„Der Verein ist sehr krisenfest“

Großsportverein im Umbruch: Wie die Pandemie sich auf die geplanten Bauvorhaben der FT ausgewirkt hat

Peter Gerspach ist noch keine vier Jahre Chef der Freiburger Turnerschaft (FT). In dieser kurzen Zeit gab es in dem Großsportverein mit einem Hallenneubau, dem 175-jährigen Jubiläum und der Coronakrise mehr als genug zu tun. Im Interview berichtet der 32-Jährige, wie die Pandemie den 6.000 Mitglieder starken Verein geprägt hat.

Wie steht der Verein nach eineinhalb Jahren Coronakrise da?

Peter Gerspach: Der Verein stand vor der Krise gut da und er steht auch jetzt sehr gut da. Aber es ist eine Frage des Blickwinkels. Aus Sicht der Mitglieder waren die Folgen der Krise nicht gut, weil sie fast über ein Jahr ihren Sport nicht ausüben konnten. Genauso für die Ehrenamtlichen und Mitarbeiter*innen, die sich permanent neu organisieren mussten. Die Situation für Kindergarten- und Schulkinder ist uns allen bekannt. Insofern waren es keine guten eineinhalb Jahre.

Wie sind die Mitgliederzahlen?

Gerspach: Die sind immer noch gut. Natürlich haben wir letztes Jahr Mitglieder verloren. Aber wir haben auch Neue hinzugewonnen, ganz signifikant zum Beispiel im Herbst als die Öffnungen nach dem ersten Lockdown kamen. Oder jetzt im Juli: Da hatten wir schon nach acht Tagen so viele Neueintritte wie im gesamten Juli 2019. Wir spüren bei den Mitgliedern das große Bedürfnis, Sport mit anderen Menschen zu treiben, vor allem bei Familien mit Kindern.

Corona hat die FT in einer Umbruchphase getroffen. Geplant ist eine Sanierung und Neustruktierung des Areals. Wie geht es da weiter?

Gerspach: Aus Sicht der Vereinsentwicklung ist das sicher das Eklatanteste. Unsere neue Multifunktionshalle hatten wir ein knappes halbes Jahr offen, da mussten wir sie wegen Corona schon wieder schließen. Der Schub, den wir uns durch den Hallenkomplex erhofft haben, war damit verpufft. Parallel haben wir den Sportpark, der aus vielen Gebäuden der 60er- und 70er-Jahre und teilweise temporären Modulen besteht, neu geplant. Die städtischen Zuschüsse dafür wurden jedoch im aktuellen Doppelhaushalt aufgrund der Sparzwänge durch Corona nicht berücksichtigt. Wir hoffen nun, dass sich das maximal um ein Jahr verschiebt.

Weiterhin ungeklärt ist die Nachnutzung des Dreisamstadions. Der SC Freiburg möchte das Areal für seine Zweite Männer-Mannschaft, den Frauen- und Mädchen-Fußball sowie seine Abteilung für soziales Engagement nutzen. Aber auch die FT und der PTSV Jahn Freiburg haben dort Bedarf angemeldet. Wie ist der aktuelle Stand?

Gerspach: Wir benötigen zwingend Außenflächen für unsere Outdoor-Sportarten, vor allem für den Jugendfußball und den American Football. Beides Abteilungen mit großem Zuwachs. Unser Rasenplatz wird bereits jetzt von 700 Sportler*innen wöchentlich genutzt. Außerdem benötigen wir dringend einen geeigneten Standort für ein festes Kindergartengebäude, um hier die Planungen vorantreiben zu können. Die Betriebserlaubnis unserer Modulbauten wird auslaufen. Für all diese Bedarfe nehmen wir die gesamte Sportachse Ost in den Blick. Nicht nur das Areal des SC. Wir hoffen auf die Stadt Freiburg, die den Planungsprozess leitet. Wir befinden uns aber auch in konstruktiven Gesprächen mit dem PTSV Jahn und dem SC. Spätestens bis April 2022 soll wohl eine Entscheidung fallen.

Welche Lehren ziehen Sie bislang aus der Pandemie?

Gerspach: Positiv ist, dass unser komplettes Team sich in dieser Zeit als sehr anpassungsfähig erwiesen hat. Und: Der Verein ist sehr krisenfest. Der überwiegende Teil der Mitglieder bleibt dem Verein treu. Für die Zukunft ist aber klar, dass die Qualität der Infrastruktur und des Außenareals immer wichtiger werden wird, um flexiblen und sicheren Sport anbieten zu können. Deshalb ist es so wichtig, dass wir unsere Gebäude sanieren können. Das hat die Pandemie deutlich gezeigt. Das Interview führte Matthias Joers

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