Freiburg zündet Impfturbo

Die Zeit des Impfstoffmangels ist vorbei – bald kann unter Vollauslastung geimpft werden

Der März soll die große Wende einleiten: Freiburg und die restliche Republik wollen den Impfturbo zünden. Im Zentralen Impfzentrum Freiburg wird ab Montag, 8. März, unter Vollauslastung gegen das Coronavirus geimpft – und das sieben Tage die Woche. Der Chef des Zentrums hegt keinen Zweifel daran, dass das reibungslos funktionieren wird.
Impfen ist der einzige Weg aus der Pandemie. Daher ist es wenig verwunderlich, dass der holprige Impfstart für viele Bürger der Stimmungskiller Nummer eins ist. Auch das Zentrale Impfzentrum Freiburg (ZIZ) konnte, obwohl es über die Landesgrenzen hinaus als vorbildlich gilt, bislang nur auf Sparflamme impfen. Die Auslastung lag in der Regel bei nur 50 Prozent. Der Grund: Impfstoff war bis dato Mangelware.
Doch endlich gibt es gute Nachrichten: Ab Kalenderwoche 10, also ab dem 8. März, sind im ZIZ deutlich mehr Impftermine möglich, da von da an größere Liefermengen der Vakzine eintreffen werden: „In der Woche können wir dann bis zu 17.000 Termine vergeben“, erklärt Messe- und ZIZ-Chef Daniel Strowitzki. Baden-Württemberg beginnt ab sofort, alle Personen bis einschließlich 64 Jahren aus der zweiten Priorität der Empfehlung der Ständigen Impfkommission zu impfen. Zusätzlich können sich Menschen, die in Schulen und Kitas im direkten Kontakt mit Kindern arbeiten, impfen lassen. Geimpft werden die Impfstoffe von Biontech/Pfizer sowie von Astra-Zeneca, der derzeit allerdings nur für Personen unter 65 Jahren bestimmt ist. „Bislang gibt es bei uns bezüglich des Impfstoffs Astra-Zeneca keinerlei Diskussion. Die Leute sind froh, dass sie mit diesem Vakzin geimpft werden“, erklärt Strowitzki.
Neu ist, dass in Freiburg ab sofort sieben Tage die Woche, jeweils von 8 bis 17 Uhr, geimpft wird. Davon wird es vier Tage geben, an denen der Impfstoff von Biontech verimpft wird und drei, an denen ausschließlich Astra-Zeneca gespritzt wird. Weiterhin sind die ZIZ-Mitarbeiter zusätzlich mit fünf mobilen Teams unterwegs und impfen in Alten- und Pflegeheimen. Das Ziel, in den Einrichtungen bis Mitte März mit der zweiten Impfung fertig zu sein, werde erreicht werden, so Strowitzki. Derzeit stimme man sich mit dem Land Baden-Württemberg darüber ab, wie die Folgeaufgaben für die Mobilteams aussehen könnten.


Bis Ende Juni durchgeimpft?
„Die Abläufe sind so eingespielt, dass wir uns absolut dafür gerüstet fühlen, künftig über 2.000 Personen zu impfen, ohne dass es zu irgendwelchen Problemen kommt. Es gäbe auch noch Luft nach oben, ohne dass wir an unserer Kapazitätsgrenze kratzen würden“, ist Strowitzki optimistisch. Sollte mehr Impfstoff geliefert werden als geplant, könnte das ZIZ jederzeit mit einer verlängerten Öffnungszeit reagieren.
Strowitzki geht davon aus, dass irgendwann auch Personen, die der Gruppe 3 der Impfreihenfolge angehören, ins Impfzentrum kommen werden. Langfristig aber könne eine breite Strategie nur funktionieren, wenn auch Haus- und Betriebsärzte mit einbezogen würden. Genau dies plant der Bund. Schon ab der zweiten Märzwoche sollen Hausärzte in die Impfkampagne einbezogen werden, meldete am Dienstag das Handelsblatt. Der Hausärzteverband begrüßt dies und verbreitet Optimismus: Man könne mit den Impfungen bis spätestens Ende Juni durch sein. Voraussetzung: Der Bund muss die aktuelle Rechtsverordnung fürs Impfen anpassen. Außerdem sei eine geringere Dokumentationsbürokratie notwendig. Derzeit, so der Verband, fordere das Robert-Koch-Institut eine vier Seiten lange Befragung in den Impfzentren. Somit droht der größte Bremseffekt mal wieder von Seiten der deutschen Bürokratie.

Sven Meyer





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