef. Doch unterm Strich gehe die Sicherheit vor: „Lieber vor dem Tunnel stehen als im Tunnel“, sagt er. Mittelfristig könnte eine Pförtnerampel Abhilfe schaffen, die je nach Verkehr vor der Anschlussstelle Littenweiler eine Blockabfertigung gewährleisten würde. Noch in dieser Woche soll dort eine weitere Stauschleife installiert werden. Langfristig könnte bei der nächsten Tunnelsanierung die Brandlüftung erneuert werden.
Ein Schritt, den auch der ADAC Südbaden für „wichtig und sinnvoll“ hält. Denn durch die angedachte Blockabfertigung würde „der Verkehrskollaps im Grunde nur vor den Tunnel verlagert“, sagt Andreas Müller, Leiter Abteilung Verkehr und Technik beim ADAC. Das Hauptproblem sieht er in der Tempo-30-Regelung auf der B31 stadteinwärts, „die den Verkehrsfluss auf der Schwarzwaldstr./Ganterknoten B31 erheblich behindert“. Ein Theorie, die Frank Uekermann „nicht teilen kann“. Die Gründe für die Staus lägen auch nicht in der Verkehrszunahme, die sei „nicht zwingend ausschlaggebend“. Viel mehr sei die B31 „eine wahnsinnig sensible Straße“, die auf eine Großstadt treffe: „Da haben wir die Stadtbahn, die Fußgängerquerungen und leider ganz viele Paketdienste. Es ist eben eine Innenstadt und keine Überlandstrecke. Das vergessen viele.“ Aus Sicht des ADAC werde sich das Problem noch verschärfen, sobald die geplante Umwidmung einer der Fahrspuren des Schlossbergrings für den Radverkehr kommt. „Das wird aus unserer Sicht den Verkehrsfluss auf der B31 zusätzlich beeinträchtigen“, sagt Andreas Müller.

M. Joers

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