Volle Kraft voraus für den Sport

Der frühere Ruderer Thomas Redhaber ist der neue Leiter am Freiburger Olympiastützpunkt – Interview

Seit Oktober leitet Thomas Redhaber (34) den Olympiastützpunkt Freiburg-Schwarzwald. Dort ist es die Aufgabe des gebürtigen Freiburgers, Kaderathleten aus Skispringen, Ringen, Mountainbiken und weiteren Sportarten in deren Trainingsalltag zu unterstützen. Hier spricht der studierte Sportmanager – selbst früher Sportruderer – über Olympia und den Ausbau des OSP.

Herr Redhaber, mitten in der Pandemie haben Sie am OSP begonnen. Wie ungewöhnlich war das?

Thomas Redhaber: Es war anders, aber machbar. Am Olympiastützpunkt hat man, gerade als Leiter, mit vielen unterschiedlichen Menschen und Institutionen zu tun. Die alle kennenzulernen, am besten persönlich, war wegen Corona schwierig. Ein paar Gespräche stehen nach wie vor noch aus.

Sie haben Sportmanagement studiert und im Sport bereits als Trainer und Funktionär gearbeitet, waren zuletzt aber Marketing-Manager bei der Firma Testo. Haben Sie mit einer Rückkehr in den Sport überhaupt gerechnet?

Redhaber: Um ehrlich zu sein nicht. Nur durch einen glücklichen Zufall habe ich auf einer Veranstaltung mitbekommen, dass der erste Aspirant auf die Nachfolge von Hans-Ulrich Wiedmann am OSP abgesprungen war. Auf der Heimfahrt im Auto habe ich das erst mal sacken lassen – dann hat es Klick gemacht und ich habe mich aktiv beworben.

Stoßen die Räumlichkeiten am OSP aufgrund der Corona-Abstandsregelungen an ihre Grenzen?

Redhaber: Im Training funktioniert es ganz gut. Was uns einschränkt, und zwar unabhängig von Corona, sind die Besprechungsmöglichkeiten. Wir haben nur drei Büroräume und einen Besprechungsraum. Unser Team ist stetig größer geworden, vor allem in der Laufbahnberatung, den Trainingswissenschaften oder in der Sportpsychologie. Es liegt uns also am Herzen, dass wir den Anbau realisieren - hoffentlich im kommenden Jahr.

Welche Pläne gibt es noch für die Sport-Infrastruktur am OSP?

Redhaber: Am Schanzenzentrum in Hinterzarten soll eine Windmessanlage entstehen. Aktuell nutzen die DSV-Adler dafür den Windkanal des Automobilherstellers Audi. Sobald die Anlage an der Schanze steht, haben wir eine weitere Möglichkeit, die Position der Skispringer im Wind zu messen und zu optimieren. Mit dem Vorteil, das direkt im Anschluss auf der Schanze umsetzen zu können.

In der Kartäuserstraße in Freiburg entsteht ein Neubau des Sportinternats. Wie ist dort der Stand?

Redhaber: Bei dem Gebäude handelt es sich um das Katholische Lehrlingswohnheim. Wir sind aber einer der größten Mieter und werden bis zu 37 Plätze belegen. Das alte Gebäude wurde abgerissen, der Neubau startet demnächst. Wir liegen im Zeitplan und planen den Einzug Ende 2022. Bis dahin haben wir die Sportler auf drei Übergangsstandorte verteilt, hier in Freiburg und auf das BBZ in Stegen.

Noch immer wird viel spekuliert über eine erneute Absage der Sommerspiele in Tokio. Wachsen bei Ihnen auch die Zweifel?

Redhaber: Ich will mich nicht an Spekulationen beteiligen. Ich versuche die Athletenbrille aufzuziehen und bin da Zweckoptimist. Im Moment gehe ich davon aus, dass Olympia stattfindet. Vieles kann noch nicht beantwortet werden, z.B. welche Einschränkungen es geben wird oder wie die Anreise der Teams laufen wird.

Spitzensportler investieren Jahre in ihren Traum von Olympia.

Redhaber: Richtig. Und dann spielt es auch keine Rolle, wenn die Spiele nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen stattfinden können - wenn es z.B. kein olympisches Dorf oder keine Eröffnungszeremonie gibt. Trotzdem würden die allerwenigsten Athleten sagen, ich verzichte lieber. Das würde man aus einem Sportlermund nicht hören. Es gibt genügend Beispiele von Sportlern, die ihre Karriere schon 2020 beenden wollten, und sich jetzt nochmal aufgerafft haben, um ihren Traum weiter zu verfolgen. Wenn der dann platzt, ist das für jeden Sportler eine herbe Enttäuschung.

Sie sind als Ruderer an einem Wintersport-Standort gelandet. War das kein Ausschlusskriterium?

Redhaber: (lacht) Natürlich kann man das Rudern nicht mit dem Wintersport vergleichen. Ich bin zum Glück auch nicht derjenige, der mit den Skispringern am Windkanal steht und mit ihnen die Positionen optimiert. In der Managerrolle dagegen sind die Grundgesetze des Leistungssports über alle Sportarten hinweg gut vergleichbar. Und persönlich habe ich großen Spaß am Wintersport, bin selbst Skifahrer und Langläufer. Biathlon habe ich auch schon ausprobiert. Was mir noch fehlt ist Skispringen.

Sind Sie auch schon auf der Ringermatte gestanden?

Redhaber: Ich kenne Frank Stäbler persönlich aus meiner Zeit bei der Deutschen Sporthilfe in Frankfurt, wo ich während meines Studiums mein Pflichtpraktikum absolviert habe. Mit ihm habe ich mich mal am Ringen versucht, wenn auch nur auf dem Rasen.

Mutig, sich von einem mehrfachen Welt- und Europameister aufs Kreuz legen zu lassen…

Redhaber: Ich glaube, er hat nicht 100 Prozent gegeben. Es war nur eine kleine Demonstration, zum Glück.Das Interview führte Matthias Joers

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