Auf der Suche nach Impfwilligen

Impfen leicht gemacht: So möchte Freiburg weitere Menschen zu einer Coronaimpfung bewegen

Die Impfkampagne ist ins Stocken geraten, auch in Freiburg. Mit Impfangeboten in den Stadtteilen hat daher nun die nächste Phase begonnen. Den Anfang machte Weingarten. Parallel läuft eine neue, mehrsprachige Werbekampagne. Die Botschaft dahinter: So einfach war es noch nie, an eine Impfung zu kommen.Morgens um 9 Uhr warteten die ersten Menschen vor dem Testzentrum der AWO in Weingarten. 128 Menschen ließen sich bei der „Impfaktion für jedermann“ am Samstag impfen. Für Daniel Strowitzki, Freiburgs Messechef und Leiter des Zentralen Impfzentrums, das den Termin organisiert hatte, ein Erfolg. „Es wurde super angenommen“, sagt er. Gemeinsam mit der AWO war die Aktion beworben worden, um möglichst viele zu erreichen. Wer Personalausweis und Impfpass mitbrachte und über 18 Jahre alt ist, wurde spontan geimpft.
So wie es zurzeit auch im Zentralen Impfzentrum in den Freiburger Messehallen möglich ist. Eine vorherige Terminvereinbarung ist dort nicht mehr nötig. „Das ist die einfachste Art sich impfen zu lassen“, sagt Strowitzki. Nur über die Öffnungszeiten sollte man sich im Vorfeld informieren (auf corona-impfzentrum-freiburg.de).
Dass die Stadt alle Register ziehen muss, um Unentschlossene zu einer Impfung zu bewegen, ist mit der Furcht vor einer vierten Welle begründet. Zwar ist die Impfbereitschaft der Freiburger im Landesvergleich hoch – die Stadt liege unter den Top-3-Städten bei Erst- und Zweitimpfungen: „Doch es wäre vermessen, sich darauf auszuruhen“, sagt Strowitzki. Die Stadt plant daher weitere Impfaktionen, als nächstes in Landwasser. Ein Termin steht noch nicht fest. Schon jetzt steigt die Sieben-Tage-Inzidenz im Stadtgebiet leicht an (siehe Seite 2). Auch in Arztpraxen sind die Impfungen zurückgegangen. Einige Praxen haben sich sogar „aus dem Impfgeschehen zurückgezogen“, erklärt Kai Sonntag, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. Der hohe Aufwand lohnt sich für so manche Praxis nicht mehr. „Wir können aber nicht beobachten, dass es eine ’breite Front’ an Arztpraxen gibt, die keine Impfungen mehr anbieten“, sagt Sonntag.
Marcus Panning, Oberarzt am Institut für Virologie am Freiburger Uniklinikum, kann daher keine Entwarnung geben. „Das Infektionsgeschehen findet gegenwärtig überwiegend in den jüngeren Altersgruppen (15 – 30-Jährige) statt“, sagt er. Zwar habe sich die Zahl der Krankenhaus-Patienten und die Zahl an Covid-19-Toten „in der letzten Zeit nicht deutlich verändert“, sagte er. Eine Prognose für den Herbst zu treffen, sei aber schwierig. Eine Zunahme des Infektionsgeschehens „sei bei weiteren Lockerungen auch vor dem Hintergrund der deutlich ansteckenderen und inzwischen dominierenden Delta-Variante zu befürchten“, sagt der Virologe. Nicht zuletzt wegen der Reiseaktivität in den Sommermonaten.
Das Impfzentrum will indes weitere Menschen mit einer neuen Werbekampagne erreichen. Vor allem solche mit Migrationshintergrund, die sich aufgrund einer Sprachbarriere bisher nicht angesprochen gefühlt haben. In fünf Sprachen werden die Anzeigen veröffentlicht. Aber auch andernorts lässt das Interesse nach: 3.500 Impfdosen, die die Universität Freiburg an drei Tagen Anfang Juli für ihre Mitglieder organisiert hatte, sind von einer Gruppe wenig genutzt worden: den Studenten. „Studierende haben leider nur bedingt Gebrauch von diesem Angebot gemacht“, sagt Annette Kollefrath-Persch von der Uni-Pressestelle. Mit Blick auf den geplanten Präsenzunterricht im Wintersemester bittet die Uni daher „alle Studierenden, sich impfen zu lassen“, so Kollefrath-Persch. Auch „im Sinne einer Eindämmung der Pandemie“.

Matthias Joers

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