„Die Pegel steigen wieder“

Nach der Dürre endlich wieder genug Regen – was das bedeutet, erklärt ein Freiburger Hydrologe im Interview

Staubige Straßen im Sommer, ein niedriger Grundwasserpegel und Dürreschäden in den Wäldern – die Trockenheit der vergangenen Jahre hat in der Region deutliche Spuren hinterlassen. Nun kam endlich wieder richtig was runter an Regen und Schnee. Was das für die Region heißt und ob die Grundwasserpegel nun wieder steigen hat Claudia Kleinhans bei dem Freiburger Professor für Hydrologie, Jens Lange in Erfahrung gebracht.

Herr Lange, können Sie zuerst einmal die Situation in der Region nach den vielen Dürrejahren in der vergangenen Zeit schildern?

Jens Lange: Dürre bedeutet erstmal Niederschlagsdefizit. Der Boden trocknet aus und so gelangt auch weniger Niederschlag ins Grundwasser. In den vergangenen Jahren hatten wir oft den Fall, dass es eine extreme Austrocknung der Böden gab und damit auch längerfristig eine geringere Grundwasserneubildung.

Wie hat sich das bemerkbar gemacht?

Lange: Die wichtigste Auswirkung in unserer Region waren sicher die Waldschäden, die auch längerfristig nicht verschwinden werden. Denn diese lassen sich durch den aktuellen Niederschlag leider kurzfristig nicht mehr reparieren. Was kaputt ist bleibt kaputt.

Aber das Grundwasser ist durch den Regen und Schnee in der vergangenen Zeit nun wieder gestiegen?

Lange: Das kommt ganz auf die Region und die jeweiligen Niederschlagsmengen an. Aber generell kann man von der Tendenz sprechen, dass die starken Niederschläge der vergangenen Monate – vor allem der Januar war sehr feucht – dafür gesorgt haben, dass der Grundwasserspiegel wieder steigt. Der erhöhte Niederschlag hat sich ja aktuell auch durch Hochwasser bemerkbar gemacht. Diese Kombination aus Tauwetter und Niederschlägen ist bis ins Grundwasser durchgedrungen. Die Pegel messen derzeit einen Anstieg. Ein gutes Zeichen. An manchen Orten sind wir sogar schon wieder im Normalbereich.

War dieser Winter im Vergleich besonders reich an Niederschlägen?

Lange: Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) ist am Feldberg ungefähr das Monatsmittel an Niederschlägen gefallen, in unteren Lagen, beispielsweise in Freiburg und insbesondere in Lahr ist ungefähr das Doppelte gefallen von dem, was normalerweise im Januar zu erwarten wäre. Das ist schon sehr viel und damit auch gut für die Neubildung von Grundwasser.

Wie tief muss man aktuell in der Region graben, um an Grundwasser zu kommen?

Lange: Auch das ist sehr unterschiedlich. In der Oberrheinebene liegt unser größtes Grundwasserreservoir, was sehr wichtig für die Wasserversorgung in Freiburg ist. Laut Landesamt (LGRB) kann der Abstand vom Grundwasserspiegel bis zur Oberfläche bei über 20 Meter liegen, wie zum Beispiel bei Neuenburg. In manchen Regionen reicht das Grundwasser aber auch bis an die Oberfläche heran.

Könnte das Wasser bei uns in der Region auch knapp werden?

Lange: Da muss man unterscheiden. Während Freiburg selbst, vor allem durch das Wasserwerk Hausen und seinen Zugang zur Oberrhein- ebene, gut mit Wasser versorgt ist, sieht es bei den Schwarzwalddörfern, die von Quellen abhängig sind, teilweise anders aus. Hier kann das Wasser im Sommer auch durchaus knapp werden.

Zurück