Machen statt Phrasen dreschen

Bundestagswahl 2021 – die Kandidaten: Claudia Raffelhüschen, FDP, will der Wirtschaft auf die Beine helfen

Die FDP ist im Aufwind: Bei rund 12 Prozent liegt die Partei in den aktuellen Umfragen. Rückenwind, den Direktkandidatin Claudia Raffelhüschen für den Einzug in den Bundestag nutzen will. Unter anderem für Bildung und Generationengerechtigkeit will die dreifache Mutter eintreten.Wahlkampf in Zeiten von Corona ist keine einfache Sache, das würde Claudia Raffelhüschen so sicher unterschreiben. Die 52-Jährige, die für die Freien Demokraten für den Bundestag kandidiert, hadert mit manchen Formaten, die vielen Berufspolitikern so leicht von der Hand gehen. Kritische Nachfragen bei Podiumsdiskussionen? Fehlanzeige, findet die Diplom-Volkswirtin und Mutter dreier Kinder. „Stattdessen werden einfach Dinge in den Raum gestellt, ohne dass sich jemand im Nachgang erklären muss“, so Raffelhüschen. Werbung statt Wahlkampf, Versprechen statt solider Pläne, „Phrasendrescherei“, so empfindet das die Dozentin an der Steinbeis-Hochschule und Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Freiburg.
Raffelhüschen ist politische Quereinsteigerin, taktieren und leere Worthülsen liegen ihr nicht. Sie will umsetzen, statt nur darüber zu sprechen. Zur Politik kam sie über die Missstände in der Pflege. Sie unterrichtet Sozialpolitik, „bei mir lernen die Studenten, wie die Kranken- und Pflegeversicherung funktioniert“. Hier sei viel schief gelaufen in den vergangenen Jahrzehnten, vor allem zu Lasten der kommenden Generationen. „Ein Umlagesystem bei schrumpfender Bevölkerung ist sicher nicht der richtige Weg“, glaubt die studierte Ökonomin.
Raffelhüschen will Aufklärungsarbeit leisten, Bildung im Allgemeinen ist eins ihrer Herzensanliegen. Das möchte sie auch mit in den Bundestag nehmen. „Vor allem auch im Bereich der frühkindlichen Bildung, aber auch der Weiterbildung gibt es noch viel zu tun“, unterstreicht sie. Auch das Thema Wohnen brennt der Wahl-Freiburgerin unter den Nägeln: „Wenn der Mietendeckel kommen sollte, wird der Wohnungsbau noch mehr gehemmt. Und auch bezüglich Dietenbach bin ich gespannt, wie sich das Thema Wohnen in Freiburg weiterentwickelt.“
Heute Abend wird sie gemeinsam mit Parteichef Christian Lindner auf der Bühne an der alten Stadthalle stehen. Mit der Arbeit Lindners ist sie zufrieden, immerhin steht die FDP aktuell mit rund 12 Prozent gut da in den Umfragen. Positiv für Raffelhüschen, die sich nun mit dem Listenplatz 15 durchaus Hoffnungen auf einen Sitz im Parlament machen kann. Die FDP habe in Zeiten von Corona für die Freiheitsrechte der Bürger gekämpft, sogar vor dem Bundesverfassungsgericht, das würde nun honoriert. Vor allem bei den Jüngeren habe man inzwischen aufgeholt. „Wir sind zweitstärkste Partei bei der Jugend“, freut sich Raffelhüschen. Die Kombination aus Ökonomie, Ökologie und Sozialem Zukunft zu gestalten würde der FDP durchaus zugetraut.
Geht es um die drei Spitzenkandidaten zeigt sich Raffelhüschen wenig überzeugt. Dennoch: Eine Koalition mit der CDU wäre ihre Wunschkonstellation. Sollte es dafür nicht reichen, solle die SPD noch mit ins Boot. „Aber das sind alles nur Spekulationen“, weiß sie, „am Ende entscheidet der Wähler.“ Und der wählt mit der FDP das „härteste Klimaprogramm“ aller Parteien, unterstreicht Raffelhüschen. Durch die Deckelung der Menge der verfügbaren CO2-Zertifikate wachse der Innovationsdruck auf die Unternehmen, neue Technologien könnten entstehen. Nur teurer machen reiche nicht. Zudem: „Es gibt mehr Lösungen als nur Wind und Photovoltaik“, so die Ökonomin. Dass Klimaschutz und Wirtschaftswachstum sich ausschließen, sieht sie nicht. Im Gegenteil: „Wer innovative Lösungen für die Klimafrage findet, kann Geld verdienen, die Wirtschaft ankurbeln und trotzdem helfen, den Klimawandel zu stoppen.“
Als konkrete Herausforderung für die kommende Legislaturperiode sieht sie den Aufschwung der Wirtschaft nach Corona. „Den Winzern, Handwerkern und den Gastronomen muss einfach geholfen werden“, unterstreicht sie.


Claudia Kleinhans

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