Tempo 30 rund um die Uhr

Schon bald gilt auf B3 die begrenzte Geschwindigkeit – Scharfe Kritik vom ADAC

Was früher undenkbar war, wird heute überraschend schnell beschlossen: Wie vergangene Woche bekannt wurde, gilt in Freiburg ab Ende der Sommerferien auf der B3, einer der wichtigsten Verkehrsachsen im Stadtgebiet, Tempo 30 – und das ganztägig. Die vierspurige Straße, die als Zähringer Straße durch den gleichnamigen Stadtteil verläuft, war bislang nur nachts Tempo-30-Zone. Bis zum Ende der Sommerferien soll sich dies ändern. Die Ausfallstraße nach Norden ist nach der B31 die zweite Hauptverkehrsachse und Bundesstraße auf Stadtgebiet, deren Tempovorgabe auf 30 gedrosselt wird. In diesem Zuge soll auch die Ampelschaltung auf der B3 umgestellt werden.
Begründet wird die Maßnahme mit dem Lärmschutz. Bislang liegt die Lärm-Emission über den Grenzwerten: „Die Lärmgrenzwerte werden an fast allen straßenseitigen Fassaden der dortigen Gebäude auch tagsüber überschritten“, sagt Rathaus-Sprecher Toni Klein. Durch Tempo 30 sollen diese Werte im Durchschnitt um 2,5 Dezibel gesenkt werden. Die sehr rasche Umsetzung hatte in der Öffentlichkeit für Überraschung gesorgt. Die Stadtverwaltung erklärte dazu, dass das Prozedere inzwischen reibungsloser ablaufe, da es mit der B31 bereits einen Präzedenzfall gebe.
Kritik gibt es unter anderem vom ADAC Südbaden, der die Pläne des Rathauses als einen Vorwand zur Verdrängung der Autos aus der Stadt interpretiert. Der Tempo-30-Abschnitt auf der B31 zwischen Kronenbrücke und Stadttunnel wirke sich schon heute nachteilig aus. „Lange Rückstaus sind tagtäglich zu beobachten, der Verkehrsfluss wird erheblich behindert“, erläutert der ADAC-Vorsitzende Clemens Bieniger. Viele Autofahrer würden daher auf die angrenzenden Wohngebiete ausweichen. Die Folge seien Lärm- und Schadstoffbelastung, zudem steige das Unfallrisiko vor Ort, da diese Flächen unübersichtlicher als die Hauptverkehrsstraßen sind.
„Ein generelles Tempo 30 in der Stadt würde die Situation weiter verschlimmern und bei Autofahrern wenig Akzeptanz finden“, erläutert der Vorsitzende des ADAC Südbaden im Hinblick auf die Bestrebungen der Stadt, die in einem Modellprojekt ein noch großflächigeres Tempo 30 abstrebt. „Die Stadt scheint darauf hinzuarbeiten, das Auto nach und nach aus Freiburg zu verdrängen. So kann Mobilität für alle keinesfalls gewährleistet werden, insbesondere nicht für diejenigen, die auf die Nutzung ihres Fahrzeugs angewiesen sind“, so Bieniger.

Sven Meyer

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