Medien: Wichtig ist die Balance

Medien spielen im Corona-Alltag von Kindern aktuell eine große Rolle – darum sind Regeln wichtiger denn je

Es wird gezockt, gechattet und YouTube geschaut – bei vielen Kindern und Jugendlichen hat der Medienkonsum während der Pandemie deutlich zugenommen. Was das für Familien heißt und ob Eltern sich nun Sorgen machen müssen, erklärt Carmen Kunz vom Jugendhilfswerk Freiburg. Carmen Kunz, beim Jugendhilfswerk Freiburg zuständig für den Fachbereich Medienpädagogik, kann den Anstieg nur bestätigen: „Die Rückmeldungen von Eltern in diese Richtung haben während Corona deutlich zugenommen. Das erlebe ich bei meinen Online-Elternseminaren und auch bei der Erziehungsberatung, die bei uns im Haus angesiedelt ist. Der Medienkonsum hat sich verdoppelt, teilweise verdreifacht, das zeigen auch verschiedene Studien.“
So wie beispielsweise die Sonderbefragung „JIMplus Corona“ zum Medienumgang von Schülern während der ersten Phase der Schulschließungen. Sie ergab, dass die Mediennutzung im Alltag der Zwölf- bis19-Jährigen gestiegen ist. Die Jugendlichen verbrachten nach eigenen Angaben mehr Zeit als vorher mit YouTube-Videos (82 %), Musikhören (78 %), Streaming-Diensten (71 %) und Fernsehen (54 %).
Ein Grund Alarm zu schlagen? Nicht unbedingt, findet die Expertin: „Natürlich nutzen viele Kinder und Jugendliche ihre Bildschirmzeit zum Spielen oder für die Sozialen Medien, aber aktuell spielt eigentlich die Kommunikation mit Freunden die Hauptrolle.“ Oftmals würde das von Elternseite gar nicht so wahrgenommen. Hier wünscht sich die Expertin mehr Verständnis für die Realität der Kinder und Jugendlichen: Schließlich bleibe ihnen in Zeiten von Corona ja kaum eine andere Möglichkeit, um Kontakt zu halten. Dennoch: „Regeln zum Medienkonsum sind wichtig, auch schon im Kleinkindalter“, so Kunz. Wer erst im Teenageralter reglementiert werde, akzeptiere das nur schwer.
Welche Regeln das allerdings seien, müssten die Eltern individuell festlegen. Starre Vorgaben will die Medienexpertin nicht machen: „Das muss jede Familie für sich entscheiden und ist auch abhängig vom Charakter des Kindes.“ Wichtig sei vor allem die Balance. „Wenn es noch viel weiteren Input in Form von Bewegung und Abwechslung gibt, dann hat mäßiger Medienkonsum keine negativen Auswirkungen“, weiß Kunz.
Klare Vereinbarungen stärken auf jeden Fall die Eltern-Kind-Beziehung und das gegenseitige Vertrauen: Um Streit oder Diskussionen über die Smartphone-, Computer-, Fernseh- oder Internetnutzung in Familien zu vermeiden, können gemeinsam festgelegte Regeln helfen. In Ergänzung dazu können Mediengutscheine ausgegeben werden. Sie sind eine gute Möglichkeit, um besonders für jüngere Kinder ihre Medienzeit zu veranschaulichen. (fwb)

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