Die Grenzen des Handelns

CO2-Bilanz: Stadt kann Klimaneutralität bis 2050 aus eigener Kraft kaum erreichen

Die neueste Klimabilanz der Stadt Freiburg bestätigt, was die letzte Erhebung vor zwei Jahren andeutete: Freiburg hinkt trotz großer Anstrengungen seinen Klimazielen hinterher. Das Ziel einer Klimaneutralität bis 2050 wackelt gehörig. Einen dämpfenden Effekt dürfte die Corona-Krise haben.„Die Zeit läuft uns davon. Die nächsten zehn Jahre sind entscheidend, wenn wir die Kippunkte noch erreichen wollen“, sagte Freiburgs neue Umweltbürgermeisterin Christine Buchheit bei der Vorstellung der neuen Klimabilanz der Stadt Freiburg. Die Zahlen, die das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) für Freiburg vorlegte, haben zweijährigen „Verzug“ – damit sind die durch die Corona-Krise erwarteten deutlichen CO2-Einsparungen noch nicht darin berücksichtigt.


Sorgenkind ist der Verkehr
Aber der Trend, den die nun vorliegenden Werte für 2017 und 2018 abbilden, ist eindeutig: Seit der Erhebung 1992 ist der CO2-Ausstoß pro Kopf in Freiburg im Vergleich um 37 Prozent gesunken. Das entspricht einem durchschnittlichen Rückgang der CO2-Emissionen von jährlich 1,4 Prozent seit 1992. Für das Erreichen der Klimaneutralität bräuchte es jedoch eine sechsmal so hohe Reduktionsrate von circa acht Prozent. Mit Blick auf die Corona-Krise prognostiziert Hans Hertle vom IFEU-Institut: „Wegen Corona wird die Bilanz wohl weiter stark runter gehen. Das muss Anlass sein, die gesamte Wirtschaft auf Energieeffizienz zu trimmen.“
Aus eigener Kraft aber wird es Freiburg nicht schaffen, seine Klimaziele zu erreichen, so die Stadtspitze. Daran ändert auch der jahrzehntelange Schwerpunkt der Stadt auf Erneuerbare Energien, nachhaltige Wärmeversorgung, Förderung klimafreundlicher Gebäude oder der Ausbau der C02-freien Mobilität nichts. Baubürgermeister Martin Haag: „Unser größtes Sorgenkind ist die Mobilität. Da haben wir unsere Hausaufgaben nicht gemacht. Das ist das große Thema der Klimaschutzpolitik für die nächsten Jahre.“ Seit 1992 ist der Pro-Kopf-CO2-Ausstoß für Verkehr nur um 13,5 Prozent gesunken. Haag und Buchheit drängen daher auf andere Politikvorgaben von Land, Bund und EU.
Ein neues Strategiepapier der Stadt zeigt, wo die Kommunen noch Handlung-Spielräume haben – etwa beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehr, gemeinsam mit dem Umland. Aber all das wird die Freiburger Geld kosten, rechnet Hans Hertle vor: „Pro Einwohner sollte man 1.450 Euro auf die hohe Kante legen, damit es die nachfolgenden Generationen nicht tun müssen“, sagt er.

Matthias Joers

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