„Große Herausforderung“

Spannende Projekte: Neue Münsterbaumeisterin Anne-Christine Brehm im Interview

Am vergangenen Donnerstag hat die neue Münsterbaumeisterin Anne-Christine Brehm ihr neues Amt angetreten. Welche Aufgaben die Architektur- und Bauhistorikerin hier erwarten und was sie am Freiburger Münster erforschen will, erklärt sie im Interview mit dem Wochenbericht.

Frau Brehm, wie waren die ersten Tage als Münsterbaumeisterin für Sie?

Anne-Christine Brehm: Die ersten Tage waren wirklich sehr schön, ich habe mich sehr willkommen gefühlt. Ich hatte bereits viele interessante Gespräche und Begegnungen. Es ist natürlich eine große Ehre, Münsterbaumeisterin zu sein, das Amt ist eine große Herausforderung, auf die ich mich aber sehr freue.

Welches Projekt nehmen Sie als erstes in Angriff?

Brehm: Ich habe vor einigen Jahren am Freiburger Münster geforscht und mich besonders mit einem Baumeister, Hans Niesenberger von Graz befasst. Niesenberger war im 15. Jahrhundert 20 Jahre am Hochchor tätig. Daher ist es ganz besonders schön, dass ich als erstes die Chorbaustelle betreuen darf. Das ist natürlich toll, dass das zusammen kommt und ich in diese großen Fußstapfen treten darf und an dem Bauteil, mit dem ich mich intensiv befasst habe, arbeiten kann. Natürlich ist das Chor-Projekt nicht neu und von meiner Vorgängerin Yvonne Faller und den Mitarbeitenden der Münsterbauhütte gut vorbereitet worden. Dieses Projekt ist für mich auch deshalb besonders spannend, weil ich bereits 2015 bei der großen Diskussion um die Umsetzung des Projektes der Strebepfeileraufsätze einen Vortrag zur Baugeschichte des Chores halten durfte und die angeregten Diskussionen mitverfolgen konnte.

Welche Aufgaben stehen außerdem noch an?

Brehm: Bei so einem großen Gebäude wie dem Münster gibt es natürlich noch weitere Baustellen. Beispielsweise müssen am Turm, unterhalb des Turmhelms kleinere Sachen gemacht werden, auch mit der Renaissance-Vorhalle werde ich mich beschäftigen. Ich freue mich sehr auf die Aufgaben und bin auch gespannt, was noch dazu kommt. Bei so einem großen Gebäude wie dem Münster entdeckt man immer wieder etwas Neues. Am Montag hat der zweite Teil der jährliche Hubsteigerfahrt begonnen, bei der nach beschädigten Bauteilen geschaut wird. Beim letzten Mal wurde festgestellt, dass sich bei einem Wasserspeier ein Stein ablöst, der aus Sicherheitsgründen jetzt heruntergenommen wird.

Und im Bereich der Forschung?

Brehm: Unheimlich faszinierend finde ich die Frage, inwieweit wir vom historischen Bauwissen heute noch profitieren können. Wir stellen bei Gebäuden fest, dass viele Bauschäden an Teilen auftreten, die im 20. Jahrhundert ausgetauscht wurden. Da ist die Frage, woran das liegt. Teilweise vielleicht an dem Steinmaterial oder an der exponierten Stelle. Oder sorgt eventuell die Kombination verschiedener Materialien für Schäden? Es ist sehr spannend, sich damit auseinanderzusetzen, warum manche Bauteile seit dem 13. Jahrhundert perfekt erhalten sind und andere nach 50 Jahren wieder ausgetauscht werden müssen. Wie sie es genau im Mittelalter gemacht haben und warum traditionelles Handwerk manchmal modernster Technik überlegen ist, das interessiert mich sehr. Das Interview führte Saskia Schuh

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