Öffnen Grundschulen und Kitas am Montag?

Wechselunterricht, räumlich getrennte und kleinere Gruppen: so sieht das Konzept der Landesregierung aus

Kitas und Grundschulen in Baden-Württemberg könnten bereits am kommenden Montag wieder öffnen – das plant die Landesregierung.
Für Philipp Henneke, Leiter der Abteilung für Pädiatrische Infektiologie und Rheumatologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Freiburg, ist dies nicht zu früh: „Es hat sich in den letzten Wochen eine deutliche Entspannung bezüglich SARS-CoV-2-Infektionen in der Region ergeben. Daher scheint es aus meiner Sicht angemessen, nun mit einer Öffnung der für die Kinderentwicklung wichtigen Einrichtungen zu reagieren. Es ist bis auf Weiteres, und damit meine ich die nächsten Monate, nicht davon auszugehen, dass wir Sicherheit und verlässliche Stabilität bezüglich der Pandemieentwicklung erlangen werden. Daher sollten wir flexibel reagieren, das heißt, wenn sich die Infektionslage entspannt, auch die harten Einschnitte in das Leben von Kindern in der Region lockern. Die Virusmutanten ändern an dieser Einschätzung nichts. Ihre Ausbreitung wird sich nicht dauerhaft aufhalten lassen“, sagt er.
Folgendes Konzept ist geplant: In die Kitas sollen wieder alle Kinder kommen können – hier soll es einen „Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen“ geben. Das heißt, hier werden feste Gruppen gebildet und es soll so gut wie möglich auf die Hygiene geachtet werden.
Die Grundschulen will man schrittweise öffnen – hier soll es einen Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht geben. Zwei Klassenstufen kommen dabei in die Schule, die beiden anderen lernen von zu Hause aus. Die Klassen im Präsenzunterricht werden geteilt und räumlich getrennt. Allerdings muss kein Kind in die Schule kommen, der Fernunterricht läuft weiter und es gibt eine Notbetreuung.
Das sorgt für Kritik: „Lehrkräfte müssen Notbetreuung, Präsenzunterricht und parallel dazu den Fernunterricht leisten, das kann nicht funktionieren. Die Arbeitsbelastung ist viel zu hoch, dabei gäbe es beispielsweise viele Lehramtsstudenten, die sehr froh wären, wenn sie in der Notbetreuung eingesetzt werden würden“, sagt Monika Stein aus Freiburg, Landesvorsitzende der baden-württembergischen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. „Die Lehrkräfte sind seit März im Ausnahmezustand, aus eigener Erfahrung kann ich sagen, da ich im März selbst noch aktive Lehrerin war, es ist tausendmal anstrengender Fernunterricht zu gestalten und alle Kinder zu erreichen, als im Präsenzunterricht. Auch der Druck auf die Kinder ist groß, viele machen sich Sorgen, wie sie das alles schaffen sollen. Ich würde mir wünschen, man würde den Bildungsplan entzerren und längerfristig mit kleineren Gruppen planen, um die Kinder nicht zu überfordern.“


Keine Maskenpflicht
Auch Abschlussklassen werden ab Montag im Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht unterrichtet. Die Schulen entscheiden dabei selbst über das Angebot.„Für die Kinder ist das sehr wichtig wieder in der Schule unterrichtet zu werden denn sie brauchen die sozialen Kontakte, die Lernatmosphäre und einen geregelten Rhythmus. Manche Kinder sind ganz schön im Nachteil, weil die Eltern nicht so gut beim Lernen helfen können, die stabile Internetverbindung oder das digitale Gerät fehlt“, betont Monika Stein.
Das Personal der Grundschulen soll mit KN95-Schutzmasken ausgestattet werden, eine Maskenpflicht wird es laut Landesregierung aber nicht geben. „Eine Maskenpflicht für Erwachsene ist eine Mindestvoraussetzung. Der Gesundheitsschutz muss beim Präsenzunterricht im Fokus stehen“, sagt Monika Stein. Aufgrund der Virus-Mutationen bräuchte es zusätzlich FFP2-Masken und Luftreinigungsgeräte.
Die Landesregierung setzt auf mehr Schnelltests für das Personal von Kitas und Schulen. Dieses kann sich bis zu den Osterferien zweimal pro Woche mittels Schnelltests anlasslos testen lassen. Die Schnelltests sollen laut Sozialministerium bei Ärzten und Apotheken gemacht werden. Zusätzlich sollen kommunale Testzentren eingerichtet werden.
Ein weiteres Argument der Landesregierung für die Öffnung: Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren seien keine Treiber der Pandemie und selten mit dem Virus infiziert. „Kinder können Infektionen übertragen. Da sie weniger Symptome haben, insbesondere Husten, sind sie aber weniger ansteckend als Erwachsene. Daher gibt es keinen Grund, Kinder prinzipiell von essenziellen Dingen, und dazu gehören Kindergarten und Schule, auszuschließen, während Erwachsene arbeiten gehen“, sagt auch Philipp Henneke.
Eine endgültige Entscheidung, ob Schulen und Kitas öffnen, will die Landesregierung auf Grundlage der aktuellen Zahlen noch in dieser Woche treffen.

Saskia Schuh














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