Gemeinsam gegen die Flut

Auch Freiburger Einsatzkräfte waren in der vergangenen Woche in den überfluteten Regionen gefordert

Es sind apokalyptische Bilder, die uns aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz erreichen: Zerstörte Häuser und Brücken, überflutete Straßen, verzweifelte Anwohner. Die Flutkatastrophe hat deutschlandweit für Entsetzen gesorgt – und für große Solidarität. Aus allen Ecken des Landes kam Hilfe in die vom Hochwasser betroffenen Gebiete, auch aus Freiburg.Martin Roesen von den Maltesern schildert den Aufbruch der Freiburger Retter am Donnerstag: „Wir wurden alarmiert und bereits nach zehn Minuten standen die Fahrzeugbesatzungen fest“, so Roesen. 25 Fahrzeuge sollte das Regierungspräsidium Freiburg stellen, zwei kamen direkt aus dem Freiburger Stadtgebiet. „Unsere Leute arbeiten alle rein ehrenamtlich“, unterstreicht Roesen. Dennoch war die Rückmeldung der potentiellen Helfer so hoch, dass man auch mehr Wagen hätte schicken können.
Die Anforderung nach Unterstützung ging an alle Hilfsorganisationen die im Katastrophenschutz tätig sind, also an die Malteser, das Deutsche Rote Kreuz und die Johanniter-Unfall-Hilfe. Bereits eine Stunde nach Anfrage waren die Fahrzeuge entsprechend vorbereitet und klar für den Einsatz, um sich mit weiteren Kollegen in Lahr zu treffen. Gemeinsam ging es dann nach Bruchsal und von dort aus im Konvoi von 100 Fahrzeugen aus Baden-Württemberg in die Einsatzgebiete nach Rheinland-Pfalz. Mit dabei: Verpflegung, Schlafsäcke, Kleidung und Schutzausrüstung für die kommenden mindestens fünf Tage. Hauptaufgabe war es, komplett abgeschnittene Krankenhäuser oder Pflegeheime zu evakuieren oder solche, bei denen die Infrastruktur zusammengebrochen war. Also kein Strom, kein Wasser, kein Abwasser. Das Team war direkt nach der Ankunft den ganzen Tag im Einsatz, um Patienten zu verlegen. Am Sonntag kehrten alle erschöpft zurück – und waren am Montag bereits wieder bei ihren regulären Arbeitsplätzen.


Retter aus der Luft
Ein Rettungshubschrauber mit einem Mitglied der hiesigen Bergwacht war am Donnerstag ebenfalls unterwegs, gemeinsam mit zwei weiteren Helikoptern aus Dortmund und Aachen. Der Retter heißt Mirko Friedrich und ist verschiedenste Einsätze gewohnt: Regelmäßig ist er im Hubschrauber unterwegs, rettet Menschen per Seilwinde, wenn normale Hilfe nicht mehr möglich ist. Der Auftrag diesmal: Die Evakuierung eines Krankenhauses mit rund 400 Betten, beinahe voll belegt. „Der Strom war ausgefallen und die Intensivpatienten mussten so schnell wie möglich weggebracht werden“, schildert Friedrich die Situation. Feuerwehrleute trugen die Betroffenen mehrere Stockwerke bis aufs Dach, so dass der Abtransport möglich war – die Aufzüge waren alle ausgefallen. Doch schon nach zwölf Rettungsflügen müssen die Hubschraubercrew und der Retter den Einsatz abbrechen: „Die Wetterverhältnisse haben den Weiterflug aber leider unmöglich gemacht“, so Friedrich. Seinen Auftrag konnte er so nicht ganz erfüllen, schwierig für jemanden, der gekommen war, um zu helfen. Einsätze mit Toten und Verletzten können den Helfern dabei auch sehr stark an die Psyche gehen. Deshalb wird versucht, die Einsatzkräfte auch regelmäßig auszutauschen – und im schlimmsten Fall steht psychologische Hilfe zur Verfügung.
Bei all der Zerstörung gibt es für die Helfer auch schöne Momente: Zum Beispiel der Geist der Solidarität, den man bei solchen Einsätzen spürt. Nicht nur mit den Betroffenen, auch unter den Helfern gegenseitig. „Wir packen alle mit an“, so Roesen, „und arbeiten Hand in Hand, egal welches Abzeichen man auf dem Oberteil trägt.“
Deshalb ist auch der Bau eines Rettungszentrums auf dem Gelände der Hauptfeuerwache ein Herzensanliegen für den ehrenamtlichen Malteser: „Wer gemeinsam arbeitet und übt, kann im Notfall noch besser zusammenarbeiten.“


Claudia Kleinhans

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