Impfkampagne kommt in Schwung

Die hiesigen Hausärzte kommen effizient mit dem Impfen voran und fordern die Aufhebung der Impf-Reihenfolge

Nach dem Stotterstart nimmt die deutsche Impfkampagne langsam Fahrt auf. Seit Ostern impfen endlich auch die Hausärzte in Freiburg und seinem Umland gegen Corona. Wie gut funktioniert das? Der Wochenbericht hat nachgefragt. Die Organisation in den Arztpraxen läuft – auch dank akribischer Vorplanung – bislang reibungslos und die Patienten reagieren mit großer Dankbarkeit auf das Impfangebot. „Das Impfen selbst ist für uns kein Problem. Das ist Praxisalltag, herausfordernder ist die damit verbundene Bürokratie, aber auch das läuft inzwischen flüssig“, erklärt Rainer Hagemann, der Vorsitzende der Kreisärzteschaft Freiburg.
„Wir haben versucht, die Zeit, die unsere Impf-Patienten in der Praxis verbringen, zu minimieren, indem wir den Leuten empfehlen, die Aufklärung vorher durchzulesen, auszudrucken und möglichst unterschrieben mitzubringen. Dadurch schaffen wir es, in der Stunde zirka 30 Leute zu impfen“, erklärt der Allgemeinmediziner Thomas Brauchle. In seiner Praxis am Mühlbach in Umkirch arbeiten vier Ärzte. Einen Tag pro Woche hat sich das Ärzte-Quartett ausschließlich fürs Impfen freigeräumt. Pro Woche werden bisher rund 170 Dosen geliefert. „Es könnte noch etwas mehr sein, aber mit dieser Größenordnung kann man schon gut arbeiten“, so Brauchle.
„In Anbetracht des Tempos, in dem wir aufgrund der Pandemie impfen müssten, ist die Impfstoffversorgung nie ausreichend. Auf der anderen Seite muss man sehen, was eine Praxis realistisch bewältigen kann. Für unsere Praxis kann ich sagen, eine sehr viel größere Menge könnten wir gar nicht verimpfen – es gibt ja auch noch andere Patienten, um die wir uns kümmern müssen“, erklärt der Freiburger Kreisärzteschaft-Vorstand Rainer Hagemann.
Bislang wurde die Praxis am Mühlbach ausschließlich mit Biontech/Pfizer versorgt. Vergangene Woche wurde erstmals auch AstraZeneca geliefert. Größere Probleme habe es noch nicht gegeben. Bei einigen Patienten reagiert das Immunsystem mit Kopf- und Gliederschmerzen, bisweilen auch mit leichtem Fieber. „Aber insgesamt werden die Impfstoffe sehr gut vertragen“, versichert Brauchle. Bei dem Impfstoff AstraZeneca geben es nur bei wenigen Patienten Vorbehalte.
Erfreulicherweise, so Rainer Hagemann von der Kreisärzteschaft, sei inzwischen die Priorisierungsgruppe 1, also die Über-80-Jährigen und Menschen mit schweren Vorerkrankungen, praktisch vollständig geeimpft. Je stärker die Impfungen nun fortschreiten, desto mehr entfalle die Notwendigkeit, die Priorisierungsliste streng abzuarbeiten, erklärt Hagemann.


Von allen Seiten losimpfen
Auf dem Impfgipfel am Montag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Ende der Impfpriorisierung bis spätestens Juni angekündigt. Allgemeinmediziner Thomas Brauchle plädiert in Anbetracht der Tatsache, dass die Pflegeheime durchgeimpft sind, ebenfalls für einen rascheren Paradigmenwechsel: „Die aktuelle Pandemielage zeigt, dass die Ansteckungen diffus in der Bevölkerung stattfinden. Ich wäre daher dafür, sofort von allen Seiten loszuimpfen und die Priorisierung jetzt schon aufzuheben.“
Damit würde man sich auch des damit verbundenen „ungeheuerlichen Bürokratiewahns“ entledigen. Priorisieren und Hinterhertelefonieren ist für die Praxen ein Riesenaufwand. Teilweise müssen Ärzte und ihre Mitarbeiter deswegen stundenlang am Telefon verbringen. Wertvolle Zeit, die effizienter genutzt werden könnte!


Termine bleiben unbesetzt
Noch schneller als bisher geht es derweil schon jetzt beim Zentralen Impfzentrum Freiburg (ZIZ) zu: Die Öffnungszeiten wurden seit diesem Montag bis 21.30 Uhr verlängert. Somit können fortan 3.000 Menschen pro Tag immunisiert werden. Durch das parallele Impfen der Hausärzte ergibt sich jedoch neuerdings ein Problem: Täglich bleiben bis zu 150 Termine ungenutzt. Daniel Strowitzki, der Leiter des Impfzentrums vermutet, dass viele fernbleiben, weil sie zwischenzeitlich einen Termin beim Hausarzt bekommen haben. Er appelliert dringend, die vereinbarten Termine beim ZIZ rechtzeitig abzusagen (Telefon: 116117), da diese Termine sonst anderen Menschen vorenthalten blieben.

Sven Meyer



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