Kollege auf vier Pfoten

Hunde im Staatsdienst bei der Polizei: So arbeitet und trainiert die Polizeihundestaffel in Umkirch

Zugegeben, wie ein Schoßhündchen wirkt Garvin nicht gerade, als Polizeihauptkommissar Benjamin Götz von der Hundestaffel Freiburg mir seinen treuen Begleiter auf vier Pfoten vorstellt. Knurrend und bellend macht er mir klar, dass ich auf seiner Hundewiese nichts zu suchen habe: „Mein Bereich!“, scheint er zu sagen. Doch das ist schließlich auch der Job des vier Jahre jungen Schäferhundrüden als Polizeihund. „Er ist aber ein ganz Lieber“, versichert mir Götz lachend.
Gekauft werden Hunde wie Garvin für den Polizeidienst meist in einem Alter zwischen 8 und 18 Monaten. Warum keine Welpen? „Der Hund muss geprüft werden, ob er zum Dienst geeignet ist“, erklärt Götz, „das ist bei einem ganz jungen Hund in diesem Maße noch nicht möglich.“
Bei der Prüfung wird festgestellt, ob der Hund absolut „umweltsicher“ ist – unkontrollierbare Beißer sind genauso wenig geeignet wie überentspannte Trantüten. „Das kann unser Ausbildungsleiter meist schnell einschätzen. Wie nimmt der Hund Kontakt auf, wie verhält er sich? Darauf basiert dann letztlich die Entscheidung“, erläutert Götz die Vorgehensweise. Geprüft werden die Hunde an ungewohnten Orten in einer für sie nicht alltäglichen Umgebung, „dann kann man sehen, wie sich der Hund in solch besonderen Situationen verhält.“
Die Vierbeiner kommen über Kontakte zu Hundestaffeln und Hundesportvereinen in der Region und darüber hinaus – oder aus dem Tierheim. „Oft sind auch Hunde dabei, mit denen die Familien beispielsweise wegen des Temperaments nicht zurecht kommen“, so Götz, „für uns kann solch ein Wesenszug aber von Vorteil sein.“
Auch wenn die Herkunft der Hunde eigentlich kaum eine Rolle spielt, die Rasse tut es: „Wir führen die klassischen Gebrauchshunderassen, also den deutschen und den belgischen Schäferhund, hier speziell der Malinois, sowie den holländischen Schäferhund. Auch Riesenschnauzer gibt es hier in Baden-Württemberg“, so Götz. Bei der Hundestaffel Freiburg sind aber nur die ersten drei zu finden.
Der Schäferhund sei einfach ein guter Allrounder, leicht auszubilden, habe einen robusten Körperbau und Sportlichkeit, eine passende Größe und sei mit einem gutem Spürsinn ausgestattet. Rund ein halbes Jahr dauert die Ausbildung zum Schutzhund – sie beinhaltet Fährtensuche, Gehorsam und das Schützen und Verbellen – danach sind Spezialisierungen, beispielsweise zum Auffinden von Leichen, Personen, Brandmitteln oder Rauschgift üblich. Sogar Banknoten können die Hunde erschnuppern.
Den Abschluss für die Grundausbildung zum Schutzhund bildet ein elfwöchiges Training in Göppingen, zentral für das ganze Bundesland. Trainiert wird mit Belohnungen, Futter und Spielzeug werden eingesetzt, um dem Hund sein Handwerkszeug beizubringen, das ist Götz wichtig: „Mit Druck oder Gewalt arbeiten wir nicht.“
Natürlich gehört auch das Beißen auf Kommando zum Training dazu, vor allem aber das wieder Loslassen ist wichtig: „Den Hund wollen wir nur in Notsituationen einsetzen und dann müssen wir uns vollkommen auf ihn verlassen können. Beispielsweise wird ein Einbrecher gestellt und verbellt. Erst, wenn er dann trotzdem die Flucht ergreift, würde der Hund auf Kommando zubeißen“, erklärt Götz. Meist reiche es aber, einfach nur mit dem Hund präsent zu sein. „Ein drohendes, bellendes Tier sorgt häufig für genug Abschreckung“, so der Hundeführer. „Beißen ist wirklich nur das allerletzte Mittel.“
„Garvin ist auf Brandmittel spezialisiert“, erzählt Götz. Es ist sein inzwischen zweiter Hund in seiner Laufbahn bei der Hundestaffel, mehr als zehn Jahre ist er jetzt dabei. Spezielle Vorkenntnisse hatte er keine, als er sich für die Bewerbung entschied: „Das ist bei uns auch nicht notwendig.“ Garvin ist immer dabei, sei es bei der Arbeit oder zu Hause. Regelmäßig muss trainiert und aufgefrischt werden. Einmal im Jahr wird zudem der Gesamtzustand des Hundes und seine Diensttauglichkeit überprüft. Und wenn Garvin mal zu alt für seinen Job ist, dann wird er seinen Ruhestand trotzdem bei Götz verbringen dürfen, so wie auch sein Vorgänger.


Claudia Kleinhans





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