Problemzone Stadtwald

Nagelbretter auf Radwegen, wildes Zelten und illegale Feiern – wie die Stadt mit Konflikten im Wald umgeht

In der Corona-Pandemie haben die Menschen den Wald neu für sich entdeckt. Vor einem Jahr warnten die städtischen Förster daher, die Stimmung im Wald drohe zu kippen, weil immer mehr Menschen dort Erholung suchen. Zeit für eine Zwischenbilanz.Querliegende Äste und Baumkronen auf Radwegen, in einem Fall sogar ein Nagelbrett am Hirzberg: Mutwillig aufgestellte Barrieren auf für Fahrradfahrer frei gegebenen Wegen haben Mitte Mai einmal mehr gezeigt, wie konfliktbeladen manche Begegnung im Freiburger Stadtwald ausgetragen wird. In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten das Forstamt, der Schwarzwaldverein und der Mountainbikeverein Freiburg die Vorfälle.
Bereits vor einem Jahr hatte die drei Akteure wegen ähnlicher Vorfälle die Waldnutzer zu mehr gegenseitigem Respekt aufgerufen. Spricht man mit Andreas Schäfer vom Forstamt Freiburg über die Lage im Stadtwald, lenkt er aber den Fokus schnell weg vom klassischen Wanderer-Mountainbiker-Konflikt. Laut Schäfer sei er nur einer von vielen Konflikten, die der Nutzungsdruck auf die Wälder hervorruft. „Wir versuchen in Freiburg für alle Gruppen da zu sein. Ein gutes Miteinander bei der Freizeitnutzung im Wald wird nur funktionieren, wenn die verschiedenen Nutzergruppen miteinander klar kommen“, sagt er.
Ein Phänomen sind zum Beispiel feiernde Schülergruppen, die in der Corona-Pandemie auf der Suche nach Freiräumen vermehrt Aussichtsplattformen, Grillplätze oder Spielplätze in Beschlag nehmen. „Das ist irgendwo nachvollziehbar, führt aber zu Konflikten mit anderen Erholungsuchenden, wenn diese die Plätze am nächsten Morgen vermüllt vorfinden“, so Schäfer. Auch ganz neue Arten der Waldnutzung machen dem Forstamt zu schaffen. Schäfer berichtet von einer sogenannten Highline, bei denen Unbekannte ein 300 Meter langes Balancierseil über ein Tal gespannt hatten.
Das Forstamt sieht sich in einer Vermittlerrolle. „Wir erkennen an, dass es viele Interessen gibt und finden es grundsätzlich positiv, wenn viele Menschen draußen unterwegs sind. Wir sind nicht grundsätzlich pro Wanderer, pro Nordic Walker oder pro Mountainbiker “, so Schäfer. Bei Konflikten versuche die Behörde statt dessen zu vermitteln und Lösungsansätze zu finden. Aktuell arbeitet das Forstamt zum Beispiel daran, mit einem eigenen Angebot dem Trend zum wilden Zelten der Natur entgegen zu wirken.
Schäfers Fazit fällt unter dem Strich sogar erstaunlich positiv aus. „Obwohl so viel mehr Menschen im Wald unterwegs sind, sind die Konflikte nicht im selben Maße gestiegen.“ Eskaliert sei die Situation trotz aller Befürchtungen nicht. Dass das weiterhin so bleibt, liegt in der Hand jedes einzelnen Waldbesuchers.

Matthias Joers

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