Persönlich und berührend

Die Freiburgerin Vera Käflein erkrankt an Krebs – und hat über ihren Kampf gegen die Krankheit ein Buch geschrieben

Gerade einmal 27 Jahre alt ist Vera Käflein, als die schreckliche Diagnose ihr Leben für immer verändert: Die junge Mutter, die erst wenige Wochen zuvor ihr drittes Kind auf die Welt brachte, hat Schilddrüsen-Krebs. Es beginnt eine Kranken-Odyssee mit Klinikaufenthalten, OPs und Strahlentherapie.
Sieben Jahre ist die schwerwiegende Diagnose nun her. Vera Käflein ist inzwischen 34 und gerade erst erneut Mutter geworden. Ihre Erfahrungen der vergangenen Jahre hat die gelernte Sozialpädagogin und Mutter von vier Kindern in einem sehr persönlichen und berührenden Buch zusammengefasst: „Ihr wart mein Licht an dunklen Tagen: Meine drei Kinder, der Krebs und ich“ heißt das 285 Seiten starke Taschenbuch, das bereits im vergangenen Sommer bei Lübbe erschien.


Greifbare Erinnerung
Das Buch ist für sie nicht nur eine greifbare Erinnerung an die schwere Zeit („Ich wollte die Geschichte für mich und meine Kinder einfach aufschreiben.“), es ist auch eine Chronik einer persönlichen Entwicklung hin zu dem Mensch, der Käflein heute geworden ist. „Ich denke, dass wir noch dankbarer geworden sind für die Dinge, die einem eigentlich ganz normal erscheinen“, berichtet sie. Sie habe in dieser Zeit viel gelernt, etwas, was sie über das Buch auch an andere Menschen weitergeben will: „Ich will Hoffnung machen.“ Und sie will die Dankbarkeit, die sie fühlt, auch in jenen wecken, die zum Glück nicht durchmachen mussten, was sie hinter sich hat.
Ihre Geschichte beginnt direkt nach der Geburt ihres dritten Kindes: Käflein kommt frisch aus dem Krankenhaus nach Hause und freut sich eigentlich auf einen unbeschwerten Familiensommer. Sie zeigt ihrem jüngsten Nachwuchs gerade die Wohnung als sie vor einem Spiegel eine deutliche Schwellung an ihrem Hals entdeckt. Bei ihrem Besuch beim Hausarzt wird noch eine Zyste aufgrund der Hormonumstellung nach Geburt und Schwangerschaft vermutet. Sie solle sich keine Sorgen machen und einfach abwarten. Doch die Schwellung lässt der jungen Frau keine Ruhe, sie hört auf ihr Bauchgefühl und holt sich eine Zweitmeinung bei ihrer Frauenärztin, bei der sie eigentlich nur zur Nachsorge war. Diese rät ihr, sofort zum HNO-Arzt zu gehen, der sie auch direkt ins Krankenhaus weiterschickt.
Nach einer Woche Untersuchungen und einer OP steht dann schließlich fest: Es ist Schilddrüsenkrebs. Eine verzweifelte Situation für alle. Auch Freunde und Familie reagieren geschockt: „Statt fröhlicher Babynews kam die Krebsnachricht, das war natürlich für alle nicht einfach“, erinnert sich Käflein. Das sei vor allem auch für sie selbst immer schade gewesen: „Trotz der ganzen Panik und Todesangst war ich ja immer noch eine junge Mutter, die sich über ihr jüngstes Glück freuen und das auch mit anderen teilen wollte.“
Wie sie diese Tage, Monate und Wochen durchgestanden hat? „In dieser Zeit habe ich nicht nachgedacht, ich habe einfach gehandelt, funktioniert“ schildert Käflein. Erst beim Schreiben des Buches sei ihr das klar geworden.
Kurz darauf wird ihr die gesamte Schilddrüse entfernt, zudem alle in der Nähe liegenden Lymphknoten, da der Tumor bereits gestreut hatte. Wenige Wochen später musste sie zudem radioaktiv bestrahlt werden – „in dieser Zeit durfte ich meine Kinder überhaupt nicht mehr sehen.“ Der Kleinste sei bis auf die Bestrahlungszeit aber immer im Krankenhaus dabei gewesen – ein Lichtblick in dunklen Zeiten für die junge Mutter. Ihre älteren beiden Kinder waren zu dieser Zeit sieben und zwei, vor allem die älteste Tochter bekam schon viel mit von der schweren Zeit durch die ihre Mutter ging: „Mir war immer wichtig, dass ich ihr offen, aber auch kindgerecht alles erkläre, dass es da keine Geheimnisse gibt. Angst macht es Kindern vielleicht eher, wenn sie etwas nicht verstehen oder ausgeschlossen werden“, so Käflein.
Nach zwei langen Jahren scheint der Krebs aus dem Leben der Käfleins verbannt, doch dann entdeckt sie eine Beule am Hals ihres damals vierjährigen Sohnes und der Albtraum scheint erneut zu beginnen. Doch nach nervenzehrendem Warten kommt die erlösende Nachricht: ihr Sohn hat keinen Krebs. Bakterien aus seinem Mundraum hatten sich in einem Lymphknoten abgekapselt und entzündet.
Inzwischen geht es allen vieren also wieder sehr gut, kann Käflein erfreut berichten, „mein Jüngster ist inzwischen etwa vier Monate alt und gesund, das ist das wichtigste. Dass auch ich die letzte Zeit gesund und entspannt erleben durfte, weiß ich so sehr zu schätzen wie noch nie. Obwohl es mein viertes Kind ist, habe ich gerade das Gefühl, alles nochmal wie neu zu erleben.“


Claudia Kleinhans

INFO: „Ihr wart mein Licht an dunklen Tagen: Meine drei Kinder, der Krebs und ich“ von der Freiburgerin Vera Käflein. Erstauflage im August 2020 als Taschenbuch mit 285 Seiten bei Lübbe.
ISBN: 978-3-404-61700-5
Preis: 10 Euro
www.facebook.com/verakaeflein
www.luebbe.de

Zurück