Hassnachrichten ohne Ende

Influencer Hamudi wird im Netz beleidigt und bedroht – wie der Freiburger damit umgeht und was hilft – Interview

Hamudi aus Freiburg ist schon seit Jahren erfolgreicher Influencer, allein bei TikTok hat er 450.000 Follower, seine Videos wurden schon knapp 14 Millionen mal geliked. Doch plötzlich wurde der 23-Jährige im Netz massiv beleidigt und bedroht. Wie er damit umgeht und wie sich Jugendliche vor Cybermobbing schützen können, erzählt er im Gespräch mit Saskia Schuh.

Hamudi, du hast bei TikTok & Co. viele Fans, warum hast du plötzlich so viele Hassnachrichten bekommen?

Hamudi: Ich habe jahrelang nie Hass abbekommen. Doch dann gab es ein Pärchen, das bei TikTok auch relativ bekannt ist, dass sich getrennt hatte. Dann wurde das Gerücht in die Welt gesetzt, dass ich daran Schuld sei. Dann stand ich von einer Minute auf die andere plötzlich als der Böse da und wurde von Millionen Menschen beschuldigt, dass ich die beiden auseinander gebracht hatte.

Aber das war nicht nicht alles...

Hamudi: Ja leider, daraufhin entstand der Hashtag #alleswegenhamudi, der ging viral, mittlerweile gibt es bei TikTok darunter 36 Millionen Einträge. Das hat sich verselbstständigt, da ging es nicht mehr um die Beziehung, die ich zerstört haben soll, sondern die Leute benutzten den Hashtag auch dafür, wenn in ihrem Privatleben etwas schief lief. Wenn beispielsweise jemand eine fünf in Mathe bekommen hatte, habe ich eine Nachricht bekommen, dass das alles nur wegen mir sei. Die haben ihren privaten Frust an mir ausgelassen. Ich bekam sekündlich Beleidigungen, Morddrohungen und auch meine Familie wurde bedroht. Beschimpfungen wie Hurensohn oder Bastard waren noch die harmloseren. Das beschränkt sich nicht nur aufs Netz, selbst auf der Straße werde ich angepöbelt und beleidigt.

Wie wehrst du dich dagegen?

Hamudi: Anfangs war mein Fehler, dass ich die ganzen Hasskommentare und Nachrichten gelesen habe, zwischenzeitlich hatte ich sogar die Kommentarfunktion deaktiviert. Mittlerweile habe ich einen Filter eingestellt und mir werden solche beleidigenden Worte nicht mehr angezeigt. Ich bin echt froh, dass es solche Funktionen gibt. Mittlerweile passe ich auf, was ich online stelle und poste weniger, monatelang habe ich das sogar ganz gelassen, weil ich dachte, wenn ich von der Bildfläche verschwinde, vielleicht beruhigt sich das ein bisschen. Mittlerweile bin ich wieder aktiver. Aber selbst wenn ich heute Sachen poste, ist es wieder Thema, das ist ein Teufelskreis.

Was kann man tun, um Mobbing zu verhindern und wie kann man sich dagegen wehren?

Hamudi: Wenn man Videos oder Fotos bei Instagram oder TikTok postet, sollte man vorab schonmal den Filter für beleidigende Worte aktivieren. Falls man Opfer von Mobbing wird, sollte man es auf keinen Fall in sich hineinfressen, sondern sich einen Ansprechpartner suchen, beispielsweise die Eltern, einen Vertrauenslehrer oder Freunde. Die Unterstützung von Familie und Freunden hat mir sehr geholfen. Ich würde außerdem jedem raten, der gemobbt wird, Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Hast du schonmal überlegt, wegen dem Ganzen deinen Influencer-Job an den Nagel zu hängen?

Hamudi: Ich habe tatsächlich darüber nachgedacht, alles zu löschen und habe eine sehr lange Pause gemacht. Das ist traurig, wenn man wegen Mobbing die Motivation für seinen Job verliert. Jetzt bin ich vorsichtiger, kann aber auch besser damit umgehen. Ich fand es auch schade, dass sich viele Freunde im Social-Media-Bereich von mir distanziert oder gemeinsame Videos gelöscht haben, weil sie wegen mir auch ein paar negative Reaktionen abbekommen haben. Mittlerweile ist es nicht mehr so krass, es gibt aber noch Hasskommentare. Ich bekomme aber auch immer mehr positives Feedback, weil ich das Thema Cybermobbing in meinen Social-Media-Alltag einbinde. Ich mache viele Fragerunden, wo Leute ihre Probleme und Erfahrungen reinschreiben oder nach Tipps und Tricks fragen können, wie sie damit umgehen sollen. Das ist eine große Motivation für mich, weiterzumachen.

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